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  • Bild: (c) Stockwerk Racing Team 2012
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BMW M6 Gran Coupé: First Class Sports

Es ist ein seltsames Zeichen der Zeit, wenn BMW sich anschickt, wirklich gute Jaguars zu bauen.

06.02.2014 | 19:37 | (autonet)

Wir leben in einer Zeit, in der man bei BMW sämtliche Ziffern der Zahlenfolge 1 bis 7 mit Modellreihen bevölkern kann. Dass der 6er hierbei für Sportcoupés der exklusiven Bauart steht, ist alten Traditionen geschuldet. Dass noble Sportcoupés vier Türen haben können, ist allerdings eine Errungenschaft der letzten Jahre. Derlei mag wohl Charakterlichkeiten verfälschen, hat aber auch viel gutes. Mit der Streckung des M6 zur Viertüren-Limo dringt BMW nämlich in eine Fahrzeuggattung vor, die die letzten 40 Jahre über eigentlich britischen Fahrzeugen vorbehalten war: jener der üppig motorisierten Nobellimousinen.

No Sports? Mitnichten!

Bevor Sie befürchten, der Schreiber hier leide unter einer Generalamnesie, was deutsche Nobellimos und ihre Leistungsdaten betrifft: klar gibt es seit vielen Jahren starke Siebener-BMWs. Der 750er im E32-Gewand war der erste, deutsche Nachkriegs-Zwölfender und leistete schon 1988 satte 300 PS. Seine Tradition führt sich in direkter Linie bis zum heutigen 760 fort, einem tollen wie kraftvollen Luxusautomobiles. Aber ist ihnen ein - werksseitig aufgepeppter - M7 bekannt? Eben. Es war stets eine Stärke der Engländer, ihre Luxus-Limos mit sportlichen Motoren aufzuwerten, den Jaguar XJR gab es, bevor ein Mercedes S 65 AMG  oder ein Audi S8 die Bühne der hochmotorisierten Nobelklasse betraten. Dieser kleine, aber feine Unterschied erhob einen wie den XJR eben per Updrage aus der Business- in die First Class, sozusagen. Und diese Rolle im exklusiven Gehege der tollkühnen Leistungs-Oberklassler darf nun, seit es schicklich ist, ein  Sportcoupé zum Viertürer aufzuwerten (BMW nennt derlei offiziell: "extrem leistungsstarke viertürige Coupés der Oberklasse"), das 6er Gran Coupé übernehmen.

Genuiner Leistungsgeist

Wir sprechen hier nämlich von ernstzunehmender Sportlichkeit. Ein V8 mit TwinTurbo Power Technologie leistet 560 PS, beschleunigt das Fahrzeug in 4,2 Sekunden auf die magische 100 und leistet sich etwa zwecks optimaler Gesichtsbalance ein Dach aus CFK (carbonfaserverstärkter Kunststoff). 113 Millimeter Mehr-Radstand im Vergleich zum Coupé machen kein fahrdynamisches Kraut ernstzunehmend fett in Sachen Handling, ein Siebengang M Doppelkupplungsgetriebe nebst aktivem M-Differenzial sowie eine Hochleistungsbremsanlage in Compound-Bauweise (optional kann Carbon-Keramik geordert werden) bringen Leistung wie Performance stets trittsicher auf die Straße. Da fallen die zwei Mehrtüren, beziehungsweise der fein auskonturierte Extra-Platz im Fonds nicht weiter ins Gewicht, will man mit diesem Auto kompromisslos anräubern.

Diffizil Personalisiert

Überhaupt sind sämtliche hochsophistischen Antriebs- und Fahrwerksfunktionen dieses hochgezüchteten Sportautos bis in tiefergreifende Details individuell konfigurierbar. Die Hysterie eines DSC-Systems kann ebenso getunt werden wie das Kennfeld der dynamischen Dämpferkontrolle, die M Servotronic-Lenkung lässt sich ebenso nachschärfen, wie die Leistungscharakteristik der Maschine und die Schaltgewohnheit des Getriebes. Sein persönliches Setting kann man sich dann auf einer der beiden M Drive Tasten am Multifunktionslenkrad abspeichern und jederzeit auf die 20-Zöller holen, wenn mal sonst keiner mit ist und die Höhenstraße grad frei ist.

Aber auch schon im Standard-Set Up geizt der M6 nicht mit Performance-Reizen, für gottvoll kraftvollen Vortrieb ist stets und immer gesorgt, wobei BMW-typisch verblüfft, wie leichtfüßig sich doch 1,9 Tonnen durch die Gegend wuchten lassen. Ungutes Anstoffen leistet sich der Motor dabei übrigens nie: die beiden Turbolader sind in ihrer Leistungscharakteristik derart gut auf einander abgestimmt, dass es einem praktisch nie merkbar ins Kreuz tritt, obwohl man gerade mit vollem Geschäft richtung Höchstgeschwindigkeit dahinorgelt.

Luxus pur

All das Innere dieses hochnoblen BMW findet sich exakt in jenem Zustand, den man sich von einem Auto der absoluten Oberklasse erwarten würde. Trotzdem vermag die hintere Einzelsitzanlage ein Gefühl der Exklusivität zu vermitteln, das man etwa in einem Siebener nie so erleben würde. Es herrscht hier doch eine Klasse darüber vor, obwohl man das warum nun kaum haptisch oder technisch herleiten könnte. Dies ist nie und nimmer ein Geschäftswagen, auch wenn er alle Funktionen dafür (vier Sitze, vier Türen, ernstzunehmndes Kofferabteil) zu bieten hätte. Er liefert eben jenes Upgrade von der gehobenen Business- in die First Class, das man sich als Höchstbeitragsgrundlagen-Einzahler in jeder Hinsicht nur wünschen möchte.

Gerechter Preis

Nun haben 156.000,01 Euro (diesfalls noch nicht NoVA-angeglichen, vielleicht kann man dann ja mal den einen Cent wegrunden) eine gewisse Schwere in Wirkung und Abschreckverhalten, das steht ohne Zweifel fest. Man ist aber versucht, festzustellen, dass dieses Auto eine gewisse Quadratur des Kreises schafft, die einen Autokaufpreis in satten Eigentumswohnungsregionen, hm, rechtfertigt. Feststeht: es gibt wenige Fahrzeuge, die derart viel Fahrfreude mit allen Skills höchster Luxuriosität vermengen, da tun sich selbst diverse Bentleys, Aston Martins oder Rolls Royces schwer. Und mit denen verglichen ist das M6 Gran Coupé ja gewissermaßen noch eine preisliche Okkasion.

BMW M6 Gran CoupéLeistung: kW412 (560 PS) bei 6.000 - 7.000 U/min; Drehmoment: Nm680 bei 1.500 - 5750 U/min; Hubraum: 4359ccm; 0-100km/h: 4,2 Sek.; Topspeed: 250 km/h; Verbrauch (werksseitig): 9,9 l/100km; CO2-Ausstoß: 232g/km; Testverbrauch: 11,0 Liter; Basispreis-Testmodell: 156.000,01 Euro; Einstiegspreis BMW 6er Gran Coupé: 90.755,64 Euro

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