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Porsche Panamera 4S: Elfer mal vier

Porsche hat es geschafft, alle Gene ihres Sportler-Dauerläufer in einen viertürigen Viersitzer zu implantieren, der zusätzlich ziemlich gut auch Komfort kann.

05.02.2014 | 18:26 | (autonet)

Fünf Jahre ist es nun bald schon her, dass Porsche mit dem Panamera eine Vision verwirklichte, die schon in den späten 1980er-Jahren einmal Thema war: jene eines viertürigen Sportcoupés. Lange vor Mercedes CLS, Audi Sportback und Konsorten wäre damit jenes Paradoxon, das heute so gut ankommt, bereits vor 25 Jahren im Luxusautosegment eingekehrt, aber die Zeit war noch nicht reif und die Finanzen des Stuttgarter Sportwagenherstellers in jenen Tagen weit nicht so rosig aufgestellt, als dass man sich auf derlei Experimente hätte einlassen können. Anno 2009 war derlei nun fast schon überfällig. Alle hatten bereits ihre sporlichen Viersitzer im Programm. Nur der "Erfinder" noch nicht.

Erfolgreiches Konzept

Nun kann man sagen: der gestreckte Elfer, der als Panamera zur Welt kam, war von Anfang an ein Erfolg. Auch wenn sich einige Vertreter der reinen Lehre am grundsätzlichen Konzept stießen. Für Familienväter gäbe es doch schon den Cayenne, hieß es da vollmundig. Zumal ja punkto Fahrdynamik nicht daran zu rütteln war, dass ein längerer Radstand sowie ein Frontmotor das Vortriebskonzept des Sportwagen-Urgesteines weitgehend verfälschen würde. Warum also die Vision des Elfers für Mehrsitzler hochhalten, wenn sie doch gar nie stattfinden würde? Nun, die Antwort ist einfach: Weil es den Zuffenhausenern auf wundersame Weise tatsächlich gelungen ist, das unvergleichliche Fahrfeeling ihres Dauerbrenners in den langen Viertürer zu implantieren.

Dezente Retuschen

Im letzten Frühjahr war es nun Zeit für eine dezenter Übearbeitung des erfolgreichen Modells. Die zunächst etwas walfischige Überlänge des Wagens wurde mit geschickten Zeichentricks entschärft, vor allem das stets klobig wirkende Heck wurde mit gezielten Maßnahmen schöner gemacht. So wurde die Heckscheibe breiter, sie schließt nun bündig mit dem Heckblech ab, die Kofferraumentriegelung findet sich nun mittig im Glas versteckt. Die Nummerntafel wanderte etwas tiefer, was das ganze viel näher dem Begriff "Knackarsch" zu bringen vermag. Mit der deutlichen Sicke im Schweller wurde zudem der Überlänge ihre Härte genommen, die Front hat man mit LED-Umfassungen der Scheinwerfer veredelt. Insgesamt kann man nun von einem rundum eleganten Fahrzeug sprechen, wenn vom Porsche Panamera die Rede ist.

Antriebs-Kraftkur

Wir haben als Testfahrzeug den Panamera 4S ausgefasst, das ist im Reigen der Leistungsrange sozusagen die goldene Mitte. Ein Dreiliter V6 Biturbo (früher wurde weniger Leistung aus 4,8 Litern Hubraum geschöpft!) leistet 420 PS, das ist gut für einen Hunderter-Sprint in unter fünf Sekunden sowie ein Spitze von 287 km/h, falls man es mal wirklich eilig hat, von München nach Hamburg zu gelangen, oder so. Ein Siebengang-PDK-Doppelkupplungsgetriebe sorgt für smoothen oder forcierten Vortrieb, ganz nach Vorliebe und Gangart. Allerlei Effizienz-Tricks sorgen dennoch für einen Minderverbrauch im Vergleich zum Vorgängermodell: genannte 8,9 Liter im Drittelmix sowie ein (NoVA-bestimmende) CO2-Ausstoß von 208 g/km sind gute Werte für diese Fahrzeugklasse.

Der Panamera kann Komfort

Neben der unbestrittenen Fähigkeit, es richtig krachen zu lassen (Klappen auf, Sport Plus-Modus rein und schon fliegt die Fuhre) kann der Porsche Panamera vor allem eines formidabel: komfortabel dahingleiten. Das beginnt bei wirklich tollen Sportsitzen hinten wie vorne, die nirgendswo drücken oder zwacken und endet bei jenem gottvollen Feature des PDK-Getriebes, das beim smoothen Dahingleiten durch gezieltes (und dank Ölbadschmierung verschleißfreies) Schleifenlassen der beiden Kupplungen eine Art Zwischenstufe zwischen den Gängen aufruft, die nicht nur Sprit spart, sondern auch den Lärmpegel senkt. Eine Start Stopp-Automatik, die nun schon beim Ausrollen den Motor auf Pause schickt, liefert ebenfalls wertvolle Beiträge zum entspannten Effizientsein.

Familienbande

Beeindruckend wie schon erwähnt: die Fähigkeit, das Elferfeeling im Panamera greifbar zu machen. Jene unvergleichliche Direktheit der Lenkung, die seit jeher des Elfers USP war, findet sich vollinhaltlich auch hinterm Gouvernal des Pamamera erlebbar. Den längeren Radstand spürt man wirklich nur beim Räubern, das Mehrgewicht zeigt sich logischerweise beim Bremsen. Weil aber wirklich alles in diesem Auto, von Lenkrad über Sitzanordnung bis Armaturenbrett (Schlüssel links, logisch!) an die Innereien des 911 erinnert, fällt einem der Umstieg, so plötzlich notwendig geworden, wirklich leicht. Da gibt es nichts zu mäkeln.

Fazit

Freilich fischt der Porsche Panamera auch in den Gewässern der großen, deutschen Luxuslimousinen, freilich wird er, was Repräsentations-Zwecke angeht, gegen eine S-Klasse, einen A8 oder einen 7er BMW stets das Nachsehen haben. Es soll aber doch einige Vorstands-Leute geben, die es dem Ex-RTL-Boss Helmut Thoma nachmachen (der fuhr in den Neunzigern stets 928 als Dienstwagen) und sich einen Panamera mit Chauffeur ordern. Auf  Dienstreisen, die das Flugzeug gerade noch obsolet machen, sticht der Fond des Panamera jedenfalls jedes Luxus-Zugabteil aus. Und wenn das Reiseziel irgendwo im nördlichen Deutschland liegt, hat man - einen entspannten Fahrer vorausgesetzt - auch gar nicht so einen großen Speed-Nachteil dem schnellen ICE gegenüber.

Porsche Panamera 4SLeistung: kW309 (420 PS) bei 6.000 U/min; Drehmoment: Nm520 bei 1.750-5.000 U/min; Hubraum: 2997ccm; 0-100km/h: 4,8 Sek.; Topspeed: 287 km/h; Verbrauch (werksseitig): 8,9 l/100km; CO2-Ausstoß: 208/km; Testverbrauch: 11,2 Liter; Basispreis-Testmodell: 125.470 Euro; Einstiegspreis Porsche Panamera (310 PS): 96.720 Euro

 

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