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Brabus B63
 
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Brabus B63

Mehr Power für den CLS 63 AMG

02.10.2013 | 00:00 | (autonet)

Faszination Brabus B 63

von Thomas Geiger

Er ist der Schöngeist unter den Sportlern in der AMG-Flotte. Denn so potent der Mercedes CLS 63 auch sein möchte – seinen Smoking zieht das viertürige Coupé nicht aus. Zumindest nicht, wenn es aus Affalterbach kommt. Doch wenn es vor der Auslieferung einen Umweg über Bottrop macht, sieht die Sache anders aus. Ganz anders sogar. Denn dort hat Brabus-Chef Bodo Buschmann für den Modellathleten einen Doping-Cocktail gebraut, der den Schöngeist zum bitterbösen Bodybuilder macht. Mehr Leistung, ein Design aus der Muckibude und ein Sound, mit dessen Gewalt man Häuser niederreißen kann – so stürmt der CLS als B 63 auf die Überholspur und stempelt die Serienmodelle zu langweiligen Kutschen für Kilometerfresser. Allerdings muss man dafür auch tief in die Tasche greifen: Die einfachste Leistungssteigerung für das Werksmodell gibt es zwar bereits ab 7 000 Euro. Aber wer die Schickeria im vollen Orant beeindrucken möchte, ist schnell bei einem Paketpreis auf dem Niveau einer gut ausgestatteten A- oder gar C-Klasse.

Für Duckmäuser und Durchschnittsbürger ist so ein Auto natürlich nichts. Aber wer über ein gepflegtes Selbstbewusstsein verfügt und gerne im Mittelpunkt steht, für den ist der Bodybuilder aus Bottropp genau das richtige. Denn schon das Einsteigen garantiert einem den großen Auftritt: Kaum entriegelt man die Türen, glimmen in den riesigen Nüstern in Nachtblau die Brabus-Logos und LED-Spots im Unterboden setzen den CLS in Szene wie einen Hollywood-Star auf dem Roten Teppich. Und sobald man den Motor anlässt, dreht auch der allerletzte seinen Kopf. Denn mit geöffneten Schallklappen im Endrohr schickt der 5,5 Liter große BiTurbo-V8 schon beim ersten Gasstoß eine Fanfare in die Nacht, dass noch hundert Meter weiter die Wände wackeln. Wehe, wenn man das in einer baufälligen Garage ausprobiert.

Während den Passanten am Straßenrand noch die Ohren klingeln und der Staub in den Augen brennt, hat der Brabus-Fahrer die Szenerie längst verlassen. Denn langsam fahren kann man mit dem Boliden aus Bottrop kaum: Ein neues Steuergerät und ein zusätzlicher Wasserkühler für den Ladeluftkühler treiben die Leistung von den 557 PS des AMG-Modells auf 620 PS und das maximale Drehmoment liegt jetzt erst bei 1 000 Nm an – 800 Nm mehr als in der Serie und das Maximum dessen, was man der siebenstufigen Automatik unbeschadet zumuten kann. Auch wenn der normale CLS 63 AMG alles andere ist als ein lahmer Leisetreter, erlebt man den Vortrieb im Brabus in einer weiteren Dimension. Lauter, direkter – brutal und ungefiltert.

Ganz kurz nur muss sich der V8 sortieren und gönnt sich deshalb beim Kickdown eine kleine Gedenksekunde, nur um danach um so gewaltiger anzuschieben. Die 285er Gummis auf den 20-Zoll-Felgen im breiten Heck ringen um Haftung, die Kontrollleuchte des ESP flackert wie die Strobos in einer Techno-Disko und mit einem eleganten Hüftschwung schießt der CLS davon als gäbe es kein Morgen mehr: 0 auf 100 schafft er in 4,2 Sekunden. Zum Überholen braucht man nur einen Wimpernschlag, wenn der B 63 dem CLS im Zischenspurt von 80 auf 120 glatte sechs Zehntelsekunden abnimmt. Und bei Vollgas kennt der B 63 kaum einen Gegner. Denn wo die Elektronik dem Werksmodell auch für Geld und gute Worte bei 300 Sachen den Hahn zudreht, lässt Brabus seinem Boliden auf besonderen Wunsch solventer Schnellfahrer Auslauf bis 320 km/h – da wird es auf der Überholspur schon ziemlich einsam.

Aber so imposant das Coupé anschiebt und so tief es einen in die weichen Ledersessel drückt, so überraschend kultiviert lässt es sich über die Autobahn bewegen. Temposchwellen sind für den B63 jetzt zwar die Hölle, die leuchtenden Plastikkappen, die in Baustellen bisweilen auf den Asphalt genagelt werden, schütteln einem schon bei Schritttempo die Plomben aus den Zähnen und wenn der Straßendienst es bei der Fahrbahnmarkierung mal wieder zu gut gemeint hat, braucht man auch keinen Spurführungsassistenten mehr, weil dann unter den breiten Walzen tatsächlich jede Linie zu spüren ist. Doch nach 400 Kilometer Autobahn und Landstraßen der gehobenen Kategorie entsteigt man dem B63 entspannter, als man es bei diesem Bodybuilding erwartet hätte. Es riecht nicht streng nach Schweiß und Tränen, sondern duftet noch immer nach Lack und Leder. Und wer vorher brav die Sitzlüftung aktiviert hat, dem klebt nach zwei Stunden Ausdauersport auf der Autobahn nicht einmal das Hemd am Leib.

Zwar wird der CLS mit dem 620 PS-Doping zur Kampfmaschine für die Überholspur. Doch zufrieden ist der Tuning-Papst aus Bottrop damit noch nicht. Schon jetzt gibt es deshalb noch ein zweites Umrüstkit, mit dem die Leistung auf 730 PS und die Tempofreigabe auf 350 km/h steigt. Und weil AMG endlich auf Allradantrieb umschwenkt, bringt auch Brabus künftig noch mehr Kraft auf die Straße und arbeitet schon am B63-850 mit 4Matic und aberwitzigen 850 PS. Na dann viel Spaß bei der Doping-Kontrolle.

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