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Jaguar / Land Rover: Zuwachs in schwierigen Zeiten

Im Gespräch mit Peter Modelhart erfahren wir von erfreulichen Zahlen trotz Abschwungs im Luxussegment sowie einer gloriosen Zukunft bei Land Rover und Jaguar.

20.02.2014 | 03:29 | (autonet)

Der Zweimeter-Hüne mit dem sympathischen Auftritt wirkt immer entspannt. Derlei möchte man kaum glauben angesichts des mutmaßlichen Terminkalenders von Peter Modelhart. Nicht nur steht er seit 2005 dem Österreichischen Importeur von Jaguar / Land Rover vor, seit dem Jahr 2009 ist er auch für die Geschickte der britisch-indischen Nobelmarken im großen Nachbarland Deutschland sowie in der Tschechischen Republik verantwortlich. Aber Peter Modelhart wirkt nie gereizt, gestresst. Vielleicht sind es die guten Zahlen seines Unternehmens, die ihn entspannen.

Schwieriges Segment

Besonders bei der Marke Jaguar, in jenen schwierigen Segmenten  der Ober- und der oberen Mittelklasse angesiedelt, in denen die Branche im letzten Jahr ein sattes Minus von 30 Prozent einfuhr, konnte man um 10 Prozent wachsen. Die Entwicklungskurve von Land Rover (mit Range Rover, Range Rover Sport, Evoque, Freelander, Discovery und Defender aktuell mit knapp doppelt so vielen Modellreihen aufgestellt als etwa noch vor 15 Jahren) zeigt sowieso seit Jahren steil bergauf. Konkret hält man österreichweit bei 334 verkauften Jaguars (+11%) und 2398 verkauften Land Rovers (+8%) im Jahr 2013, das sind insgesamt 10 Prozent mehr als im sehr erfolgreichen Jahr 2012 (weltweit konnte man mit 425.006 Einheiten insgesamt um satte 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen).

Reinvestitionen

Vieles des schwer verdienten Gewinnes wird Jaguar / Land Rover in nächster Zeit reinvestieren, neue Werke in Indien, China (ein Joint Venture mit Chery Automobile), Brasilien und, bei erfolgreicher Machbarkeits-Studie, in Saudi Arabien werden ebenso gebaut wie ein völlig neues Motorenwerk am Stammsitz Wolverhampton in England. 4.000 neue Mitarbeiter wird das Unternehmen heuer einstellen, davon 1.000 Ingenieure. Im Fiskal-Jahr 2013/14 steckt Jaguar Land Rover insgesamt 2,75 Milliarden Britische Pfund in die Entwicklung neuer Modelle und Antriebe.

Wir fragten den in Salzburg lebenden Manager nach den Gründen für so viele Zuwächse in schwierigen Zeiten sowie nach den Plänen für seine Marken in nächster Zukunft

Worin fußt für Sie der ständig anhaltende Wachstumserfolg der Marken Jaguar und Land Rover?  Nun, das ist alles von langer Hand vorbereitet. Wir drehen seit 2010 ständig an Stellschrauben, justieren nach, gestalten unseren Auftritt besonders bei Jaguar neu und gehen sozusagen aufs ganze: wir wollen es wissen.

Ein mutiges Projekt, ein Big Player werden zu wollen?

Durchaus und vor allem sehr aussichtsreich. Alle Produkte sind im letzten Jahr im Absatz gestiegen, besonders Jaguar in einem Umfeld, das im Kernsegment ziemlich rückläufig war. Das verdanken wir freilich neuen Modellen wie dem F-Type oder dem XF-Sportback.

Ist das Portfolio bei Jaguar nun endgültig aufgestellt für die nächsten Jahre?

Nein, da sind wir noch nicht am Ende. Eher mittendrin. Wir haben in den letzten Jahren sehr mutige Schritte gesetzt, man denke da nur an die Abkehr vom althergebrachten, traditionellen Jaguar-Design. Das die Fans zwar liebten, das uns aber keinen Freiraum zum Nachbessern ließ. Nun sehen alle Jaguars scharf aus, schnittig und kommen ebenso gut an beim Publikum. Der brandneue F-Type zeigt  in puncto Architektur, wohin die Reise zukünftig geht, die umjubelte SUV-Studie C-X17 ist Vorbote einer komplett neuen Generation. Etwa einer völlig neuen, kleinen Sportlimousine im wichtigen Segment von Dreier-BMW oder Audi A4, die 2015 auf den Markt kommt.

