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Den Fisker Karma gibt es ab April endlich auch in Österreich. Preis: 115.000 Euro
 
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Fisker Karma: Der Öko für Besserverdiener

Im April kommt der Fisker Karma zu Preisen von rund 115.000 Euro endlich auch nach Österreich. autonet.at ist mit der wahrscheinlich flachsten Limousine der Welt bereits rund um Hollywood unterwegs gewesen.

02.02.2012 | 00:00 | (autonet)

Vom Saulus zum Paulus? Früher hat Henrik Fisker ebenso schöne wie süffige Sportwagen wie den BMW Z8 und den Aston Martin DB9 entworfen. Doch jetzt ist der Däne aus Amerika offenbar geläutert und will die Welt mit einem grünen Sportwagen beglücken, der den Namen zum Programm macht: Karma heißt der große Gleiter, der den Öko für Besserverdiener gibt und Luxus ohne schlechtes Gewissen verspricht. Die fünf Meter lange und 115.000 Euro teure Limousine ist so flach wie ein Lamborghini Gallardo, so elegant wie ein Maserati Quattroporte, so luxuriös wie eine Mercedes S-Klasse und vor allem: Sie ist sauberer und sparsamer als ein Toyota Prius.

400 Elekro-PS
Möglich machen das zwei Elektromotoren mit zusammen knapp über 400 PS. Sie werden aus einem riesigen Lithium-Ionen-Akku im Mitteltunnel gespeist, den man auch an der Steckdose laden kann. Die Batterie hat eine Kapazität von 20 kWh und reicht für 80 Kilometer. „Für die allermeisten Autofahrer deckt das den Aktionsradius völlig ab“, ist Fisker überzeugt. Den Stau auf dem Weg ins Büro kann man so lautlos und ohne Schadstoffe bewältigen. Wer trotzdem weiter fahren will, muss keine Angst vor dem Ende der Reichweite haben, sagt der Designer mit Blick auf den Vierzylinder-Turbo, den er bei General Motors einkauft. Nach einem ähnlichen Konzept wie beim Opel Ampera springt der 260 PS starke Zweiliter-Benziner an, wenn der Akku leer wird. Genau wie beim Elektro-Opel wirkt er nicht auf die Räder, sondern nur auf einen Generator, der Strom für die Weiterfahrt erzeugt. So kommt der Karma auf fast 500 Kilometer Reichweite und ist ohne Einschränkung alltagstauglich.

5,9 Sekunden auf 100 km/h
Das Zusammenspiel der Motoren regelt die Elektronik alleine oder auf Wunsch auch der Fahrer. Standardmodus ist der so genannte Stealth-Mode, mit dem Fisker an die amerikanischen Tarnkappenbomber erinnert: Flüsterleise gleitet der Karma dann über die Highways, sprintet in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft immerhin 153 Sachen. Wechselt man mit der linken Wippe am Lenkrad in den Sport-Betrieb, springt der Benziner an. Das kann man nicht nur hören, sondern auch spüren: Mit dem Energieschub schafft der Karma den Sprint schon in 5,9 Sekunden und macht erst bei 200 km/h schlapp. Zwar weiß Fisker, dass er damit seinen konventionellen Konkurrenten wie dem Mercedes CLS, dem Porsche Panamera oder dem Audi A7, die ja erst bei 250 km/h in die elektronische Schranke gewiesen werden, hinterher fährt. Doch die frühen Kunden, die den Wagen kaufen werden, dürften als überzeugte Vorreiter für neue Technologien über dieses Manko hinwegsehen, glaubt Fisker. Und allen anderen stellt er mit einem neuen Getriebe und einer überarbeiteten Elektronik baldige Abhilfe in Aussicht.

2,4 Liter auf 100 km
Außerdem ist das die einzige Einschränkung, die man mit dem Leisetreter machen muss, ist der Designer überzeugt: Wo Öko-Autos sonst gerne Verzichtsmodelle sind, gibt sich der Fisker deshalb in Lack und Leder. „Und welche andere Luxuslimousine kann man schon zu Hause auftanken“, fragt Fisker mit Blick auf die Ladebuchse hinten im Kotflügel: Allerdings dauert es sechs bis acht Stunden, bis der Akku wieder voll ist. Das klingt nicht schlecht, gemessen an den Wettbewerbern ist der Karma fast schon ein Schnäppchen, der Normverbrauch von 2,4 Litern ist Konkurrenzlos und Antrieb und Fahrwerk machen auf den ersten Kilometern rund um Fiskers Heimat Hollywood tatsächlich eine gute Figur.

Wenig Platz im Fond
Doch so viel Mühe Fisker in den so genannten Quantum-Drive gesteckt hat und so liebevoll er Karosserie und Interieur gezeichnet hat, so liederlich sind zumindest die ersten Fahrzeuge im großen Showroom von Santa Monica verarbeitet. Und warum ein Auto, das größer ist als ein VW Phaeton kaum mehr Platz bietet als ein Polo, das muss man den Fondpassagieren erst einmal erklären, bevor sie auf die engen Sesselchen klettern. Das tut der Faszination für das Auto allerdings keinen Abbruch. Und seinem Erfolg offenbar auch nicht. Weil er ein ganzes Buch voller Vorbestellungen hat, sind die ersten 1000 Autos aus der Produktion bei Valmet in Finnland längst verteilt, und die Wartelisten sind kaum kürzer geworden.

15.000 Karma pro Jahr
Dennoch will Fisker sich mit dem Karma nicht begnügen: Demnächst soll der Luxus-Kombi „Surf“ in Serie gehen und später vielleicht auch noch ein Cabrio. Wenn alles nach Plan läuft, folgt vorher aber unter dem Codenamen „Projekt Nina“ eine zweite Modellfamilie mit geringeren Abmessungen zum ungefähr halben Preis. Ist der Karma für etwa 15.000 Autos im Jahr gerechnet, soll das zweite Auto mit größeren Stückzahlen und kleinere Preise die Gesamtproduktion auf jährlich 100.000 Fahrzeuge steigern. Überzeugungstäter wie Fisker hat man in den letzten Jahren immer wieder gesehen. Und längst nicht alle von ihnen haben es so weit gebracht wie der Däne. Es werde immer wieder unterschätzt, wie kompliziert und komplex der Bau eines Autos sei, mahnte er schon 2009 beim ersten IAA-Auftritt des Karma: „Es ist leichter eine Rakete ins All zu schießen, als ein Auto auf die Straße zu bringen.“ Dass musste mittlerweile auch Fisker selber lernen. Denn ursprünglich sollte der Karma bereits seit mehr als einem Jahr im Handel sein.

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