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Sieht nicht unbedingt so aus, ist aber ein kompromissloser Sportler: Das Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6 ist die Fahrspaß-Überraschung des bisherigen Jahres.
 
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Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6: Lustknabe

Vergessen Sie den Tiburon, wenn das nicht ohnehin längst geschehen ist. Mit dem Genesis Coupé hat sich Hyundai im Sportwagenbereich von der Hall of Shame in die Hall of Fame gearbeitet. Wir sind die 303 PS starke Heckschleuder testgefahren.

21.07.2011 | 00:00 | (autonet)

Mehr Fadgas, als das Gedüdel von Genesis gibt’s nicht. Das Einzige, was einen davon abhält aufs Radio einzudreschen, wenn Phil Collins ansetzt, ist die extrem blutdrucksenkende Wirkung der Machwerke der geriatrischen Männer-Combo. Das kann man vom gleichnamigen Hyundai beileibe nicht behaupten. Das koreanische Sportcoupé ist eine der großen Überraschungen des Jahres: Wer hätte gedacht, dass der Nachfolger des schlappen Tiburon ein Sportler aus echtem Schrot und Korn ist. Alles, was den puren, unverfälschten Fahrfreuden zuträglich ist, ist in dieses Auto hineingepackt worden: fetter Motor, ebensolcher Sound, Heckantrieb, Sperrdifferenzial, komplett abschaltbare Elektronikkrücken.

Dezentes Musclecar
Dabei sieht man das dem Genesis auf dem ersten Blick gar nicht an. Fast ist man geneigt, den Südostasiaten als würdigen Nachfolger seines Vorgängers abzutun, da erblickt das Auge am Heck den lapidaren Hinweis „3.8“. Eine Zahlenkombination wie diese steht heutzutage gemeinhin für den Verbrauch. Dass es sich dabei allerdings um den Hubraum handelt, will man im ersten Moment gar nicht glauben. Mit seinem fast 4.000 Kubikzentimeter großen und 303 PS starken V6 wirkt der Genesis wie ein Relikt aus den 80ern.

Konzentration aufs Wesentliche
Ein solches Ambiente versprüht ein wenig auch der Innenraum mit seinen an Casio-Digitaluhren erinnernden Displays. Auf die Materialwahl hätte auch ein wenig mehr Wert gelegt werden können und für einen Sportwagen sind die Möglichkeiten der Lenkrad- und Sitzadjustierung ein wenig eingeschränkt. All das verzeiht man dem Coupé aber gerne, nimmt man es in Betrieb. Schon allein das feiste V6-Gedröhn aus den dicken Abluftkanälen . . . herrlich gestrig, genauso wie der Verbrauch: Unter 11 Liter geht kaum was, fährt man den Genesis nach Lust und Laune - und die werden mit jedem gefahrenen Kilometer größer, beziehungsweise besser.

Handbetrieb
Wir sind das Genesis Coupé mit der 6-Gang-Wandlerautomatik gefahren. Die Trägheit im unteren Drehzahlbereich nimmt mit zunehmenden Touren stetig ab. Wer darauf nicht warten will, kann sofort auf manuellen Betrieb switchen und die Gänge per Lenkradpaddels reinhacken. Das funktioniert so gut, so reaktionsschnell und so den Spieltrieb fördernd, dass man der Automatik recht bald auf Dauer das Zepter aus der Hand nimmt. Jede nur sich bietende Gelegenheit zum Runterschalten und Gasgeben wird genutzt.

Zügellos
Besonders böse wird es, hat man erst mal den Schalter für die Traktionskontrolle links neben dem Lenkrad entdeckt. Wird der nämlich betätigt und die Regelelektronik komplett deaktiviert, ist des Genesis Heck vollends den physikalischen Kräften ausgeliefert. Soll heißen: Wird Gas gegeben, kommt das Hinterteil und zwar ordentlich. Das schreckt bis zu dem Moment, in dem man erkennt, dass sich der Koreaner sehr gut und schnell einfangen lässt. Man braucht auch nicht allzu fatalistisch sein, um in kurvigem Terrain das ESP zu kippen. Sperrdifferential hinten, eine gute Achslastverteilung und eine sehr straffe Abstimmung machen den Sportler erstaunlich gut handlebar - ein Spielzeug, dieses Gerät.

Fazit
Bewundernde Blicke wird man am Steuer des Hyundai Genesis Coupé 3.8 V6 in der Regel nicht ernten. Wer das will, sollte sich nach einem optisch verhaltensauffälligeren Sportwagen umschauen. Wer allerdings einen puristischen, ehrlichen, mit allen Fahrspaß generierenden Ingredentien ausgestatteten Vertreter dieser Zunft sucht, der sollte sich den Koreaner einmal näher anschauen – zumal der Preis von 39.990 Euro wahrlich nicht zu hoch angesetzt ist.

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