Zur Mobilversion wechseln
 
  • Bild: Gregor Josel
  • Senden
  • Drucken

Mazda3: Der Deutsche aus Japan

In bester Tradition der ersten europäischen Mazda-Modelle, entfaltet sich der neue Mazda3 im Einzeltest zu voller Pracht und überzeugt optisch, technisch und auch emotional.

05.02.2014 | 10:17 | (autonet)

Den Grundstein zum Siegeszug auf dem europäischen Markt legte Mazda bereits im Spätsommer des Jahres 1963. Auf der Tokyo-Motorshow zeigte Mazda den "Luce". Mit dem neuen Modell bot Mazda eine elegante, mit luftige-leichten Linien versehene Limousine als Alternative zu den klassischen europäischen Konkurrenz-Modellen. Zuerst als extravagantes Concept-Car aus einer Kooperation mit dem italienischen Stardesigner Bertone, wenig später aber auch als erfolgreiches Serienmodell. Die große Begeisterung für den Luce beflügelte die japanische Marke. Aufbruchsstimmung vermittelte in weiterer Folge dann im März 1973 der Mazda 616. Mit dem schwungvoll gezeichneten Viertürer und einer sportlichen Coupé-Variante feierte Mazda damit seinen Start auf dem europäischen Markt. Schon damals punktete Mazda bei diversen Vergleichstests mit üppiger Serienausstattung und moderaten Preisen.

Der erste "Deutsche aus Japan"

Zur treibenden Kraft im Mazda Modellprogramm wurde im Jahr 1978 dann der erste Mazda 626. Als viertürige Familienlimousine und als elegantes Coupé kämpfte er um die Krone des Klassenprimus, wozu die wieder europäisch inspirierten Designlinien beitrugen. In den Medien wurde der Mazda 626 gerne als "Der Deutsche aus Japan" geadelt, da er im Vergleich zu den damals üblichen Neuwagen-Mätzchen – man kam als Neuwagen Kunde stets nach ein paar Tagen zurück zum Händler um diverse Kleinigkeiten nachbessern zu lassen – keinerlei Mängel hatte und es für die Händlerschaft eine neue Erfahrung war, den Neuwagenkunden erst beim ersten Service wieder in der Werkstatt zu sehen. Diese Tradition hielt die japanische Marke hoch und ist seit Jahrzehnten immer unter den Top-Platzierten Marken, was Verlässlichkeit, Haltbarkeit und Wiederverkauf betrifft. Mit der neuen Kodo-Designsprache, die erstmals beim neuen Mazda6 zu sehen war, packte Mazda all diese traditionellen Werte in ein völlig neues und atemberaubendes Design-Konzept. Und dem Mazda6 folgt seit Herbst 2013 auch der neue Mazda3, der nun mehr denn je Kurs auf die Golf-Klasse nimmt und den Deutschen Konkurrenten künftig kräftig einheizen will.

Auf Golf-Jagd

Ob der Mazda3 dem Golf das Wasser zu reichen vermag, soll der Testwagen in der Version Sport 165 Revolution unter Beweis stellen, den wir in klassischem Rubinrot-Metallic ausfassten. Ganz klare Statements gibt der neue Mazda3 jedenfalls optisch ab: Schnittig, kantig, scharf und mit Mut zu Dynamik: Das Design des neuen Mazda3 gefällt allerseits auf den ersten Blick. Ein Eyecatcher ist die chromblitzende Kühlerspange, die sich bis in die Frontscheinwerfer zieht und die Schnauze mit markanter Sportlichkeit betont. Apropos Schnauze: Hier ist der neue Mazda3 in allerbester Gesellschaft, denn er macht hier eindeutig auf Coupé! Im Stile legendärer Sport-Coupés verfügt der 3er über eine lange Motorhaube, die nahtlos beschwingt in eine fließende – hier ist es wieder, das Kodo-Design – Seitenansicht übergeht. Das Heck ist knackig, rundlich und wirkt trotz kompakten Abmessungen durchaus selbstbewusst. Der Testwagen im „Revolution“-Trim steht flach und gestreckt auf 18-Zöllern. Die Eckdaten untermauern den optisch-dynamischen Eindruck: Im Vergleich zum Vorgängermodell ist der neue japanische Golf-Konkurrent um 10 mm kürzer, dafür um 40 mm breiter und um 15 mm flacher. Dennoch wuchs der Radstand um 60 mm, wodurch die Überhänge merklich kürzer ausfallen. Das maximale Ladevolumen des Fünftürers liegt bei 1.263 l mit umgeklappten Rücksitzen. Praktisch dabei: Beim Umlegen der zweiten Sitzreihe wurde die Kante von rund einem Zentimeter Höhe beseitigt, man ladet somit auf einer Ebene bis an die Vordersitze durch.

