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Von 0 auf 100 in 5,5 Sekunden und ein Normverbrauch von 7 Liter: Der neue Infiniti M35h will das können. Wir haben getestet, ob das realistisch ist.
 
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Infiniti M35h: Hybrid macht fit

Erste Ausfahrt mit dem Edel-Hybriden aus Japan: So bringt man 364 PS und sieben Liter Verbrauch unter einen noblen Hut.

12.05.2011 | 00:00 | (autonet)

Wie kann das sein? Einerseits gibt es hier 364 PS, die das Auto in 5,5 Sekunden auf 100 km/h katapultieren – damit ist der M35h schneller als viele Sportwagen. Andererseits pendelt sich der Normverbrauch bei exakt sieben Liter ein; das entspricht einem CO2-Wert von braven 162 Gramm. Eine Illusion, eine Vision? Keineswegs. Der erste Hybride von Infiniti steht schon vor der Tür, und das meinen wir wörtlich: Die erste Testfahrt konnte Autonet.at bereits absolvieren. In den Verkauf wird die Hightech-Limo dann Ende des Sommers kommen – zu überaus fair kalkulierten Preisen ab 61.832 Euro.

Zwei sind besser als einer
Kurz zur technischen Basis. Der Antrieb besteht, wie man das von den bisherigen Hybridautos gewohnt ist, aus einem Benziner und einem Elektromotor. Der Benziner ist ein 3,5-l-V6 aus der preisgekrönten Motorenreihe von Nissan. Er leistet 306 PS und ein Drehmoment von 350 Nm. Unterstützt wird dieser V6 durch einen 68 PS starken Elektromotor, der direkt auf der Kurbelwelle positioniert wurde. Er bietet ein zusätzliches Drehmoment von 270 Nm. Gemeinsam summiert sich die Systemleistung auf stolze 364 PS. Koordiniert wird die Arbeit der beiden Motoren von einer aufwändigen Regelelektronik und einem Siebengang-Automatikgetriebe mit zwei Kupplungen. Diese durchaus unübliche Bauweise ist zwar aufwändig, aber im Betrieb sehr effizient und vor allem, wie wir noch sehen werden, sehr geschmeidig. Den Weg auf die Straße findet die Kraft schließlich über die Hinterräder.

Elektrisch unterwegs
Die elektrische Power, die durch Bremsenergie-Rückgewinnung oder durch Ladevorgänge des Benzinmotors erzeugt wird, speichert man in einer 1,4 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie. Dieser vergleichsweise große Akku ermöglicht auch einen hohen Anteil an rein elektrischem Fahrbetrieb; beim zärtlichen Anfahren etwa braucht man gar nicht erst den Benziner zu bemühen. Auch wenn man bei höheren Geschwindigkeiten – bis 100 km/h – gleitet, stellt sich der V6 immer wieder außer Betrieb. Die große Überraschung besteht aber darin, wie leichthin und unbemerkt zwischen den Antriebsarten geschaltet wird – die hohe Kunst der Regelelektronik. Man cruist ruckfrei und souverän, so wie man sich das in der First Class der Fortbewegung vorstellt.

Hybrid – aber wie die Feuerwehr
Eleganz ist eine Sache – aber was ist los, wenn’s mal pressiert? Kurz gesagt: die Hölle. Per Kickdown strömt die lange Limousine mit Vehemenz nach vorne, dass man sich in einem Sportwagen wähnt. Der Spurt in 5,5 Sekunden ist ein wirklich respektabler Wert, der für einiges Hallo sorgt und manche Beifahrerin zum Kreischen bringt. Auch weit jenseits der 200 km/h (wir waren auf der guten deutschen Autobahn unterwegs) marschiert der M35h munter weiter, erst bei 250 schiebt die Elektronik dem Fahrspaß einen Riegel vor. Knausrig aber auch
Klar, wenn man nur auf diese Weise unterwegs ist, hat man wohl kein großes Auge auf den Verbrauch. Beim Stop&Go wird hingegen der Sparwille angestachelt, man versucht plötzlich, möglichst weite Strecken nur mit dem E-Antrieb zurückzulegen. Dafür braucht es auch keine digitalen Bäumchen oder ähnliche Mickey-Maus-Mätzchen: Der Blick auf den Fluss der Kräfte, der grafisch sehr schön dargestellt wird, reicht dafür. Diese Überwachung ist auch deswegen sinnvoll, weil man oft gar nicht merkt, dass man rein elektrisch unterwegs ist; einerseits ist der V6 so sanft und geschmeidig, andererseits verlaufen die Übergänge so harmonisch. Wie auch immer: Wenn man als zivilisierter Europäer am Steuer sitzt, sollten Verbrauchswerte mit einem Siebener vor dem Komma im Alltag völlig realistisch sein – und das ist in diesem Umfeld doch eine größere Sensation.

Hybrid zum Schnäppchenpreis
Der M ist schließlich nicht irgendwer, sondern eine ausgewachsene, fast fünf Meter lange Businesslimousine, bis unters Dach vollgefüllt mit Ausstattungen. Dazu muss man noch anmerken, dass es den M35h zudem nur in der gehobenen GT-Ausstattung gibt, die von edlem Eschenholz (mit Silberstaub-Applikation) über die Rückfahrkamera, beheizte, gekühlte und elektrisch bedienbare Ledersitze bis hin zum i-Key fast alle Goodies serienmäßig besitzt. Wer Wert auf unzählige Hightech-Assis, Bose-Sound und Navi legt, investiert weitere sechs Tausender in das Premium-Paket. Der Hybridantrieb selbst ist aber erstaunlich günstig: Auf den vergleichbar ausgestatteten M37 (320 PS) zahlt man nur zwei Tausender, auf den M30d (238 PS) gar nur einen Tausender auf.

Batterie statt Gepäck
Einziger kleiner Pferdefuß des ganzen Pakets: Die große Batterie knabbert am Gepäckraum und Tankvolumen – man kennt das auch von anderen Hybriden. Der ohnehin nicht besonders große Laderaum des M schrumpft daher auf 350 Liter, was exakt dem Volumen des VW Golf entspricht – nicht ganz so toll bei einem Fünf-Meter-Auto. Außerdem fällt die Skiklappe der Batterie zum Opfer. Infiniti bemüht sich aber, die guten Dimensionen des Laderaums herauszustreichen. Nach wie vor passen vier Golfbags in den Kofferraum, und damit man das wirklich schafft, wurde eine Anweisung zum Schlichten an der Seitenflanke des Kofferraums angebracht.

Resümee: Modern Art einer Limousine
Wenn der M35h im Herbst nach Österreich kommt, wird er in seiner Klasse als neue Referenz gelten müssen. Keine andere Limousine der aktuellen Business Class bringt fahrerische Eleganz, schiere Power und niedrige Verbrauchswerte dermaßen breit gespreizt unter einen Hut. Dass der Hybridantrieb dazu fast aufpreisfrei geliefert wird, macht ihn endgültig zur logischen Wahl für Technikverliebte und Öko-Sportler.

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