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VW e-Golf: Mit dem Strom schwimmen!

Der Golf, Volkswagens Kompakt-Star, kann’s nun auch – rein - elektrisch. Mit einer vollen Batterieladung sind bis zu 190 Kilometer Reichweite möglich. Komfort- und Platzeinbußen gibt’s dabei nicht.

13.03.2014 | 08:03 | (autonet)

Automobil-Geschichte geschrieben hat Volkswagen ja schon längst. Im breitesten Sinne: aktuell mit dem Golf, Begründer des C-, des Kompakt-Segments. Die Wolfsburger schreiben diese (Erolgs-)Geschichte nun fort, mit einer bis vor kurzem noch kaum geahnten Diversifizierung von Antrieben. Wozu heutzutage, alleine schon aufgrund global unterschiedlicher Emissionsgesetze, fast zwingend ein Elektroantrieb gehört. Seit dem Vorjahr schwimmt demnach auch VW auf den Wellen des Elektro-Stroms mit. Den Anfang hatte der e-up! gemacht. Jetzt ist der zweite Großserien-Batterietriebling startklar. Es ist der kompakte Top-Star des breiten Volkswagen-Modellportfolios: der Golf. Er heißt, folgerichtig, e-Golf.

Installierung

Die Wolfsburger sind mit ihren Elektrikern zwar nicht die ersten auf dem nach wie vor recht mager besetzten Elektroauto-Markt. Doch mit Sicherheit die technisch komplexesten. Beispiel: Mit der Erneuerung des Golf VII (2012) erfolgte im Konzern die Umstellung auf einen modularen Querbaukasten (MQB). Der ermöglicht es, auf ein- und derselben Plattform unterschiedlichste Antriebsarten, vom konventionellen Verbrenner bis zum - siehe e-Golf - Elektriker zu realisieren, ohne, dass die Installierung eines eigenen Montagebands entfällt. Was auch immer in einem kompakten Wolfsburger der siebenten Generation für ein Motor steckt: Es rollen alle vom selben Produktionsband. Zusätzlich wird in Bezug auf das Ex- und Interieur auch dem Elektrischen keine Extrawurst gebraten. Er ist und bleibt einrichtungsseitig unverkennbar ein Golf. Bloß sind die Logos außen wie innen blau unterlegt. Und auf den Treibstoff-/Energiestands-Anzeigen steht nicht das Kürzel für Liter, sondern für Stromspannung.

 

Inszenierung

Mehr Exterieur-Ornat darf aber dennoch sein: VW markiert den Start ins kompakte Elektrozeitalter, indem es den e-Golf - als ersten in der Modellpalette - mit serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfern dekoriert. Das diente auch als zusätzliche Hintergrundbeleuchtung der Start-Inszenierung zu „electrified! Die e-Mobilitätswochen von Volkswagen", einer Veranstaltung, für die VW Deutschlands Hauptstadt, Berlin, als plakative Plattform für die publikumsträchtigen Markteinführung des Stromers gewählt hat. Im Rahmen der Auftakt-Veranstaltung „electrified! The Late Night" haben dann am 8. März rund tausend geladene prominente Gäste dem neuen Volkswagen-Markenbotschafter Christoph Waltz und unter anderem dem Star-Pianisten Lang Lang applaudiert.

