Zur Mobilversion wechseln
 
  • Bild:
  • Senden
  • Drucken

Aufstieg in die Kompaktklasse: Neuer Mini Clubman

Mini war gestern, jetzt ist maxi angesagt. Wenn die britische BMW-Tochter Ende Oktober den neuen Clubman in den Handel bringt, wird aus dem schrulligen Lifestyle-Laster im Zwergenformat der vielleicht erste Mini, der auch Mutti ein praktischer Begleiter im Alltag ist.

29.09.2015 | 10:41 | (autonet)

Denn beim Generationswechsel ersetzen die Briten nicht nur die alberne Clubdoor auf der Beifahrerseite durch zwei konventionelle Türen zum Fond. Sondern der Clubman geht auch noch gewaltig aus dem Leim. Mit 26 Zentimetern mehr Länge, zwölf Zentimetern mehr Breite und zwölf Zentimetern mehr Radstand ist zwar nur noch der Name Mini und die neue Heimat des Clubman liegt jetzt unzweifelhaft die Kompaktklasse. Doch dafür taugt der Sonderling an der Schwelle zwischen Hatchback und Kombi gar vollends für Kind und Kegel. Und zwar selbst dann, wenn der Nachwuchs schon auf eine weiterführende Schule geht und zu den Ranzen auch mal ein paar Sporttaschen eingepackt werden müssen. Schade nur, dass dieses Wachstum natürlich auch vor den Preisen nicht halt macht: So legt der Clubman rund zehn Prozent zu und startet zunächst bei 23 900 Euro. Aber selbst wenn später noch ein paar Basistriebwerke nachgeschoben werden, dürfte es unter 20 000 Euro sicher nicht klappen.

 

Für eingefleischte Mini-Fans ist der Clubman freilich eine schwere Prüfung. Nicht nur, weil er so groß wird wie Golf & Co. Sondern auch, weil er jetzt wirklich keine Schönheit mehr ist. Schon der alte Kombi war speziell, aber der neue ist noch spezieller. Als hätte man ihn in einer engen Gasse geparkt und dann zu fest aufs Dach gedrückt, geht er zu wenig in die Breite und zu weit in die Länge, als dass die Proportionen noch stimmen würden. Dazu die schallplattengroßen Glubschaugen, die ersten, für den niedrigen Luftwiderstand ins Blech geschnittenen Airbreather in einer Mini-Flanke und einen Dachkantenspoiler, der an die Schmalztolle einer Gel-Frisur erinnert – da können auch die pfiffige Antennenfinne mit dem roten Blinklicht für die Alarmanlage, die Heckleuchten mit fast hypnotischer Wirkung oder die Projektion des Markenlogos auf den Asphalt unter dem Außenspiegel nicht helfen: Man muss Mini schon sehr mögen, wenn einen dieser Clubman am Herzen rühren soll. Außer vielleicht aus Mitleid.

Seriös geworden

Und es kommt noch schlimmer. Denn auch mit dem so viel beschworenen Go-Kart-Gefühl ist es beim größten Mini in der Modellpalette nicht mehr weit her: Natürlich ist der Clubman straffer abgestimmt als ein konventioneller Kompakter, lenkt besser und federt bestimmter. Wenn man den Cooper S in den Sportmodus bringt, dann klingt er nach wie vor rotzfrech und wunderbar vorlaut. Und bei 192 PS und bis zu 300 Nm kommt auch der Fahrspaß nicht zu kurz. Nicht umsonst schnellt er im besten Fall in 7,1 Sekunden von 0 auf 100 und schafft bis zu 228 km/h. Doch die Gier nach Kurven ist irgendwie vorbei und statt über die Landstraße zu bügeln, jagt man im Clubman lieber über die Autobahn und denkt daran, wie schön die wilden Zeiten früher waren. Fast wie ein Baby-Boomer, der an einem runden Geburtstag noch einmal sehnsüchtig an seine Pubertät zurück denkt.

Praktisch

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen entdeckt man einen Mini, wie es vor ihm noch keinen gab: Geräumig, praktisch – und ungewöhnlich komfortabel: Schon in der ersten Reihe fühlt man sich jetzt so gut aufgehoben wie in Golf & Co und die Hintermänner freuen sich, dass sie endlich von der Strafbank runter kommen. Schließlich gibt’s für sie mit zwei ganz konventionellen Türen nicht nur einen würdigen Zustieg, sondern endlich auch ein Maß an Kniefreiheit, das man selbst Erwachsenen auch mal für mehr als zehn Minuten zumuten kann. Und Praktiker kommen bei 360 bis 1 250 Litern Kofferraum mit einem pfiffigen Ladeboden für mehrere Etagen und einer dreigeteilten Rückbank auch auf ihre Kosten.

Der Sinn fürs Alltägliche hört beim Format jedoch nicht auf. Sondern er wirkt bis in Details wie die wie den Antrieb der Hecktüren, die sich einem elektrisch entgegen recken, mit der Fernbedienung oder einem angedeuteten Fußtritt aufgehen. Er spiegelt sich wieder in einer Reihe ungewöhnlich großzügiger Ablagen oder den erstmals bei Mini elektrisch verstellbaren Sitzen und er gipfelt in neuen Halter an den Lehnen der Rücksitze, in die man Kleiderbügel oder Tablet-Computer clipsen kann. Auch das Fahrverhalten des Clubman macht einen riesigen Sprung. Mit noch einmal zehn Zentimetern mehr Radstand als beim Fünftürer ist der Clubman vielleicht nicht mehr der wildeste, aber dafür der komfortabelsten Mini aller Zeiten.

Vertrautes unterm Blech

Egal ob man jetzt im Clubman dem Abschied der alten Ideale hinterher weint oder sich am Aufbruch zu neuen Ufern freut – zumindest unter dem Blech bleibt auch der neueste Mini ein alter Vertrauter. Denn die zunächst je drei Benzin- und  Dieselmotoren, die BMW bis zum Jahresende ins Programm aufnimmt, sind sattsam bekannt. Los geht’s mit den Dreizylindern im Mini One, die als Benziner 102 und als Diesel 116 PS leisten. Der Cooper kocht in der Otto-Fraktion ebenfalls noch mit drei Töpfen und kommt auf 136 PS, während beim Cooper D bereits ein Vierzylinder mit 150 PS dieselt und im Cooper S kommen dann in beiden Lagern Vierzylinder mit je zwei Litern und 190 oder 192 PS zum Einsatz. Der sparsamste Clubman kommt damit auf einen Normverbrauch von 3,8 Litern und der schnellste auf 228 km/h.

 

Das Auto mag deutlich gewachsen sein, weil Markenchef Peter Schwarzenbauer künftig auch in den Teichen von Golf & Co fischen möchte. Doch dafür stutzt er im Gegenzug die Modellpalette zusammen: Während der Clubman zu neuen Ufern aufbricht, lässt Mini Roadster und Coupé zurück – und hat die Nachfolger längst auf Eis gelegt.

  • Senden
  • Drucken