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Weiß wie die Unschuld - dieser Audi hat es aber faustdick hinter den Ohren.
 
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Audi RS3 Sportback: Das Auto von Clark Kent

Ein 340-PS-Sportwagen, vor dem sich sogar Porschefahrer fürchten – serviert im unauffälligen Hauskleid des fünftürigen A3.

26.07.2011 | 00:00 | (autonet)

Die Audi-Strategie kennen wir seit Mitte der Neunzigerjahre: Wenn eine Baureihe nach langen erfolgreichen Jahren schön langsam ins Rentenalter kommt, dann legen die Ingolstädter noch einen letzten Scheit ins Feuer – so bekommt die Flamme der Begeisterung neue Nahrung und verbreitet noch einmal Licht und Wärme. In Fall des Audi A3 handelte es sich aber nicht um einen Scheit, sondern um eine kleine Sprengladung – und statt Licht und Wärme gibt es Funken und Hitze. 340 PS in einem kompakten Fünftürer – willkommen in der schrägen Welt des Audi RS3 Sportback, den wir uns am Driving Camp, dem hypermodernen Testgelände in Pachfurth, auf Herz und Nieren zur Brust nehmen.

Wahnsinn in Zahlen
Bei dieser irren Leistung ist es kein Wunder, dass der stärkste A3 aller Zeiten auch sonst voller Superlative steckt: 450 Newtonmeter generiert der turbogeladene, direkteingespritze Fünfzylinder – und er gibt sie über den breiten Drehzahlbereich zwischen 1600 und 5300 Umdrehungen ab, also praktisch immer. Den Sprint auf 100 km/h erledigt der RS3 in phänomenalen 4,6 Sekunden, der Topspeed wurde elektronisch bei 250 km/h eingefroren. Allradantrieb und das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe S tronic sind serienmäßig an Bord. Preis für den süßen Wahnsinn: 60.860 Euro.

Dezenter Auftritt
So spektakulär sich diese Werte ausnehmen, so dezent tritt der RS3 nach außen auf. Im Gegensatz zum in Leistung und Größe vergleichbaren BMW 1er M Coupé gibt der Audi nur schwer erkennbare Hinweise auf sein supersportliches Potenzial. Gut, er besitzt 19-Zoll-Felgen, einen Dachkantenspoiler und einen leicht verschärften Kühlergrill. Aber wären nicht vorne und hinten die vielsagenden „RS3“-Schriftzüge angebracht, man könnte auch auf einen TDI mit S-Line-Paket schließen. Wem also die Show ein Anliegen ist, der wird seine Wünsche hier nicht erfüllt sehen. Wer aber gerne undercover auftritt und mehr Wert auf innere Stärken legt, der hat im RS3 Sportback seinen automobilen Lebensabschnittspartner gefunden.

Spektakuläre Performance
340 PS treffen auf 1575 Kilo und auf die superbe Traktion des quattro-Antriebs – was das bedeutet, müssen die Augen, das Hirn, der ganze Körper erst einmal verdauen. Der Antritt ist durchaus berückend, unterlegt vom charakteristisch-kernigen Gesang eines Fünfzylinders. Dabei empfiehlt sich die Betätigung der Sporttaste: Sie setzt zwar keine weiteren Kräfte frei, lässt aber die Soundkulisse durch ein Ventilspiel im Abgassystem weiter anschwellen. Es ist ein wenig so, wie wenn Trompeter den Dämpfer aus ihrem Instrument entfernen. Darüber hinaus werden die Reaktionen auf die Bewegung des Gaspedals gereizter und die Schaltzeiten der S tronic verkürzt.
Kurven kratzen
Der RS3 Sportback ist freilich keine reine Beschleunigungsmaschine, dafür garantiert schon der quattro-Antrieb. Auch das Einlenken in die Kurven ist scharf, die Stabilität erstaunlich. Übertreibt man es ein wenig, dann schiebt der Sportback freundlich über die Vorderräder – und das, obwohl sie sogar um einen Hauch breiter sind als die Hinterräder, ein weiteres Kuriosum des Autos. Selbstverständlich sind hier alle gängigen Dynamik-Assistenten an Bord; sind sie eingeschaltet, dann fährt sich der RS3 so einfach und sicher wie Muttis TDI. Man darf aber auch dem eigenen Willen und Können freien Lauf lassen, dann stellt sich der Audi mit einem kleinen Gasstoß zur rechten Zeit quer und macht somit herzerfrischende Drifts möglich.

Freundlich im Alltag
Wir sagten es bereits: Der RS3 Sportback ist ein Musterbeispiel an stilistischer Zurückhaltung. Er vergeudet seine Kraft nicht an optischen Muskelspielen und ist auch in praktischer Hinsicht so vielseitig wie jeder andere A3 Sportback – mit fünf Türen, einem akzeptablen Kofferraum, guter Übersicht, Ablagen und was man sonst noch so brauchen kann im Leben zwischen Billa und Büro. Dabei unterzeichnen auch das Design und die Ausstattung des Innenraums die Verzichtserklärung auf Showeffekte. Hier ist alles good old A3, kann man sagen, womit die hohe Materialqualität und schlichte, aber gefällige Ausführung gemeint ist. Einzig die Sportsitze mit optisch integrierten Kopfstützen und Feinnappa-Bezügen sind Ausreißer aus einer ansonsten sehr gewohnten Umgebung. Für die dazu passenden Aluminium-Dekorleisten wird hingegen bereits ein Aufpreis verlangt.

Luxus kostet
Damit kommen wir noch rasch zur Ausstattung: Viel ist hier bereits serienmäßig, vieles will aber noch extra bezahlt werden. Dass man für Navi und mitlenkende Scheinwerfer weiter in die Tasche greifen muss, ist man bei den deutschen Premium-Marken gewohnt. Dass man bei gut 60.000 Euro Basispreis aber auch für Sitzheizung und abgedunkelte Fondscheiben extra zur Kasse gebeten wird, verwundert schon. Doch der Preis ist wohl eine Frage der Perspektive. Für einen Kompakten wirken 60 Tausender heftig; aber angesichts der Leistung, die jener eines Porsche 911 Carrera entspricht, ist dieser Preiszettel eine glatte Okkasion.

Resümee: Ein Ausnahmeathlet
Der Reiz strömt hier aus zwei Quellen. Zum einen ist es die appetitlich dargereichte, aber opulent dimensionierte Motorleistung. Wer ohne sich zu Verrenken und ohne räumliche Kompromisse einen echten Sportwagen fahren will, der ist hier an der richtigen Adresse. Zum anderen fasziniert aber auch die Möglichkeit, handfeste Performance mit einem durch und durch dezenten Auftritt zu verknüpfen. Demontiert man die beiden RS3-Schilder am Fahrzeug, dann fährt man unerkannt mit einem Sportwagen, vor dem sich sogar Porschefahrer fürchten dürfen. Denn Superman ist immer Superman – auch wenn er manchmal aussieht wie Clark Kent.
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