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Günstig ist er nicht der MINI John Cooper Works Roadster. Einstiegspreis: ab 35.220 Euro. Unser Test-Exemplar kostet gut 44.000 Euro.
 
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MINI John Cooper Works Roadster: Sir Radikal

Intensiver als mit dem neuen MINI Roadster lässt sich der Sommer wohl kaum genießen. Für reichlich Spaß sorgt die stärkste Motorisierung. Wir haben den MINI John Cooper Works Roadster auf Herz und Nieren getestet.

10.06.2012 | 00:00 | (autonet)

Eines lernt man als Motorjournalist recht fix: Mit schnellen Fahrzeugen sollte man – zumindest in Österreich – auf gar keinen Fall zu flott unterwegs sein. Besonders dann nicht, wenn man einen Chili-roten John Cooper Works Roadster fährt. Den erspäht – seiner geduckten Haltung und den martialischen Lufteinlässen sei Dank – jeder Polizist instinktiv bereits aus mehreren Kilometern Entfernung. Und wer ihn nicht sieht, hört ihn längst: Die extralaut bollernde und knallende Doppelrohr-Auspuffanlage nimmt nämlich genauso wenig Rücksicht auf Fahrer und Beifahrer wie das brettharte Fahrwerk. Wir haben also längst gelernt auf unsere Geschwindigkeit zu achten.

Bescheidene Aussicht
Strafe gezahlt haben wir während des 10-tägigen Tests dennoch. Fahrverbotsschildern sollte man doch bitte Beachtung schenken, erklärte uns die blutjunge Polizistin flux. Klingt einfach, ist es als 1,93 Meter Hüne im MINI Roadster allerdings nicht: Die Schießscharten-ähnliche Frontscheibe – sie ist im Vergleich zum normalen MINI deutlich schmäler und steht zudem wesentlich schräger – bevorteilt die Sicht nach vorne nicht unbedingt. Ausnahme wollte die fesche Dame in Uniform keine machen und forderte prompt 21 Euro. Räudig zahlten wir und setzten die Parkplatzsuche fort – was die eigentliche Intention des unabsichtlichen Fahrens im Fahrverbot war. Parklücken bieten sich dank der überschaubaren Außenlänge von 3,8 Metern jede Menge.

Wir lassen arbeiten
Den Roadster mit geschlossenem Verdeck in eine Lücke zu buxieren, verlangt, der bescheidenen Rundumsicht wegen, dennoch nach ein wenig Übung. Da ist die serienmäßig vorhandene Park Distance Control äußert hilfreich. Man könnte auch das Stoffverdeck in Null-Komma-Nix entriegeln und per Hand nach hinten werfen – oder, wenn wie in unserem Fall 903 Euro in das elektro-hydraulische Verdeck investiert wurden, den Kippschalter am Innenspiegel betätigen und die Stoffmütze in unter 10 Sekunden sich selbst zusammenfalten lassen. Der Kofferraum verliert dabei übrigens keinen einzigen seiner 240 Liter. Das „normale“ MINI Cabrio bietet lediglich 120 Liter Stauraum-Volumen, hat dafür aber zur Not auch noch eine Rücksitzbank als erweiterte Ablagefläche. Die gibt’s im Roadster natürlich nicht – braucht es auch nicht.

Präzise und dennoch brutal
Die beiden serienmäßig verbauten vorderen Sportsitze bilden einen guten Kompromiss zwischen Renn- und Langstreckentauglichkeit. Das brettharte Fahrwerk – so hat es beim John Cooper Works Roadster auch zu sein – können sie dennoch nicht verleugnen. Der JCW lenkt zackig ein und durchschneidet Kurven präzise wie ein Skalpell die Haut. Brutal brachial hingegen der Vorwärtsdrang: In glaubwürdigen 6,5 Sekunden geht’s laut Herstellerangabe auf Tempo 100 und gefühlt linear weiter. Erst bei 237 km/h bleibt die Nadel auf dem in der Mittelkonsole platzierten, tellergroßen Tacho stehen. Das 6-Gang-Getriebe lässt sich knackig und ohne rucken schalten wie kaum ein anderes. Auf leisen Pfoten ist der 1.185 kg leichte Roadster nie unterwegs. Der 1600er Murl klingt zu keiner Zeit angestrengt sondern röhrt schön kräftig munter vor sich hin und knallt – geht man bei rund 4.000 Umdrehungen vom Gas – freudig nach. Flott gefahren, flossen 8,6 Liter Super auf 100 km durch den Reihen-Vierzylinder. Wer’s drauf anlegt, treibt die Verbrauchsanzeige aber auch auf mehr als 10 Liter hinauf.

Preis und Fazit
Im Vergleich zum Cabrio ist der Roadster rund 1.000 Euro günstiger. Im Zweisitzer Platz genommen werden, darf ab 23.390 Euro (Cooper Roadster). Das von uns getestete Topmodell, der MINI John Cooper Works Roadster, kostet mindestens 35.220 Euro. Ein paar nette Gadgets (elektr. Verdeck, Ledersitze, Leder- und Alcantara-bezogenes Armaturenbrett, MINI Connected, …) der langen Aufpreisliste angekreuzt, kommt unser Test-MINI auf eine stolze Gesamtsumme von knapp 44.000 Euro. Klar, einen Mazda MX-5 – einen der Hauptkonkurrenten des MINI Roadster – gibt es weitaus günstiger, aber auch nur mit maximal 160 PS. Wer also einen definitiv auf „Krawall machen“ ausgelegten und dazu gut aussehenden Kompaktsportler will, kommt am MINI Roadster nicht vorbei.

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