NoVA-Malus: Wer blechen muss und wer nicht
Am 1. März 2011 werden viele Autos empfindlich teurer. Autonet.at sagt Ihnen, ob Ihr Neuer davon betroffen ist – und wieviel der Finanzminister einsackelt.

Ab 1. März kommt die neue NoVA. Käufer von leistungsstarken SUV und Sportwagen werden dann empfindlich zur Kassa gebeten. Der Ferrari 612 Scaglietti etwas kostet dann sage und schreibe 16.200 Euro mehr.
Was haben ein BMW X5, eine Mercedes R-Klasse und ein Porsche 911 gemeinsam? Sie alle werden ab 1. März teurer – und teilweise sogar empfindlich. Schuld daran ist eine Änderung der Normverbrauchsabgabe, kurz NoVA. Schon bisher musste man für Fahrzeuge, die mehr als 160 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren, einen so genannten NoVA-Malus zahlen. Er betrug einheitlich 25 Euro für jedes Gramm, das über die erwähnten 160 g/km hinausging (zuzüglich Mehrwertsteuer!) und wurde bei der Erstanmeldung bezahlt – als Teil des Kaufpreises.
Die neue Regelung: Schärferer Malus
Ab 1. März fällt dieser Malus nun größer und gestaffelt aus. Für Fahrzeuge zwischen 160 und 180 g/km bleibt noch alles beim Alten. Für Werte über 180 g/km müssen aber nun 50 Euro pro Gramm berappt werden. Und jedes Gramm, das über 220 g/km liegt, kostet dann 75 Euro. Dabei darf man nicht vergessen: Auf all diese Zahlen wird auch noch die Mehrwertsteuer eingehoben. Wie diese Belastung konkret aussieht, zeigt ein Rechenbeispiel am Ende dieses Texts.
Die Kritik der Experten
Die Berechnung wird also noch viel komplizierter, als sie ohnehin schon ist – und genau das stört auch Experten wie Mag. Elisabeth Brandau von der verkehrswirtschaftlichen Abteilung des ÖAMTC. „Mitunter blicken nicht einmal mehr die Finanzbeamten durch“, erklärt sie im Autonet-Interview. Und noch einen Kritikpunkt hat die Expertin parat: „Dass verbrauchsstarke Fahrzeuge höher besteuert werden, ist nur dann akzeptabel, wenn gleichzeitig besonders sparsame Fahrzeuge entlastet werden. Genau das ist bei dieser NoVA-Änderung jedoch nicht der Fall.“
Wer bleibt verschont?
Aufatmen können alle, die sich einen Kleinwagen, Kompakten oder ein braves Familienauto zulegen. Bis hinauf in die Klasse von Passat, Mondeo & Co fallen nur ganz wenige Modelle mit starker Motorisierung in die Teuerungsfalle. Die beliebten Kompakt-Vans sind ebenfalls nicht betroffen, auch die Dieselvarianten der Midsize-SUV bleiben verschont. Sogar einige Luxuslimousinen entziehen sich dem neuen Malus: Wer genau schaut, findet sogar Motor-Varianten der Mercedes S-Klasse, des 7er BMW und des Audi A8, die unter dem Grenzwert der Steuererhöhung bleiben.
Und wer zahlt ab März deutlich mehr?
Mit voller Härte trifft es die großen SUV, mit denen man freilich kein Mitleid haben muss. Beispielsweise werden alle BMW X5, alle X6, alle Audi Q7, alle Mercedes der Baureihen G, GL, ML und R sowie der VW Touareg (auch der Hybrid!) vom Fiskus stärker zur Kasse gebeten. Weiters trifft es natürlich auch die leistungsstarken Sportwagen: Alle Porsche-Modelle, alle Versionen des BMW Z4, des Mercedes SL und des Audi R8 werden teurer. Klarerweise gilt gleiches für sämtliche Supercars von Ferrari, Maserati, Lamborghini, Bentley, Rolls-Royce. Eine Blitzumfrage von Autonet hat übrigens ergeben, dass die Importeure die steuerlichen Mehr-Belastungen nicht durch Verringerung der Netto-Preise abfedern sondern 1:1 an die Autokäufer weitergeben werden.
Bis zu 16.200 Euro teurer!
