Zur Mobilversion wechseln
 
  • Bild: (c) Alexander Seger
  • Senden
  • Drucken

65 Jahre Land Rover: Schuften zum Geburtstag

Der Land Rover Defender wurde 65 und bekam als Geschenk, was er am liebsten mag: sehr viel Dreck.

05.02.2014 | 08:34 | (autonet)

Der Schmerz beginnt nachzulassen. Mittlerweile kann ich den linken Arm schon fast ganz ausstrecken. Geht es in diesem Tempo weiter, werde ich bald wieder eine Kaffeetasse halten können. Schade eigentlich. Als Erinnerung an die erste Ausfahrt mit dem Land Rover Defender hatte das heftige Pochen im linken Ellbogen durchaus Charme. Mensch und Material wurden nicht geschont; genauso soll es sein.

Vor 65 Jahren rollte der erste Land Rover aus der Fabrik. Zur Feier dieses runden Geburtstags lud Rover Österreich letzten Mai zu einer Fahrt nach Tschechien. Zwischen Prag und Budweis gibt es wenig Verkehr, kurvige Landstraßen, malerische kleine Seen – und einen Offroad-Spielplatz mit rutschigen Wiesen, zugewachsenen Waldwegen und Gatschgruben in allen Größen. Ungefähr so stellt sich ein Geländewagen das Paradies vor.

Der Defender ist ein Arbeitsfahrzeug und wurde ursprünglich für den Einsatz auf englischen Bauernhöfen gebaut. Die Bestimmung als Ersatz-Traktor erkennen Anfänger wie ich unter anderem daran, dass wir keine elegante Art finden, das Trumm zu besteigen. Die Versuche enden mit Kapitulation: Einfach das große Lenkrad packen und hineinwuchten. Richtig gemütlich sitzt es sich nicht im engen Defender. Aber dafür wirkt der Zauber dieser Legende sofort. Das Abenteuer macht hier keine Pause. Kaum an Bord, freut man sich darauf, umgehend Bambi zu retten. Oder Bambis Mutter zu erlegen. Je nach Vorliebe.

Schon geht es ab in den Wald. „So langsam wie möglich, so schnell wie notwendig“, lautet die Empfehlung des Offroad-Fahrlehrers von Rover, der zum Glück auf dem Beifahrersitz mitfährt. Ohne ihn käme ich nicht auf die Idee, mitten durch die Schlammsuppe zu steuern („Jetzt vielleicht das Differenzial sperren“) und ausgerechnet am unwegsamsten Abhang Tschechiens das Rückwärtsfahren bergauf zu üben („Kupplung ganz langsam kommen lassen und dann von der Bremse steigen. Nein, nicht Gas geben. Immer mit der Ruhe, nicht so hektisch“). An manchen Stellen hätte man zu Fuß Probleme. Aber das Auto macht sich unverdrossen ans Werk. Es ist unglaublich, welche Hindernisse auf vier Rädern zu meistern sind.

Meine ursprüngliche Sorge, dem armen Wagen weh zu tun, erledigt sich schnell. Der Land Rover kennt keinen Schmerz, auch wenn er noch so scheppert. Angeblich sind drei Viertel aller bisher produzierten Defender bis heute im Einsatz. Dieser Wagen ist einfach nicht umzubringen.

Eine größere Gefahr für die Zukunft des Jubilars ist - neben den bösen Sicherheitsrichtlinien, die dem guten, alten, eckigen Defender wohl allzu bald den Garaus machen werden - da schon die Konkurrenz aus der eigenen Familie. Der Land Rover Discovery kann alles, was der ältere Bruder auch kann – und mit einem Haufen moderner Technik noch erheblich mehr. Zum Beispiel muss man dem „Terrain Response-System“ nur mitteilen, welche Art von Unbill im Gelände als nächstes bevorsteht. Schotter, Schlamm oder Felsen: Der „Disco“ weiß dann selbst, was er zu tun hat. Anders als der Defender hat der Discovery auch nicht den Ehrgeiz, seine Passagiere jedes Schlagloch voll auskosten zu lassen. Gerumpelt wird hier nicht, nur sanft geschaukelt.. Dafür fehlt die „Daktari“-Romantik. Man kann eben nicht alles haben.

Zum Schluss noch ein Tipp für Defender-Anfänger: Macht das Fenster auf der Fahrerseite nach Möglichkeit auf. Dann hat der Ellbogen Platz.

 

  • Senden
  • Drucken