Überzeugendes Interieur

Komplett neu und designmäßig aus den höheren Klassen Mazda6 und CX-5 übernommen zeigt sich der Innenraum des Mazda3. Herrschte im bisherigen 3er eine zwar durchaus gut verarbeitete, aber dennoch etwas lieblose und kühl wirkende Atmosphäre, ist der Innenraum des neuen Mazda3 auf absolut europäischem Niveau und wirkt unterm Strich sogar deutlich eigenständiger, weil liebevoller und verspielter, als die Interieurs mancher Premium-Konkurrenten. Ein wenig Plastik darf natürlich sein, die Verarbeitung dessen ist aber zweifellos erhaben. Klavierlack tut den Rest! Am angenehmsten ist allerdings die neue Ergonomie im Mazda3. Die ehemalige Knopferlflut, die sich Mazda ja mit so manch anderen Marken aus Asien teilte, ist gewichen. Multifunktionalität überwiegt nunmehr im neuen Modell. Und auch die Ausstattung kann sich durchaus sehen lassen Auch hier machen es die Details, wie beispielsweise zwei USB-Anschlüsse und ein SD-Slot in der Mittelkonsole, aus.

Die Sitze im neuen Mazda3 lassen sich auf die jeweiligen Bedürfnisse trimmen. Von sportlich tief, bis hoch oben ist alles drin, auch das Lenkrad macht diese Einstellungsvarianten nun mit und lässt sich auch deutlich weiter herausziehen als bisher. Das lederbezogene Lenkrad liegt gut in der Hand – es ist nicht zu dick und nicht zu dünn. Die roten Ziernähte sind sauber versenkt, die Multifunktionstasten haben klare Druckpunkte. Sexy finden wir jedenfalls den 7-Zoll-Farbmonitor, der, wie bei Mazda neuerdings üblich, über ein Multifunktionsrad mit fünf Funktionstasten bedient wird.

Head-Up-Display serienmäßig

Der Testwagen in der Ausstattungsstufe Revolution verfügt bereits serienmäßig über das neue Head-Up-Display. Dieses zeigt die Geschwindigkeit plus zwei zusätzliche Informationen, wie beispielsweise die Navigationsanweisungen, an. Das ist konsequent und zukunftsweisen, denn das Head-Up-Display fungiert hier als eigenständiger „Tacho“ und nicht mehr als Zusatz zu einer anaolgen Anzeige. Das Tempo wird zwar auf Wunsch auch digital im unteren Bereich des Drehzahlmessers angezeigt, doch durch Wegfall der zweiten Zeiger-Einheit wirkt das Cockpit mit dem zentralen Drehzahlmesser umso sportlicher.  Hinzu kommt in dieser Ausstattungsvariante auch ein Bose-Soundsystem, mit wirklich potentem aber auch hochwertigem Klangbild. Navigation gibt es um 500 Euro extra.