Funkturm

Als Schauplatz dafür hat VW einen geschichtsträchtigen Hintergrund gewählt, wohl auch aufgrund des großzügigen Platzangebots: den Flughafen Tempelhof. In den Hallen der Hangars wurde eine großzügig angelegte Ausstellung zum Thema Volkswagen und alternative Antriebstechnik installiert. Im Schatten des ehemaligen Funkturms wurde eine Armada an e-Gölfen Stoßstange an Stoßstange, vielmehr Seite an Seite, zum Probe- & Testfahren bereitgestellt, nebst Handling-Parcours und Instruktoren- sowie Techniker-Teams. Die machten Interessenten vertraut mit den Eckdaten und den Details: Die Antriebskraft - 115 PS Leistung und 270 Nm Maximal-Drehmoment - liefert ein Elektromotor (permanent erregte Synchronmaschine, PSM). Die Energie liefert eine Lithium Ionen-Batterieeinheit mit einer Nennkapazität von 24,2 kW/h und einer Nennspannung von 323 Volt. Montiert ist der 264-Zellen-, 27-Modul-Akku (mit 318 kg) zwischen den Achsen. Das Gesamtgewicht beginnt bei 1.510 Kilo. Von 0 auf 60 geht's in 4,2, von 0 auf 100 in 10,4 Sekunden. Die Top-Speed beträgt 140 km/h. Der Strom-Verbrauch ist mit 12,7 kW/h pro 100 km beziffert. Das beläuft sich derzeit auf Energiekosten von 0,025 Euro pro Kilometer. Die maximale Reichweite gibt VW mit 190 Kilometern an, 130 Kilometer sollen realistisch sein. Geladen werden kann je nachdem - ob Gleich- oder Wechsel-, Haushalts- oder Starkstrom - in einer halben Stunde bis zu 80 Prozent, in bis zu 13 Stunden auf 100 Prozent Batteriefüllung.

GTI verliert

Für den praktischen Fahr-Umgang mit dem e-Golf braucht's kaum eine Umstellung. Und keinen Verzicht auf Gewohntes, wie zum Beispiel ein herkömmliches Zündschloss plus Schlüssel. Einmal Umdrehen betägt den (Ein-)Schalter. Dass der Motor wach ist verkündet das System mit einem „Ping!" und einer entsprechenden Anzeige an den Armaturen. Wie von Elektrikern gewohnt gibt's genau zwei Fahrstufen: einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Die Einfachheit im Umgang lässt einem auch im dichten Verkehr ausreichend Zeit, die technischen Detail-Finessen auszuprobieren - siehe Fahrmodi- und Rekuperationsstufen. Das gilt auch für den Gasgebe-Modus: Auf den ersten Ampelstart-Metern hat sogar ein GTI das Nachsehen, trotz Gewichts- und Spitzenleistungsvorteil. Das kostet aber leider sehr schnell sehr viel Batterie-Energie, weshalb man sich für den Rest der Testrunde eher aufs Gleiten statt auf Hatzerl konzentrierte.

Profile

Und die zur Auswahl stehenden Fahrprofile ausprobierte: „Normal", „Eco" und „Eco+". Zweiterer bietet sich an, wenn man ohne nennenswert spürbaren Leistungsverlust - 95 PS, 220 Nm, 115 km/h Top-Speed - auskommen kann. Und wenn man möglichst weit kommen will stehen im wirtschaftlichsten Modus immer noch für den Stadtverkehr ausreichende 75 PS und 175 Nm an (bis zu 90 km/h). Mittels Kickdown steht dann bei Bedarf wieder die volle Leistung zur Verfügung. Außer über die Fahr-Modi kann die Reichweite auch mittels der mehrstufig einstellbaren Bremseekuperations-Funktion beeinflusst werden. Neben den drei Stufen D1, D2 und D3 hat VW auch die Stufe „B" installiert. Da wird beim Weggehen vom Gas-, pardon Strom-Pedal so start verzögert, dass die Bremsleuchten aktiviert werden.

Beiwerk

Keinen Verzicht muss man hinnehmen beim Platzangebot. An Innen- und Basis-Kofferraum (343 - 1.233 Liter) steht genauso viel zur Verfügung wie bei jedem anderen Golf auch. Ebenso bietet der Elektriker fünf Sitzplätze. Und eine reichhaltige Grundausstattung, zusätzlich zu en bereits erwähnten LED-Scheinwerfern. Dazu gehört neben einem Ladekabel eine kompletter Standard-Sicherheitsmitgift (Airbags, ESP, XDS etc.), ein Navigationssystem, eine Zweizonen-Klimaanlage und ein Lederlenkrad sowie 16-Zoll-Alus. Dazu packen kann man optional ein Komfort-Paket mit unter anderem Parksensoren und beheizbaren Scheibenwaschdüsen. Weiters offeriert VW Ledermöblierung und eine Reihe von elektronischen Fahr-Assistenten (Distanzregelung, City-Notbremsung etc.). Zur Serien-Elektronik gehört ein 8-Zoll-Touchscreen. Mittels diesem können ein Reichweitenmonitor, eine Energieflussanzeige, ein e-Manager (Programmierung von Ladezeiten, Klimatisierungseinstellung etc.) und diverse Informationen - z. B. über die nächstgelegene Strom-Zapfsäule - abgerufen werden. Und auch bei VW geht's längst nicht mehr ohne Apps. Über „Car-Net e-Remote" kann der e-Golf via Smartphone gemanagt werden.

