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Der Infiniti M30d GT Premium ist zwar ein Neuling auf dem Markt, ist aber mit einer großen Portion Selbstbewusstsein ausgestattet. Wie er sich im Konkurrenzkampf gegen arrivierte deutsche Mitbewerber schlägt, lesen Sie hier.
 
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Infiniti M30d GT Premium: Man spricht deutsch

Mit der großen Limousine fordern die US-Japaner ihre deutsche Premium-Konkurrenz erstmals direkt heraus. Unser Intensivtest klärt, ob der elegante Newcomer gegen die arrivierten Gegner echte Chancen hat.

08.03.2011 | 00:00 | (autonet)

Versucht haben es schon viele, gelungen ist es keinem. Die Rede ist vom Knacken der europäischen Business Class, die sich fest in der Hand der deutschen Premiummarken befindet. Gegen Audi A6, BMW 5er und Mercedes E scheint kein Kraut gewachsen. Einzig der Jaguar XF konnte sich auf Augenhöhe, aber mit weit geringeren Verkaufszahlen etablieren. Nun nimmt ein neuer Gegner Anlauf: eine elegante, gestreckte, heckgetriebene Limousine der Nissan-Nobeltochter Infiniti. Unter dem Kürzel „M“ bieten die Japaner mit amerikanischen Wurzeln seit kurzem einen Diesel und einen Benziner zu Preisen ab rund 55.000 Euro an; im späteren Frühjahr folgt als M35h das erste Hybridmodell der Marke.

Dieselpower
Für unseren Test haben wir uns die wohl populärste Version der neuen Limousine ausgesucht: den M30d GT Premium um 67.072 Euro. Das klingt auf den ersten Blick happig, relativiert sich aber angesichts der mehr als üppigen Ausstattung, wie wir noch sehen werden.
Unter der Haube werkt ein Dieselmotor, den wir bereits aus anderen Modellen von Infiniti kennen: ein Common-Railer mit drei Liter Hubraum, 238 PS, 550 Newtonmeter Drehmoment und Siebengang-Automatik. Damit verfügt Infiniti über ein Aggregat, das ähnliche Eckdaten besitzt wie die beliebtesten Motoren der deutschen Konkurrenten.
Gegenüber jenen gibt sich der Infiniti keine Blöße: Der V6-Diesel dreht geschmeidig hoch, ist hinreichend lebhaft und fantastisch gedämmt. Die Siebengang-Automatik kann als Meister der sanften Gangwechsel gelten. Zudem kann der Fahrer die Charakteristik des Motors durch einen Fahrmodusschalter selbst beeinflussen. Auf „Sport“ wird alles spritziger, auf „Eco“ gibt sich das Gaspedal widerwillig, baut einen regelrechten Gegendruck auf, um den Fahrer zu sparsamer Fahrweise zu erziehen. Wer hier mitspielt, wird mit braven Werten an der Tankstelle belohnt: Knapp unter acht Liter sind’s bei aller Zurückhaltung, neun Liter bei normalem Treiben; das können die Deutschen auch nicht besser.

Fein im Detail
Die Karosserieform ist Geschmacksache; manchen sind die fließenden Linien zu barock, andere sehen darin jene Dynamik, die den steifen Deutschen mitunter abgeht. Über alle Zweifel erhaben ist jedoch der Innenraum: einerseits klar und übersichtlich, andererseits geräumig und opulent ausstaffiert. Schon beim ersten Einsteigen fällt die Sorgfalt auf, die sich bis zu den kleinsten Knöpfen erstreckt. Überhaupt, die Türverkleidung! Ihr schwungvolles Design rückt mit Sturm und Drang die Türschnallen ins Blickfeld, machen sie zur neuzeitlichen Allegorie der Geschwindigkeit. Die Verarbeitung ist tadellos, die Materialqualität bekommt einen Orden.

