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470 PS stark, 255 km/h schnell. Ein echter Häuptling.
 
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Grand Cherokee: Offroad Rennsport

Häuptling „Wütender Bulle“: Als SRT-8 wird der Grand Cherokee zum gnadenlosen Dampfhammer

13.12.2011 | 00:00 | (autonet)

Mit einem Geländewagen auf die Nordschleife? Auf die Idee können nur Idioten kommen. Oder die Ingenieure der Abteilung „Street and Racing Technology“ (SRT). Sie sind die schnelle Truppe bei Chrysler und haben sich ein Jahr nach seinem Debüt jetzt den Jeep Grand Cherokee vorgenommen. Ein neuer Motor, ein strammes Fahrwerk, ein brachiales Design und vor allem der Ehrentitel „SRT-8“ in der Modellbezeichnung sorgen dafür, dass den Streckenwärtern in der Eifel und auf allen anderen Rundkursen dieser Welt das Lachen im Halse stecken bleiben dürfte. Denn als wäre er auf dem Kriegspfad, wird aus dem sonst so gemütlichen Häuptling der Indianer dank der SRT-Finessen ein wütender Bulle, der Konkurrenten niederwalzt wie eine Herde Büffel bei einer Stampede.

Wachstumsschub
Treibende Kraft ist dabei eine Weiterentwicklung des legendären „Hemi“-Motors mit seinen halbkugelförmigen, also hemisphärischen Brennkammern. Der Achtzylinder wächst allen Downsizingtrends zum Trotz von 6,1 auf 6,4 Liter Hubraum und kann über die Idee eines Laders nur lauthals lachen: Wo andere hohen Druck und direkte Einspritzung brauchen, reichen dem V8 jene Zutaten, die schon seit jeher für Lust und Leistung stehen: viel Hubraum und hohe Drehzahlen. Während die Nadel des Tourenzählers munter an der 6000er-Marke nagt, kommt der Hemi so auf stolze 470 PS und wird zum stärksten Jeep aller Zeiten.

Stark wie nie
Das ist allerdings nicht der einzige Superlativ des SRT-Modells. Wenn gewaltige 630 Nm an den 20-Zöllern reißen und den 2,3-Tonner nach vorne schleudern, als sei die Trägheit der Masse die billige Erfindung eines wirren Physiklehrers, dann erreicht der Grand Cherokee in 4,8 Sekunden Tempo 100 und wird mit einem Spitzentempo von 255 km/h zum schnellsten Jeep aller Zeiten.

Nicht ganz billig
Ach ja, und beim Preis wird er wohl auch die Spitze markieren: In Amerika kostet der Grand Cherokee SRT-8 läppische 60 690 Dollar, aber wenn er im Frühjahr auch in Österreich bei den Händlern steht, wird es mit 70 000 Euro kaum getan sein. Viel Geld für einen Jeep, aber noch immer ein Schnäppchen, wenn man nach Wettbewerbern wie dem BMW X5M, dem Porsche Cayenne Turbo oder dem Mercedes ML 63 AMG schaut. Da sind die Preise alle deutlich sechsstellig.
Trinkspiele
Aber nicht überall fährt der Grand Cherokee ganz vorne im internen Vergleich: Beim Verbrauch jedenfalls reklamieren die Amerikaner einen deutlichen Fortschritt und versprechen dank Zylinderabschaltung und eines speziellen Druckausgleichs im Sportauspuff 13 Prozent mehr Effizienz – allerdings nur auf den gleichförmigen Highwayetappen. Was das Auto am Ende auf dem Prüfstand brauchen wird, hat Jeep noch nicht ausgerechnet. Und eigentlich spielt es auch keine Rolle. Denn erstens ist der Wert doch nur graue Theorie, und zweitens interessiert er bei so einem Auto niemanden: 15 Liter, 20 Liter, 25 Liter – wer sparen will, kauft sich keinen Gelände-, sondern einen Kleinwagen.

Wahlmöglichkeit
Kraft alleine genügt aber nicht – vor allem bei einem Auto mit solchen Maßen und Massen. Einen fast fünf Meter langen, mannshohen und tonnenschweren Kaventsmann zum Sportler zu machen, ist deshalb vor allem ein Job für die Fahrwerker. Und auch die haben ihre Arbeit ganz ordentlich gemacht. Klar, können sie die Fliehkraft nicht abschalten, und irgendwann ist auch beim besten Reifen einmal die Haftgrenze erreicht – aber bis dahin ist der SRT-8 sauber abgestimmt: Wer mit dem „Sele-Trac“-Schalter auf der Mittelkonsole in den „Track“-Modus wechselt, erlebt einen etwas hecklastig ausgelegten Allradantrieb, eine spürbar strammere Federung und ein Auto, das sich selbst in engen Kurven wacker schlägt. Dazu passt auch das Interieur mit seinem griffigen Sportlenkrad und den tief ausgeschnittenen Sitzen. Die sind zwar so weich und bequem, dass man auch nach 500 Meilen auf dem Highway halbwegs entspannt aussteigt, bieten aber bei flotter Kurvenfahrt trotzdem überraschend viel Seitenhalt.

Eher Onroad
So wird der Grand Cherokee zu einem Powercruiser mit deutlich verschobenem Aktionsradius. Denn vom Highway auf eine kurvige Landstraße oder zwischendurch sogar mal eine Rennstrecke abzubiegen, das ist für den Häuptling der Indianer jetzt kein Problem mehr. Dafür sollte man sich Offroad-Passagen mit dem tiefergelegten Fahrwerk, den wuchtigen Schürzen und Schwellern und erst recht mit den üppigen Niederquerschnittsreifen gut überlegen. Aber ein paar Kompromisse muss man selbst bei so einem kompromisslosen Auto eingehen.

Schnell erledigt
Seine Sache auf der Nordschleife hat der SRT-8 bei der Erprobung übrigens ganz ordentlich gemacht: 8:49 Minuten hat das Dickschiff für die Runde durch die Eifel benötigt. Klar, das ist über eine Minute mehr als zum Beispiel der aktuelle Porsche 911. Doch im internen Vergleich liegt der Grand Cherokee damit nicht schlecht. Denn zum letzten Mal so schnell war das SRT-Team mit einem ganz anderen Auto – der ersten Dodge Viper von 2003.

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