Heimspiel

Gleich vorweg genommen sei, dass der e-Golf, zumindest vorerst, ausschließlich als Fünftürer auf den Markt kommen wird. In Österreich tut er das im kommenden Juli. Von da ab soll er den Elektroauto-Zulassungsstand des Vorjahres kräftig übertreffen helfen und insgesamt dazu beitragen, dass VW sich auch in diesem Segment zum Heimspiel-Sieger krönt. 2013 wurden hierzulande insgesamt 654 neue Stromer angemeldet. 427 waren es 2012 gewesen. Der Jänner 2014 weist eine Gesamtbilanz von 73 E-Fahrzeuge aus. 13 davon waren VWs: e-up!. Kosten wird der e-Golf ab 35.590 Euro. Verkauft wird er über spezialisierte Händler. Eine Liste kann unter www.volkswagen.at/epartner abgerufen werden.

Hybrid

Während der e-Golf seine auf und rund ums Tempelhof-Gelände seine ersten offiziellen Runden dreht, scharren schon die nächstes alternativ betriebene Kompakt-Wolfsburger in den Startlöchern. Knapp vor dem Elektriker wird der Erdgas-Typ, der TGI Blue Motion,  im Juni auf den österreichischen Markt kommen (Preis noch nicht annähernd bekannt). Im Herbst - voraussichtlich Ende September/Anfang Oktober - ist dann der Hybrid-Golf, genannt TGE dran. Der stand neben dem Vollelektriker ebenfalls auf dem Berliner Tempelhof-Feld für erste Proberunden bereit. Erstes Fahr-Fazit: Er ist, genauso wenig wie der e-Bruder, einer, der unter emissions-bescheiden auch spaßfern versteht. Denn für reschen Vortrieb sorgen der E-Motor mit 102 PS und der 1,4-Liter-Direkteinspritz-Turbobenziner (TSI) mit 150 PS. Der ab 1.524 Kilo schwere Plug-In-Hybrid bringt's auf eine Systemleistung von 204 PS (und 350 Nm). Die rein elektrische Reichweite beträgt bis zu 50 Kilometer, die mögliche Gesamt-Distanz mit vollem (50-Liter-)Tank/voller Ladung gibt VW mit 939 Kilometer an. Im reinen E-Betrieb läuft der Hybrid bis zu 130 km/h schnell, mit Verbrenner können's 217 km/h sein.

Sport-Sparer

Der schon mehr als munteren Antriebskombination, ob im E- oder im Verbrennungsbetrieb, kann mit einer Boost-Funktion auf noch sportlichere Sprünge geholfen werden. Da arbeiten dann Benzin- und E-Antrieb gemeinsam. Der 0-auf-100-Sprint ist dann, auch dank Sechsstufen-DSG, in rasanten 7,6 Sekunden drin. Zu dieser Leistungsbereitschaft hat VW eine Reihe von technischen Detail-Features wie ein mehrstufiges Brems-Rekuperationssystem - ähnlich wie im Batterie-Triebling - und eine ausgeklügeltes Batteriestrom-Rückgewinnung addiert. Auch ist der Umgang etwa mit dem Umschalten von E- auf Benzin-Betrieb sowie vice versa und zum Beispiel das Ablesen der jeweiligen Energiereserven simpel und leicht verständlich - wie vom einem Golf gewohnt. Abseits von Ampelsprints und ähnlichen sportlichen Eskapaden: Im Vernunftbetrieb soll der Hybride das Sparen zum sportlichen Sport machen, mit 1,5 Liter Sprit pro 100 im auskommen, bei einem CO2-Emissionswert von 35 g/km.

 

 

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