Hightech aus dem Vollen
Wenn man doch ein wenig länger braucht, um sich über die Funktion aller Knöpfe klar zu werden, so liegt das nur an der Fülle der Ausstattung. Wie schon eingangs erwähnt, sind in unserem Modell sämtliche Entertainment- und Assistenzsysteme serienmäßig – da müssen eben eine Menge Knöpfe und Hebel aufmarschieren.
Sauber geordnet präsentieren sich die meisten davon auf der Mittelkonsole, die wie ein Wasserfall in Kaskaden vom Instrumententräger abwärts fließt. Das sie verbrämende Holz ist übrigens Weißesche, die mit Silberstaubpartikel behandelt wurde – sehr apart. Ganz oben thront das große Display für alle möglichen Infos, unter anderem die Bilder der Rückfahrkamera. Darunter kommen die Knöpfe für die Klimaanlage (praktisch zugfrei!), das Navi-System und die Bose-Soundanlage (mit 16 Lautsprechern und 10GB-Festplatte).
Funktionen, Funktionen
Hinter dem Automatik-Wählhebel finden wir den schon erwähnten Fahrmodusschalter und zwei kleine Drehregler für die Heizung bzw. kühlende Belüftung der Vordersitze. Die Assistenzsysteme wurden links vor dem Lenkrad und auf jenem selbst angeordnet. Hier kann man mit einem Knopfdruck das so genannte „Safety Shield“ aktivieren. Ähnliches kennt man ja von der Enterprise, wenn die bösen Klingonen angreifen. In unserem Fall schützt es vor Fahrzeugen im toten Winkel oder wenn man versehentlich den eigenen Fahrstreifen verlässt. Dann piepst es zunächst, wenig später bremst das System zwei Räder ab und zieht das Auto damit wieder sanft auf die sichere Spur. Das funktioniert wirklich, ist aber dennoch kein Freibrief fürs gemütliche Einschlummern.
Nicht zuletzt integriert das Safety Shield ein Abstands- und Auffahrwarnsystem, inklusive intelligentem Bremsassistenten, der die Unfallfolgen vermindert, wenn der Fahrer alle Warnungen in den Wind schlägt. Das haben wir allerdings nicht ausprobiert.

Der Duft des Waldes
Zu den witzigen Gadgets des M gehört schließlich noch die „Forest Air“-Funktion der Zweizonen-Klimaautomatik. Auf Knopfdruck wird die einströmende Luft nicht nur aufwändig gereinigt, von Pollen befreit und von Gerüchen geputzt, sondern danach mit einer Brise Waldluft versehen. Das ganze geschieht dezent, nicht à la WC-Tannenduft, sondern auf moosige Art – man bekommt jedenfalls Lust auf Schwammerlsuchen. Außerdem wird, wenn man Infiniti glaubt, die Konzentration gesteigert.
Noch ein Kommentar zum Raumangebot: Auf 4,95 Meter Außenlänge muss man sich darüber keine Sorgen machen. Die Passagiere sind auf allen Rängen zur vollen Zufriedenheit untergebracht. Der Kofferraum bewegt sich hingegen mit 450 Liter am unteren Niveau dieser Klasse, reicht aber aus, um Business- und Urlaubsgepäck artgerecht zu verstauen.

Die Kostenrechnung
Jetzt wird’s Zeit, den happigen Preis in Relation zu setzen. Immerhin bekommt man einen BMW 530d mit vergleichbarer Leistung (245 PS) auch schon ab rund 55.000 Euro. Pimpt man den Bayern jedoch mit all den Goodies hoch, die im Infiniti um rund 67.000 Euro schon serienmäßig enthalten sind, dann steigt der Kaufpreis dort auf über 81.000 Euro. Mithin ist der Japaner also um mehr als 20 Prozent günstiger als die deutsche Premium-Konkurrenz.

Resümee: Business as unusual
Souveränes Reiseauto und fantastischer Gleiter mit Luxus und Esprit: Infiniti schafft es auf Anhieb, mit dem M30d eine vernünftige und reizvolle Alternative zum deutschen Mainstream in der Business Class zu lancieren. Mit viel Liebe zum Detail und einer reschen Diesel-Performance werden der Besitzerstolz befriedigt und der Fahrspaß gefüttert – und mit einem mehr als 20-prozentigem Preisvorteil gegenüber dem deutschen Establishment wird der Infiniti auch zum Darling der spitzfindigsten Controler.

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