Die Wiedergeburt des X-Type?

Ich würde eher sagen: eine völlige Neugeburt. Wir sind der Meinung, uns mit der Erschließung neuer Segmente breiter aufstellen zu können, was aber nicht bedeutet, dass wir uns davon entfernen wollen, ein exklusiver Nischenanbieter zu bleiben. Der Markenkern wird hier nicht verwässert.

Was tut sich bei Land Rover?

Bei Land Rover sind wir so weit aufgestellt, heuer kommen ein paar Modell-Extensions wie etwa das Hybrid-Modell oder der Range Rover LWB mit langem Radstand. Aber sonst stehen wir gut da. Der neue Range Rover Sport, der Evoque, entwickelt sich alles prächtig.

Wird es in naher Zukunft eine vollständige Verschmelzung ihrer beiden Marken geben?

Das nicht, sicher nicht. Aber wir arbeiten zur Zeit erstmals an einem echten, gemeinsamen Auftritt nach aussen, mit durchgestylten Stores, markanter CI. Ein erstes Beispiel hierfür ist unser brandneuer Flaggship-Store in Frankfurt. Er ist absolut der erste für diese beiden Marken.

Man hörte in den letzen Jahren von unmutserweckenden Lieferzeiten?

Das haben wir nun so weit im Griff. Bei Jaguar liegen die Wartezeiten bei allen Modellreihen bei zwei bis drei Monaten, bis auf die Modelle Range Rover und Range Rover Sport haben wir auch bei Land Rover akzeptablte Fristen. Die Nachfrage ist eben - Gott sei Dank - extrem hoch.

Inwieweit sind die Fahrzeuge Ihrer Marken von der jüngst erfolgten Anhebung der NoVA betroffen?

Das betrifft uns nicht bei allen Modellen, wir haben in den letzten Jahren über massive Investitionen in die Antriebstechnik relativ günstige CO2-Emissionswerte erreicht, die uns bei vielen Modellen nicht mal in den Malus gehen lassen. Obenrum, bei den starken Modellen trifft es uns natürlich. Und man muss da auch sagen: die Kunden sind, was man so hört, ziemlich verärgert über diese neue, versteckte Form der Reichensteuer.

Es ist nun mal völlig unrichtig, wenn hier von Lenkungseffekten dergleichen gesprochen wird. Der hier durch eine angebliche Ökologisierung erreichte Steuerungseffekt ist längst effektiv, was man deutlich am Vergleich mit Deutschland ersehen kann. Der deutsche Fahrzeugmarkt steht insgesamt ziemlich exakt in einem Verhältnis von 1 zu 10, quer durch alle Segment. Im Sportwagensegment oder jenem starker Fahrzeuge haben wir mit unseren härteren Steuern allerdings längst einen Maßstab eins zu 40 im Vergleich zu den Deutschen. Das heisst, es gibt hier nichts mehr zu ökologisieren. Es geht einfach darum, zu kassieren.

Inwieweit sind hier ihre Supercharged-Modelle (510 PS) betroffen?

Durch die jüngst gottlob doch noch erfolgte NoVA-Deckelung auf 32 Prozent sind unsere Fahrzeuge schlimmstenfalls mit 4.000 Euro Mehrpreis belastet. Bedenklich finde ich auch die Kurzfristigkeit, mit der die neue Regelung durchgepeitscht wurde. Durch die vielen Änderungen und all das blieb der Branche weder Zeit noch Chance, sich vorzubereiten oder adäquat zu reagieren.

Nun eine Frage des Herzens: wie lange wird es den Defender noch geben?

Auf jeden Fall mal bis 2016. Dann wird es einen völlig neuen Defender geben. Wie oder was das genau sein wird, ist noch völlig offen.

Zur Person:

Der gebürtige Salzburger ist Jahrgang 1968 und trat 1994 nach einem Studium der Handelswissenschaften in die Ford Motor Company Austria ein. Dort wurde 1999 zum Leiter Marketing, 2000 wechselte er zu Land Rover nach Deutschland. Dort war er als Vertriebsleiter tätig, von 2002 an als Vertriebsleiter Jaguar und Land Rover. 2005 übernahm er dann die Rolle des Managing Director von Jaguar und Land Rover in Österreich, 2009 die Geschäftsführung von Jaguar und Land Rover Deutschland.

Peter Modelhart ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt in Salzburg.

 

 

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