Unter den Exoten finden sich dann auch einige Extrembeispiele für die Teuerung ab dem 1. März. Den Vogel schießt der Ferrari 612 Scaglietti ab: 16.200 Euro mehr gelangen dann in die Staatskasse. Weitere Beispiele? Der Mercedes ML 63 AMG wird um 11.520 Euro teurer, der Rolls-Royce Phantom um 11.100 Euro, der Audi R8 Spyder 5,2 FSI um 8940 Euro, der Bentley Mulsanne um 11.580 Euro und der Nissan GT-R um 5880 Euro. Aber es gibt auch ein paar löbliche Ausnahmen im Luxussegment. Der bärenstarke Porsche Cayenne Hybrid kommt mit läppischen 390 Euro Aufpreis glimpflich davon; und der fast 400 PS starke Lexus LS 600 h wird auch nur um 1140 Euro teurer. Da macht sich die aufwändige Technik doch bezahlt.
25 Millionen für den Fiskus
Wer bei der Auflistung der Loser glaubt, dass nur ein paar Exoten in den Garagen der Superreichen betroffen werden, der irrt: Mehr als neun Prozent der Zulassungen fielen im vergangenen Jahr in die Kategorie der Fahrzeuge mit CO2-Emissionen von mehr als 180 g/km. Die Tendenz ist jedoch fallend und könnte von der neuen Strafsteuer noch beschleunigt werden. Allerdings wohl eher, weil die Autokonzerne zunehmend umweltfreundlichere Angebote auch bei Sportwagen und großen Limousinen im Programm haben – und weniger aufgrund des Lenkungseffekts der Steuer. Auf jeden Fall kann sich der Finanzminister die Hände reiben: 2011 hat er rund 25 Millionen Euro an Mehreinnahmen durch die NoVA-Änderung budgetiert.
Der Autonet-Tipp: Auf Liefertermin achten!
Wer angesichts der Teuerungswelle noch an die rasche Anschaffung eines stärkeren Fahrzeugs denkt, der sollte den Liefertermin im Auge behalten. Die NoVA wird nämlich bei der erstmaligen Zulassung des Fahrzeugs in Österreich fällig. Die Unterschrift am Kaufvertrag ist daher nicht entscheidend für die Höhe der NoVA; wer jetzt kauft, das Auto aber erst im März anmeldet, muss bereits den höheren NoVA-Malus berappen.
Wie es weitergeht: Schlechte Zeiten für Benzinvernichter
Parallel mit der NoVA-Änderung im März wurde auch schon der nächste Schritt fixiert. Ab 1. Jänner 2013 sinken die Grenzwerte für den NoVA-Malus weiter. Dann werden schon Fahrzeuge ab 150 g/km von Strafzahlungen erfasst (25 Euro pro Gramm), ab 170 g/km zahlt man 50 Euro pro Gramm, ab 210 g/km werden es 75 Euro pro Gramm sein. Wie es über das Jahr 2013 hinaus aussieht, ist derzeit noch offen. Der Wunsch von ÖAMTC-Expertin Elisabeth Brandau: „Eine transparentere Berechnungsformel und stärkere Belohnungsanreize für den Kauf umweltfreundlicher Autos.“
NoVA-Malus neu: Das Rechenbeispiel
Berechnen wir den neuen Malus anhand des Porsche 911 Carrera. Der Basis-Neunelfer hat einen CO2-Ausstoß von 242 Gramm und ist damit in dieser Leistungsklasse äußerst vorbildlich. Dennoch werden die Käufer zur Kasse gebeten: Bislang zahlten sie für jedes Gramm über 160 einheitlich 25 Euro, also 2050 Euro (82 x 25). Inklusive Mehrwertsteuer waren es 2460 Euro. Ab 1. März wird die Berechnung komplizierter. Für den Bereich zwischen 160 und 180 g/km werden weiterhin je 25 Euro fällig (20 x 25 = 500 Euro). Zwischen 180 und 220 g/km werden je 50 Euro verlangt (40 x 50 = 2000 Euro). Und für jedes Gramm über 220 g/km werden schließlich 75 Euro in Rechnung gestellt. In unserem Beispiel sind das 22 x 75 = 1650 Euro. Zusammen ergibt das einen NoVA-Malus von 4150 Euro; zuzüglich Mehrwertsteuer stehen am Ende 4980 Euro zu Buche – also 2520 Euro mehr als bisher.
Drucken01.02.2011 von Peter Schönlaub