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Heiße Rad-an-Rad-Duelle bei kühlen Außentemperaturen und einmalige Eindrücke beim Mazda MX-5 Open Race.
 
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In Memoriam Thomas Weibold: Vroom Vroom beim Mazda MX-5 Open Race 2010

In Gedenken an unseren Kollegen Thomas Weibold bringen wir noch einmal seine wunderbare Story von der Teilnahme am Mazda MX-5 Open Race 2010.

06.06.2014 | 15:05 | (autonet)

Man kann sich in ein Auto setzen, um von der eigenen Haustür zur Arbeit zu fahren – oder man kann sich in ein Auto setzen, um Spaß zu haben. Ein klarer Vertreter dieser Art des Autofahrens ist der Mazda MX-5 – und das schon seit 24 Jahren. 1990 wurden die ersten Modelle des kleinen Roadsters offiziell in Europa verkauft. Grund genug für Mazda um dieses 20-Jahr-Jubiläum gebührend zu feiern. In irgendeine Veranstaltungshalle einzuladen, ein paar nette Filmchen aus der Geschichte des MX-5 zu zeigen und gemeinsam „Happy Birthday“ zu singen, ist aber nicht passend. Darum lud Mazda im Frühjahr 2010 145 Journalisten in die Nähe von Venedig zum „Mazda MX-5 Open Race“. Autonet.at hatte die tolle Gelegenheit und durfte als Teil des österreichischen Teams an diesem Vier-Stunden-Rennen teilnehmen, wahrgenommen wurde diese Aufgabe von Thomas Weibold.

Venedig im Regen und wir mittendrin

Die 2,7 km lange Rennstrecke befindet sich im Ort Adria. Dass es ein gleichnamiges Wettertief gibt, wurde uns relativ bald klar. Das Thermometer grundelte knapp über der Null-Grad-Marke herum und der Regen tat sein übriges, dass sich der Asphalt von der glitschigen Sorte präsentierte – slippery, wie es im Racing English heißt. Nicht gerade angenehme Bedingungen, um zwei Tage hinter dem Steuer eines Mazda MX-5 Platz zu nehmen, der für das Rennen seines Daches entledigt wurde und dafür einen Überrollkäfig erhielt. Aber nur die Harten kommen in den Garten und ausgerüstet mit feuerfester Unterwäsche, einem FIA-geprüften Rennoverall und Helm war es in der Carbon-Sitzschale durchaus angenehm. Aber schön der Reihe nach.

Erster Kontakt mit unserem Rennflitzer

Am Dienstag gab es das erste Zusammentreffen aller Teilnehmer auf der Rennstrecke. Mazda hatte insgesamt 145 „Journalisten“ aus 26 Ländern eingeladen, die in 29 Fahrzeugen beim Rennen an den Start gehen. Unter den Rennfahrern tummelten sich nicht nur blutige Anfänger, wie meiner einer, sondern auch Schauspieler Ralf Bauer und TV-Koch Tim Mälzer, für unsere Träume vom Podium aber viel schlimmer auch echte Motorsport-Profis. Nach einem Briefing wurden die Rennfahrzeuge erstmals in Augenschein genommen. Diese präsentierten sich in den jeweiligen Länderfarben, wobei natürlich das österreichische Auto am schönsten war. Eine erste Sitzprobe sollte uns gewährt sein, das Beweisen unseres fahrerischen Könnens war aber erst am zweiten Tag vorgesehen.

Rein ins erste freie Training

Voller Ungeduld und in Vorfreude auf das, was uns erwartet, enterten wir daher Mittwochmorgens den Bus für die eineinhalbstündige Anreise zur Rennstrecke. Wir, das sind übrigens David Staretz (Autorevue), Johann Berlakovich (Die Presse), Thomas Grumböck (Oberösterreichische Nachrichten), Alexander Zwickl (Alles Auto) und der Schreiber dieser Zeilen. Wie schon erwähnt, machte das Adriatief seinem Namen alle Ehre, woraufhin es obsolet wurde über den Einsatz von Slickreifen nachzudenken. Um 10.45 Uhr war es dann endlich so weit und die Ampel an der Boxenausfahrt sprang auf Grün. Als zweiter unseres Teams durfte ich meinen Stint herunterfahren. Die erste Kurve verriet bereits, dass es ratsam war das Stabilitätsprogramm nicht gleich auszuschalten, sondern sich erst einmal mit dem Kurs vertraut zu machen. Angetan vom kräftigen Sound unseres MX-5, dank Rennauspuff und der Spritzigkeit des Roadsters (der 160-PS-Motor blieb unverändert, das Gesamtgewicht sank aber auf 1070 kg) und nur von einigen kleinen Heckschwenks eingebremst, übergab ich den MX-5 nach fünf Runden an den nächsten.

