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Mercedes-Benz CLS 500
 
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Mercedes-Benz CLS 500 Shooting Brake

Lade-Schmuckstück

07.08.2013 | 00:00 | (autonet)

Mit dem CLS Shooting Brake schafft Mercedes-Benz nach 36 Jahren des ambitionierten Kombi-Bauens die endgültige Quadratur des Ovals.

Überhaupt, Oval ist ein gutes Stichwort wenn es um den Benz CLS in der Kombi-Version geht. Die ganze, seitliche Scheibenfront wirkt in ihrer Form wie aus einem schönen, großen Oval ausgeschnitten, dem alten ORF-Logo vielleicht, wers noch kennt. Damit ist für Spannung gesorgt, vor allem weil die ganze Dachlinie da gleich mitzieht und die Glasform nachzieht. Dass in das feine Design-Konstrukt auch noch nebenbei zwei Türen pro Seite geschnitten wurden, die ohne Fensterrahmen kommen, ist diesfalls mehr Pflicht als Kür, ausserdem kein Spezifikum des Shooting Brake.

Aber die ganze runde Fensterform, die das Wesen des Autos im großen und ganzen ausmacht, kommt erst mit der Kombi-Version des CLS zur Geltung. Man versteht jetzt endgültig was damit gemeint war, damals 2004. Und kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie gut es Companys a la Daimler-Benz immer wieder schaffen, völlig konträre Konzepte zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelzen. Und damit immer neue Begehrlichkeiten zu schaffen, die sich daher gut verkaufen.

Der CLS Shooting Brake vereint mit unglaublicher Saloppness die Stilrichtungen Coupé, Kombi und Oberklasse. Schon der normale CLS lief ja nicht als Limo sondern als Coupé, erfand das nämliche Segment sozusagen. Und legte somit überhaupt erst den Grundstein, für einen Shooting Brake, waren diese in ihrer Glanzzeit, den späten Sechzigern (Remember: Reliant Scimitar, Volvo 1800 ES Schneewittchensarg oder, mit ein paar zugedrückten Hühneraugen: Lotus Europa) ja stets an das Coupé-Wesen des Ursprungsmodells gebunden. Das derlei gezielt oberhalb der Brot-und-Butter-Kombis von E- und C-Klasse angesiedelt werden muss, liegt auch auf der Hand. Rechtfertigt einen höheren Anschaffungspreis (der CLS 500 4MATIC Shooting Brake startet bei 103.500 Euro, also sechsstellig). Und liefert auch gleichzeitig die Entschuldigung dafür, eigentlich keinen ernstzunehmenden Laderaum anzubieten.

Klar hat man sich das alle in der Entwicklungsabteilung von Daimler Benz sehr genau überlegt. Nun ist also schon der normale CLS ein ziemlicher Erfolg in Sachen Publikumgsgunst (übrigens: auch die Neuinterpretation der Viertür-Coupé-Idee zwei Klassen darunter namens CLA verkauft sich wie die sprichwörtliche, warme Semmel, wer heute bestellt, kriegt seinen CLA im Sommer 2014), wie gut muss das ganze dann erst im Kombi-Outfit funktionieren. So ist der ganze Trick mit dem wegrationalisierten Hüftknick zu 90 Prozent eine Styling-Sache. Keiner - ein paar Hundebesitzer vielleicht ausgenommen - der auf den CLS reflektieren würde, hätte sich je keinen genommen, weil er eigentlich einen Kombi gebraucht hätte. Aber Kombis sind nun mal schick, wie wir ja auch aus der Business-Liga wissen, und diesbezüglich waren die Stuttgarter ja schon immer Early Adopters: bereits ab 1977 wurde zur legendären E-Klasse W123 das noch legendärere T-Modell mitgeliefert.
Dass man da bei einem wie dem CLS etwas mehr drauflegen muss, als bloß ein Verzurrsystem oder sonst was langweilig praktisches, lag auf der Hand. Also wurde der nun Ladeboden genannte, hinterste Innenraum mit einem hochnoblen Schiffboden aus Holzplanken getäfelt und die kleine Sensation war perfekt. Klar, Bierkisten rutschen nun besser hin und her und auch die Hunze fühlt sich auf dem glatten Parkett weniger wohl als auf seiner schmuddeligen Köterdecke. Aber darum geht’s beim CLS Shooting Brake mindestens genauso wenig wie um die bereits erwähnten Kaufentscheidungsmerkmale Kopfraum im Fond, Laderaumkapazität oder gar die Nachrüstbarkeit von zwei zusätzlichen, ausklappbaren Sesseln um die Fuhre zum Siebensitzer zu adeln.

Viel wichtiger ist es da schon, im Motorraum aufzutrumpfen. Dass ein Mercedes CLS auch mit Kombiheck richtig gut Sport kann, war zu erwarten, das Feuerwerk, dass der der 500er-Motor (V8-Benzin, 408 PS, 600 Nm) in seiner aktuellen Ausformung auf die Beine stellt, passte allerdings wirklich am besten in ein sportliches Coupé, der Sprint auf 100 in unter sieben Sekunden ist nicht wirklich mit Anstrengung verbunden, 250 Spitze sind sowieso klar. Die Unangestrengtheit stellt ein Drittelmix-Verbrauch von unter 10 Litern klar, Dazu noch Allradantrieb und die gute 7G-Tronic und fertig ist das ernsthafte Sportcoupé mit Laderaum. Dem das Shooten in keiner Lebenslage schwer fällt.

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