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Nissan GT-R: Godzilla reloaded!

Der japanische Porsche-Killer wird etwas umgänglicher!

13.03.2014 | 11:00 | (autonet)

Größtmögliche Querkräfte, maximale Antrittsstärke, ein immer steilerer Verlauf der Drehmoment-Kurve und am Ende ein paar Zehntel weniger auf der legendären Nordschleife. Bislang hat Nissan beim jährlichen Update für den Supersportwagen GT-R immer mächtig das Messer gewetzt und den Donnerkeil für die Generation Playstation kräftig nachgeschärft. Doch wenn in diesen Tagen  das Modelljahr 2014 in den Handel kommt, dann lernt der Killer plötzlich das Kuscheln. Denn die Kunden waren das Geholper auf schlechten Straßen und mehr noch das Genörgel ihrer meist weiblichen Beifahrer leid, wenn sie den Wagen ausnahmsweise mal für alltägliche Besorgungen benutzt haben. Zu laut, zu unbequem zu krawallig sei das Coupé, als dass man damit seine Begleitung begeistern könne, klagten die Kunden - und Nissan zieht daraus die Konsequenzen: „Ein bisschen mehr GT und ein bisschen weniger R", fasst Produktmanager Ponz Pandikuthira die Marschrichtung für die Modellpflege zusammen.

Leichtes Spiel

Dabei hatten die Japaner leichtes Spiel: Weil Godzillas Playmobil wie kein anderer Supersportwagen von der Welt der Videokonsolen inspiriert ist, er voller Elektronik steckt und man fast jeden Parameter mit ein paar Fingerstupsern auf dem großen Touchscreen in der Mittelkonsole ändern kann, haben die Programmierer dem Coupé über Nacht tatsächlich einen anderen Charakter gegeben: Solange man die einzelnen Regler brav in der Komfortstellung lässt, tanzen einem künftig nicht mehr bei jeder Querfuge die Plomben in den Zähnen. Man braucht zum Lenken nicht mehr die Arme von Arnold Schwarzenegger. Und weil aus dem Lautsprecher im Fond elektronisch berechneter Gegenschall das Gebrüll aus dem Motorraum ein wenig mildert, kann man sich nun auch außerhalb geschlossener Ortschaften noch mit seinem Beifahrer unterhalten - oder zumindest ungestört telefonieren, wenn sich auch weiterhin keiner ins Auto traut.

Verfeinertes Interieur

Außerdem haben die Japaner das Interieur ein wenig verfeinert: Die Sitze sind hübscher vernäht, die Konsolen mit Karbonimitat verziert und die Grafiken auf dem Bildschirm nicht mehr ganz so verwirrend. Doch so richtig nobel oder wenigstens modern will die enge dunkle Höhle des knapp geschnittenen 2+2-Sitzers trotzdem noch nicht aussehen. Aber irgendwoher muss es ja kommen, dass der GT-R nicht einmal halb so viel kostet wie ein adäquater Lamborghini oder ein vergleichbar scharfer Porsche 911.

0-100km/h in 2,8 Sekunden!

Außerdem wird das ohnehin alles nebensächlich, wenn man den Sportwagen so nimmt, wie er eigentlich gedacht ist: Denn weil sich beim elektronischen Weichspülgang an der Hardware nichts ändert und hinter der bösen Fratze mit den neuen LED-Scheinwerfern noch immer der 3,8 Liter große V6-Motor mit seinen 550 Turbo-PS lauert, ist das alte Biest nämlich nur ein paar Tastenklicks entfernt: Fahrwerk, Differentiale und Stabilitätskontrolle in den Race-Mode - und mit dem Kuschelkurs ist es auch schon wieder vorbei: Giftig giert der Motor nach Gas, die zwei Turbos blasen dem Sechszylinder den Marsch, die Doppelkupplung im Nacken hämmert ihre sechs Gänge ohne Erbarmen ins Getriebe und das Fahrwerk wirkt plötzlich so hart wie die Handkanten eines Karatekämpfers. Wer mit der macht von maximal 632 Nm in 2,8 Sekunden von 0 auf 100 schnellt, sich mit allen vier Rädern in den Asphalt krallt, bis 315 km/h beschleunigt und auf der Nordschleife die allermeisten Konkurrenten abhängt, der kann auf die Insassen nicht viel Rücksicht nehmen. Im Gegenteil: Ein Beifahrer ist da ohnehin nur störender Ballast.

 

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