Die Zeitabstände werden knapper, am Ende des Trainingstags steht Startplatz 10

Die Zeiten spielten im ersten Training noch keine große Rolle. Etwas überrascht waren wir aber schon, dass uns das belgische Team fast zehn Sekunden auf dem 2,7 km langen Kurs abgenommen hat. Im zweiten freien Training am Nachmittag besserte sich die Wettersituation leicht. Der Regen hörte auf und die Strecke begann leicht aufzutrocknen. Dementsprechend verbesserten sich auch die Zeiten, die Abstände zwischen den Teams wurden kleiner und jeder Fahrer tastete sich näher an sein persönliches Limit heran. Nach dem zweiten Training stand auch die Entscheidung an, wer die für die Startaufstellung entscheidende Superpole fahren wird. Unseren schnellsten Mann, Alexander Zwickl, durfte ran und hatte nur einen Versuch, eine schnelle Runde hinzulegen. Waren wir in den freien Trainings nur auf Platz 16, schaute am Ende Rang Zehn in der Startaufstellung heraus.

Zwischenzeitlich auf Rang Drei

Gute Voraussetzungen also für das Rennen, die Stimmung im Team war prächtig. Nun war Zeit sich eine Taktik für das Rennen zurechtzulegen, wieder über den Haufen zu werfen und eine neue Taktik auszutüfteln. Das Wetter am Renntag machte uns die Entscheidung nicht leichter. Sah es im Warm up danach aus, dass die Strecke auftrocknet, setzte dann wieder leichter Regen ein. Um 12.40 Uhr wurde es dann „heiß“. Die Boxengasse wurde geöffnet und die Renn-MX-5 machten sich auf den Weg zur Startaufstellung. Unser Polesetter musste als erster ins Rennen gehen, so sah es das Reglement vor. Mit voll getanktem Auto war es seine Aufgabe, am längsten auf der Strecke zu bleiben. Um 13.00 Uhr wurde das Rennen als „Wet Race“ gestartet. Das Feld folgte dem Pace Car für drei Runden, um dann endlich richtig losjagen zu dürfen. Im Großen und Ganzen lief alles gut. Unser Mann machte gleich ein paar Plätze gut. Die Polen leisteten sich in der Haarnadel einen Dreher und die Schweizer nutzen das Kiesbeet in vollem Maße aus. Dann war es Zeit für die ersten Tankstopps mit Fahrerwechsel, was uns zwischenzeitlich auf Rang Drei vorspülte.

Die Anspannung steigt

Eigentlich als dritter Mann vorgesehen, schien es dass ich schon früher als erwartet rankommen sollte. Unser zweiter Fahrer glaubte ein Boxensignal gesehen zu haben und kam nach fünf Runden bereits wieder zum Tankstopp, entschied sich dann aber doch zum Weiterfahren. Das kostete natürlich viel Zeit. Nach 2:15 Stunden durfte ich dann wirklich ran. Also machte ich mich auf den Weg von unserer Box zur Tankzone. Bei der Führerscheinprüfung war ich wohl kaum weniger nervös. Und schon bog unser rot-weiß-roter Racer zum Tanken ein. Meine Aufgabe war es den Feuerlöscher zu halten, während Fahrer Eins die 20 Liter Benzin reinlaufen lässt. Dann möglichst schnell durch den Käfig ins Cockpit klettern, den Vierpunkt-Gurt fixieren und unter Beachtung der Tempolimits aus Tankzone und Boxengasse hinaus auf die Rennstrecke.

