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Der Honda Civic 2.2 i-DTEC kostet ab 21.990 Euro.
 
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Honda Civic 2.2 i-DTEC: Intensivtest

Die Optik mag gefallen, oder nicht. In seinem Wesen ist der Civic über jeden Zweifel erhaben. Der 150-PS-Diesel-Japaner im Intensivtest.

19.06.2012 | 00:00 | (autonet)

Seit einigen Modellgenerationen sorgt der Civic für einen Riss in der Gesellschaft. Die einen mögen ihn wegen seiner Exzentrik im Umfeld der von Golf, Astra & Co. geprägten braven Kompakten, die anderen genau deswegen nicht. Zu futuristisch erscheint ihnen die verglaste Front, zu außerirdisch das Heck mit der geteilten Scheibe, und innen – blink-blink, piep-piep – erwartete man Obi-Wan Kenobi als Pilot vor einer raumschiffhaften Kommandobrücke.

Eingebaute Ausstiegshemmung
Mit der Beruhigung des Interieurs und umsichtiger äußerlicher Glättung landet die aktuelle Version des Civic in der Gegenwart, wenngleich die Querstrebe in der hinteren Durchsicht blieb und die herausragenden Rücklichter erneuten Gesprächsstoff liefern. Darunter öffnet sich ein tiefer, weiträumiger Kofferraum, davor wartet eine Rückbank mit dem vom Civic bekannten Vorzug auf, dass Fahrräder quer ins Schiff passen, klappt man nur die Sitzfläche senkrecht nach oben. Überhaupt die Sitze: Die vorderen suchen in dieser Klasse nach einem Vergleich für Komfort und Seitenhalt, man fühlt sich darin so geborgen, dass man nimmermehr aussteigen möchte. Durch das Lenkrad, an dem Richtungsänderungen direkt und präzise vorgenommen werden können, leuchtet der große, zentrale Drehzahlmesser als Hauptinstrument.

Erzieherische Funktion
Seine Prominenz weist darauf hin, dass auch der Dieselmotor nach Honda-Art durchaus hoch gedreht werden kann, will man die 150 PS in Trab bringen. Dann erklimmt der Civic die 100 km/h in 8,8 Sekunden, was als sportlicher Wert durchgeht. Die Geschwindigkeit liest man in Digitalzahlen über dem Lenkradkranz ab, wobei sie von Farbbalken eingerahmt werden. Grün ist gut und rechtschaffen, weil signalisiert wird, dass man sanft und nachhaltig unterwegs ist. Wechseln sie auf Blau, erkennt der Fahrer, dass er sich den Durchschnittsverbrauch von knapp über 5 Liter, der ohne übertriebene Bummelei möglich ist, aufzeichnen kann. Zusätzliche Pädagogik bringt Eco-Assist, das ein grüner Knopf initiiert und die Gesamtperformance auf Sparsamkeit reduziert. Start-Stopp segnet jeden Halt mit Stille und zwackt noch das eine oder andere Zehntel vom Verbrauch ab.

Langstreckenmeister
Wenn es auch Spaß macht, den Civic zu fordern und ihn aus der Reserve zu locken, zeigt er sein Talent besonders auf ruhigen, langen Strecken. Viele Assistenzsysteme, die in der Ausstattung „Sport“ enthalten sind, nehmen Arbeit ab (sogar das Fernlicht regelt sich automatisch), und so zieht man sich auf ein entspanntes Leben vor vorbeiziehender Kulisse zurück. Obwohl eine Verbundlenkerhinterachse verbaut ist, findet das Fahrwerk eine schöne Mitte zwischen Straßenlage und Komfort, an die Gaben einer Mehrlenkerachse reicht sie allerdings nicht heran. Dafür spart sie Platz, der - wie oben bereits erwähnt - den Trick mit der Rücksitzbank ermöglicht. Der Civic kann vieles. Dass er die Meisterschaft durch außerordentliches Design zur Schau stellt, muss jeder Civic-Fahrer mit sich selbst ausmachen. Ein Hang zur Science Fiction ist dabei von Vorteil.

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