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Keine Wirtschaftskrise zu schlimm, kein Gelände zu hart. Neu entwickelt fährt der Jeep Grand Cherokee ab Dezember vor.
 
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Jeep Grand Cherokee: Neue Wege

Lebenszeichen von Jeep. Der Grand Cherokee kommt in neuer Aufmachung zu uns.

26.11.2010 | 00:00 | (autonet)

Die Ehe ist zwar längst geschieden, die meisten Scherben sind weggefegt und Chrysler gehört jetzt zur Fiat-Familie. Doch die letzten Wehen aus der Liaison mit Daimler wirken noch nach. Denn wenn zum Jahreswechsel der neue Jeep Grand Cherokee auch zu uns kommt, dann rollt der Geländewagen nicht auf einer Chrysler-Plattform oder einer Bodengruppe aus Italien vom Band, sondern nutzt noch den Baukasten der aktuellen Mercedes-Benz M-Klasse.

Buckelpisten glatt gebügelt
Die deutschen Gene tun dem Amerikaner gut: Mit der neuen Plattform wird der Geländegänger in jeder Dimension ein wenig größer, ohne aus der Form zu gehen. Das Fahrwerk wirkt solide, der Wendekreis ist sogar ein wenig geschrumpft, die Karosse ist angenehm steif und in den gehobenen Varianten gibt es nun sogar eine Luftfederung, die selbst die Buckelpisten, die Amerikaner freundlich „Highway“ nennen, halbwegs glatt bügelt. Nur kurze Stöße an schnell folgenden Querfugen kann der Grand Cherokee nicht leiden und quittiert sie mit einem Massageprogramm für die Passagiere. Außerdem hat die Bremse sichtlich Mühe mit dem 2,5-Tonner. Nicht dass ihr der Biss fehlen würde, aber ein wenig mehr Feingefühl wäre keine Schande.

Mehr Holz als im Western-Saloon
Auch innen macht der Häuptling der Indianer ein bisschen auf Mercedes. Vor allem in der Top-Variante Overland, mit der im Dezember der Verkauf in Österreich startet, gibt es deshalb mehr Lack, Leder und Holz als in einem noblen Western-Saloon. Das dicke Lenkrad liegt so fest in der Hand wie der Schaft einer Winchester, die Sessel sind so weich und bequem wie das Sofa im Hinterzimmer des „Golden Nugget“ und 13 Zentimeter mehr Radstand sorgen für bis zu 1554 Liter Stauraum und genügend Platz auf allen Sitzen – allerdings kann im Fond auch die große Kniefreiheit nicht über die kurze Sitzfläche und die steile Lehne hinweg täuschen. Auf langen Reisen wird der Rücksitz deshalb schnell zur Strafbank.

Alles drin, alles dran
Alles andere als Mercedes-mäßig ist die Ausstattung: Wo man beim Original für viele Extras auch extra bezahlen muss, ist der amerikanische Vetter „fully loaded“: alles drin und alles dran. Die Serienausstattung reicht vom schlüssellosen Startsystem über die Lederpolster bis hin zum Knieairbag für den Fahrer. Trotzdem gibt es natürlich auch hier ein paar Extras wie ein großes Glasdach oder das Navigationssystem, dessen Rechengeschwindigkeit allerdings auf ein Produktionsjahr schließen, in dem die Post noch mit der Kutsche kam. Ebenfalls an Bord sind unter anderem ein Tempomat mit Abstandsregelung, ein Warnsystem für Auffahrunfälle und der elektronische Blick in den Toten Winkel.
American Way of Drive
Zwar hat das Auto eine deutsche Plattform. Doch unter der Haube gibt der Grand Cherokee den klassischen Ami: Statt eines Diesels oder einen aufgeladenen Vierzylinders gibt es einen brandneuen V6-Motor oder den guten alten Hemi-V8. Der Sechszylinder holt aus seinen 3,6 Litern Hubraum immerhin 286 PS und ist mit einem Verbrauch von 11,4 Litern gut zehn Prozent sparsamer als früher. Aber wenn schon American Way of Drive, dann richtig: Deshalb ist jenseits des V6-Motors der 5,7-Liter-Motor die erste Wahl. Immerhin protzt der Grand Cherokee dann mit 352 PS und 520 Nm. Die werden zwar noch über eine fünfstufige Automatik sortiert, doch kann auch die den vehementen Vortrieb kaum Bremsen: Wenn der Grand Cherokee davon stürmt und in 8,7 Sekunden auf Tempo 100 schnellt, denkt man unwillkürlich an ein wütendes Bison in der Prärie, und bei maximal 225 km/h will man von der Trägheit der Masse nichts mehr hören.

Dieselmotor folgt im Mai 2011
Finessen wie eine Bremsenergie-Rückgewinnung oder eine Start-Stopp-Automatik hat der Grand Cherokee noch nicht. Aber immerhin gibt es eine Zylinder-Abschaltung, die beim gemächlichen Cruisen vier Töpfe einfach stilllegt. Davon bekommt der Fahrer nichts mit – und der Bordcomputer leider auch nicht: Mit einem Normverbrauch von 14,1 Litern schon ein ordentlicher Trinker, gönnst sich der große Indianer im Alltag selten weniger als 15 Liter Feuerwasser. Aber Abhilfe ist in Sicht: Für Mai 2011 plant Jeep eigens für die Exportmärkte auch einen Diesel mit drei Litern Hubraum und 250 PS. Der Motor kommt allerdings nicht von Mercedes, sondern vom italienischen Motorenbauer VM.

Hart im Nehmen
Wo andere Geländewagen die Softies für die Schnellstraße geben, will der Jeep bei allem Komfort ein echter Offroader bleiben. Deshalb haben die Amerikaner ihn auf allen Abwegen getestet und das Allradsystem weiter verfeinert. Wie bei Land Rover prangt nun in der Mitte ein Drehregler, über den man das gesamte Fahrzeug für die bevorstehende Strecke mit einem Griff komplett einstellen kann – von der Kletterpartie auf der Geröllpiste bis zum schnellen Sprint über die Autobahn. In den nächsten Wochen sollen die ersten Modelle des neuen Jeep Grand Cherokee bei uns eintreffen. Beim Preis wird man die später folgenden Einstiegsmodelle wohl an der 55.000-Euro-Marke ansiedeln dürfen. Das sind aber immer noch gut 8000 Euro weniger als der Plattform-Spender M-Klasse verlangt.

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