Rookie auf der Strecke

Was in den freien Trainings lässiges, Spaß bereitendes Fahren auf der Rennstrecke war, fühlt sich nun komplett anders an. Das Adrenalin flutet wie ein Sturzbach aus dem Nebennierenmark. Die Halsschlagader scheint zu platzen. Die erste Kurve rückt näher, ebenso wie die schnelleren von der Start-Ziel-Geraden nachkommenden Verfolger. Als respektvoller Rookie macht man erst einmal Platz, hängt sich aber an die Konkurrenten zum Linienstudium. Dann taucht das Fahrzeug von Mazda Motor Europe auf. Die Rundenzeiten aus dem Training signalisieren: das ist ein Gegner mit dem man es locker aufnehmen kann. Also heißt es ranpirschen. Der Kollege bremst die Schikane unglaublich bald an, zum Überholen ist es hier aber nicht geeignet. Ganz im Gegensatz zu den beiden folgenden Linkskurven, die eigentlich voll gehen. Und schon schiebe ich mich innen vorbei. Weiter geht es mit tollen Duellen mit dem serbisch-rumänischen Team (die ziehen aber vor, sich einen Dreher zu leisten) und den Holländern.

Zeigen wo der Bartl den Most holt

Dann plötzlich taucht ein schwarz-rot-goldenes Auto im Rückspiegel auf und das Cordoba-Gen schlägt durch. Also machen wir uns mit dem MX-5 so breit wie es nur irgendwie geht. Der Germane lässt aber nicht locker und nutzt auch gekonnt eine Unachtsamkeit meinerseits. Da aber bekanntlich nur ein Brief aufgegeben wird, bleibe ich dran und erinnere mich an die heißen Duelle zwischen dem jungen Alex Wurz und Schumi. Nicht minder spektakulär wie in der Formel 1 (nach meinem Gefühl zumindest) ist der deutsche MX-5 in der Zielkurve wieder fällig. Ein Blick nach rechts an der Boxenmauer signalisiert mir allerdings auch schon wieder, dass es Zeit für den nächsten Fahrerwechsel ist. Noch einmal eine schöne Runde hinzaubern und dann rein in die Tankzone, raus aus dem Auto, die endlos langsam reinlaufenden 20 Liter Sprit in den Tank verfrachten und dem Kollegen noch alles Gute auf dem Weg mitgeben. In der Box hole ich mir noch ein paar Schulterklopfer ab und verfolge den weiteren Rennverlauf vom zweiten Stock aus.

Die Abrechnung nach vier unvergleichlich lustigen Stunden

Durch die vielen Tankstopps lässt sich während der vier Stunden nicht viel über das Klassement sagen, wir sind aber guter Dinge, dass wir unseren Startplatz halten können. Die Ernüchterung erfolgt allerdings um 17.00 Uhr. Nach Schwenken der Zielflagge rangieren wir plötzlich auf Rang 19. Wie konnte das passieren? Ganz klar ein Fehler in der Zeitnehmung. Die Enttäuschung ist nicht zu verschweigen. Nach einigen Momenten kommt aber das Glücksgefühl, das uns durch den Fahrspaß im MX-5 zuteil wurde zurück. Es bleibt zwar beim 19. Platz, aber wen interessiert das schon. Immerhin haben wir Teams wie Schweiz, Finnland und Türkei (mit Rallye-Beauty Burcu Cetinkaya) aber auch das deutsche Team mit Tim Mälzer hinter uns gelassen. Nach guter alter österreichischer Hätti-Wari-Tradition könnten wir auch noch unseren zusätzlichen Boxenstopp anführen, der uns drei Minuten und damit zwei Runden gekostet hat. Ohne diesen Stopp wären wir auf Rang Zehn gelandet und damit auch vor den beiden anderen deutschen Teams.

Sieger: Mazda MX-5

Egal! Spaß hat es gemacht und im Großen und Ganzen ist alles ohne gröbere Vorkommnisse ausgegangen. Auch wenn offiziell die Belgier gewonnen haben wollen (Gratulation, übrigens), der echte Sieger ist der Mazda MX-5, der auch nach 20 Jahren nichts an uneingeschränktem Fahrspaß vermissen lässt – Adriatief hin oder her. Happy Birthday MX-5.

 

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