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Fahrbericht Seat Léon Experience: Von der Stadt in die Savanne

Was sucht ein Löwe im Dschungel der Großstadt? Der König der Tiere gehört in die Savanne. Das hat jetzt offenbar auch Seat gemerkt und sein Erfolgsmodell Leon deshalb ins Gelände geschickt.

19.10.2014 | 20:22 | (wiener)

So schickt Seat seinen Löwen ins Gelände - nachdem der konventionelle Kombi bereits zum Schönheitskönig unter den Kompakten gewählt wurde, geht der Bestseller deshalb jetzt weiter mit dem Trend, legt ein Abenteuer-Outfit an und will so vom Boom der SUV profitieren. Schließlich müssen die Spanier noch zwei Jahre warten, bis sie ihren ersten echten Geländewagen bekommen. So lange soll der Leon als X-Perience die Rolle des Flaggschiffs spielen und nicht nur den Aktionsradius der Kunden erweitern, sondern auch die Marke in bisschen nach oben pushen. Nicht umsonst steigt mit dem ab sofort lieferbaren Pfadfinder-Paket der Preis um knapp 2 000 auf mindestens 28.690 Euro. Und wer „einmal mit allem“ bestellt, ist plötzlich bei knapp 35.000 Euro.

Für den Wandel vom Designerkombi zum modebewussten Pfadfinder braucht es nicht viel: knapp drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit, serienmäßigen Allradantrieb, ein paar rustikale Anbauteile aus robustem Kunststoff und ein angedeuteter Unterfahrschutz im funkelnden Chrom – fertig ist der Power-Kombi für die Pampa: „Auf Asphalt oder Schotter, bei Sonne, Regen oder Schnee – der Leon X-Perience kommt mit seinem Allradantrieb überall durch und beweist seine überlegene Dynamik auf allen Wegen, völlig ohne Einschränkungen bei Komfort oder Nutzwert“, sagt Timo Fuhrmann aus der Entwicklung und die erste Testfahrt gibt ihm recht.

Designer-Offroader

Denn es ist schon ziemlich eindrucksvoll, wie schlecht die Wege sind, über die man den Designerkombi plötzlich scheuchen kann: Tiefe Furchen, hohe Bodenwellen, Spurrillen, Schotter oder Schlamm – wer keine Angst vor Matsch und Modder hat und den Umweg über die Waschsstraße nicht scheut, der kommt mit dem Leon tatsächlich verdammt weit und fragt sich, weshalb Seat partout noch ein SUV bauen will. Für den Aktionsradius jedenfalls ist das kaum nötig. Aber der Leon X-Perience macht nicht nur Abseits der Straße einen ordentlichen Eindruck. Sondern trotz der Trecking-Stiefel lässt er sich auch auf dem Asphalt noch immer sehr sportlich bewegen. Dass man drei Zentimeter höher sitzt, mag man beim Einsteigen spüren und vielleicht beim Rangieren, weil man den etwas besseren Überblick hat. Aber in schnellen Kurven sind die Unterschiede zum normalen Kombi minimal.

Starker Diesel

Am besten probiert man das mit dem starken Diesel, der mit 184 PS und 380 Nm die Spitze im Modellprogramm markiert. Der dröhnt zwar gewaltig, wenn man ins Sportprogramm wechselt und dreht die einzelnen Stufen des DSG-Getriebes ein bisschen zu weit aus. Aber er packt so kraftvoll zu, dass die Haldex-Kupplung und die elektronische Differentialsperre ordentlich zu arbeiten haben. Dafür allerdings sprintet er auch in 7,1 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 224 km/h. Und selbst wenn die 4,9 Liter nie und nimmer zu halten sind, ist er auch jeden Fall sparsamer als ein echtes SUV.

Außerdem hat Seat ja auch noch ein paar andere Motoren in petto. Zum Start sind das der 180 PS-Benziner sowie zwei weitere Diesel mit 110 und 150 PS, mit denen der Verbrauch schon mal auf 4,7 Liter sinkt. Und im nächsten Sommer folgen dann zur Verbrauchs- und Preiskorrektur mit reinem Frontantrieb ein 125 PS starker 1,4-Liter-TSI sowie der 110 PS-Diesel ohne 4Drive.

Zwar sieht der X-Perience nicht nur gut aus und fährt sehr ordentlich. Sondern zumindest für die Seat-Kundschaft bietet er tatsächlich so manche neue Erfahrung. Doch wirklich neu ist die Idee natürlich nicht. Erst recht nicht im VW-Konzern. Schließlich feiert Skoda mit dem technisch absolut identischen Auto als Octavia Scout schon seit Jahren große Erfolge. Doch je besser die Idee, desto größer ist offenbar die Schar der Nachahmer. Deshalb wird es nur ein paar Wochen nach dem Leon X-Perience von Seat bei der Konzernmutter in Wolfsburg auch noch einen VW Golf Alltrack geben. Wenn das mal keinen Stau gibt auf der Buckelpiste.

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