State of the Art-Technologie

Neben der neuen Außenoptik und dem komplett neuen Innenraum bietet der Mazda3 aber vor allem auch umfangreiche neue Technik. Die radargestützte Distanzregelung MRCC (Mazda Radar Cruise Control) hält automatisch einen Sicherheitsabstand zum voraus- fahrenden Fahrzeug bei Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h. Das FOW-System (Forward Obstruction Warning) erfasst vorausfahrende Fahrzeuge im Geschwindigkeitsbereich zwischen 15 und 200 km/h und warnt den Fahrer optisch und akustisch bei einer drohenden Kollision. Das PreCrash Safety-System mit aktivem Bremseingriff versetzt bei einer Warnung des FOW die Bremsen in Bereitschaft und leitet notfalls eine automatische Bremsung ein. Abgerundet wird dieses Sicherheitssystem durch den City-Notbremsassistent SCBS. Er verringert im Geschwindigkeits-bereich zwischen 4 und 30 km/h das Risiko von Auffahrunfällen im Stadtverkehr.

Überzeugender Antrieb

Was wäre das schönste Auto aber letztlich ohne den passenden Antrieb. Und auch hier zeigt sich Mazda von der besten Seite, denn der 165PS starke Benziner des Mazda3-Testwagens ist eine ziemlich perfekte Mischung aus Dynamik, Effizienz und Alltagstauglichkeit. Wie auch der Mazda6 und der CX-5 basiert der Motor auf der neuen Skyactiv-Plattform von Mazda. Auf Downsizing und Turboaufladung wird verzichtet, der Zweiliter-Benziner entwickelt bei 4.000 Umdrehungen ein ordentliches Drehmoment von 210Nm. In Verbindung mit der manuellen Sechsgangschaltung bietet der Mazda3 damit tolle Performance für alle Bedürfnisse an. Auch im Stadtverkehr gibt sich der Benziner gutmütig und bietet im unteren Drehzahlbereich viel Durchzug an, ohne das sonst übliche Benziner-Gap beim Anfahren. Mit Bremsenergie Rückgewinnung und Start-Stop-System leistet sich der neue Mazda3 mit seinen 165PS auch verbrauchsseitig keinen Ausrutscher und begnügt sich im Test-Durchschnitt mit knapp 6,8 Litern auf 100 Kilometern. Bei sportlichem Kurvenwetzen, das Dank des ebenfalls sehr erwachsenen Fahrwerks und vor allem mit der erstaunlich direkten und somit sehr sportlichen Lenkung problemlos möglich ist, darf’s dann schon mal in den zweistelligen Bereich gehen. Das ist in Anbetracht der Performance aber auch völlig in Ordnung.

Preis-Leistung stimmt

Mit dem neuen Mazda3 ist Mazda abermals ein ziemlich großer Schritt gelungen, die Kompaktklasse mitsamt ihrem zigfach gekrönten Primus VW Golf ist in unmittelbarer Reichweite, der autonet.at-Vergleichstest folgt schon bald. Last but not least ist es aber auch das ziemlich beeindruckende Preis/Leistungsverhältnis das überzeugt. Denn in der zweithöchsten Ausstattungsstufe „Revolution“ und mit den Extras Metallic-Lackierung, Kofferraumwanne, Ladekantenschutz und Navigation, kostet der Testwagen moderate 26.518 Euro.

Somit darf sich nun auch der neue Mazda3 das Prädikat „Der Deutsche aus Japan“ an die Brust heften, das schon der erste Mazda 626 vor mehr als 35 Jahren als einer seiner Wegbereiter am europäischen Markt getragen hat.

Mazda3 Sport G165 Revolution:Leistung: kW121 (165 PS) bei 6.000 U/min; Drehmoment: Nm210 bei 4.000 U/min; Hubraum: 1998ccm; 0-100km/h: 8,2 Sek.; Topspeed: 210 km/h; Verbrauch (werksseitig): 5,8 l/100km; CO2-Ausstoß: 135g/km; Testverbrauch: 6,8 Liter; Basispreis-Testmodell: 25.290 Euro; Testwagenpreis: 26.518,10 Euro; Einstiegspreis Mazda3: 16.990 Euro

  • Senden
  • Drucken