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Den Thema gibt's in Österreich ab 45.900 Euro, den Voyager ab 46.900 Euro.
 
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Lancia Thema & Voyager: Schon gefahren

Der Fahrzeughersteller Lancia schwächelt in ganz Europa. Die Hoffnung ruht deshalb ab November vor allem auf zwei Autos, dem Thema und dem Voyager. Wir sind die beiden uns verdächtig bekannt vorkommenden Neo-Italiener bereits gefahren.

29.10.2011 | 00:00 | (autonet)

In Europa sieht es für Lancia nicht gut aus: Außerhalb von Italien hat zwar jeder mit ein bisschen Benzin im Blut die noble Fiat-Tochter irgendwo im Gedächtnis zwischengespeichert, doch auf dem Einkaufszettel hat die Marke kaum mehr einer, klagt Saad Chehab. Der neue Chef der Marke ist angetreten um das zu ändern. „Die Welt braucht Lancia“, ist er überzeugt und baut darauf, dass die Marke „einmal mehr unsere Herzen stehlen und unsere Blicke fangen kann.“

Verkaufsstart Mitte November
Dabei beschwört er zwar den italienischen Charakter der Marke, doch ruht die Hoffnung vor allem auf zwei Autos, die alles andere als italienisch sind. Denn wenn der Neustart Mitte November mit der Luxuslimousine Thema und dem Nachfolger des Phedra beginnt, werden diese Autos vielen verdächtig bekannt vorkommen. Nicht umsonst sind beides Modelle aus der Chrysler-Palette, die auf dem Weg über den Atlantik vor allem ein neues Gesicht und wohlwollend betrachtet auch ein aufgewertetes Interieur bekommen haben.

Lancia Thema
Der Thema basiert auf dem Flaggschiff Chrysler 300. Der sieht zwar aus wie ein besseres Facelift des bisherigen 300C, der noch auf der Mercedes E-Klasse basierte. Doch Chehab schwört Stein und Bein, dass es kaum eine Schraube mehr von früher gibt. „Immerhin haben wir eine Milliarde Dollar in das Auto investiert, um es in einer Rekordzeit von 18 Monaten auf die Straße zu bringen.“ Der Luxusliner misst 5,07 Meter und zitiert zumindest in ein paar Details tatsächlich alte Lancia-Modelle: Der Kühlergrill und die rechteckigen Scheinwerfer zum Beispiel erinnern die Italiener an den originalen Thema aus den Achtzigern, und die aufrechten Rückleuchten an ihren spitzen Finnen sollen die Brücke zur Flaminia schlagen.

Platz und Ausstattung überzeugen
Innen bemüht sich der Thema zwar tatsächlich um eine gewisse Eleganz und versucht sich in einer leidlich liebevollen Materialauswahl. Doch sind es vor allem die amerikanischen Tugenden, mit denen er überzeugen kann. Es gibt Platz in Hülle und Fülle, ein Heer elektrischer Helfer für jeden noch so kleinen Handgriff und eine Ausstattung, die jedem Audi-Käufer die Tränen in die Augen treibt. Und das alles zu einem Preis, der in dieser Klasse konkurrenzlos ist: 45.900 Eurorufen die Italiener auf und bieten damit nach Chehabs Worten „eine Limousine im Format des Audi A8 zu einem Preis unterhalb des A6“.

ZweiDiesel und ein Benziner
In Fahrt bringt das zwei Tonnen schwere Dickschiff ein drei Liter großer Diesel, den Lancia bei VM-Motori einkauft. Der Sechszylinder hat je nach Software 190 oder 239 PS, kommt aber immer auf 232 km/h und einen Verbrauch von 7,1 Litern. Er arbeitet kultiviert und kraftvoll und wird eigentlich nur von der antiquierten Fünfgang-Automatik eingebremst. Dass es auch anders geht zeigt der neue V6-Benziner. Denn diesen 3,6-Liter-Motor mit 286 PS kombiniert Lancia mit demselben Achtstufen-Getriebe, das BMW zum Beispiel im Siebener einsetzt. Lancia Voyager
Auch der zweite Hoffnungsträger der Italiener kommt aus einer anderen Welt. Denn geplant und gebaut wurde der neue Voyager von und als Chrysler. Das ist aber kein Schaden. Sondern als Urvater der Großraumlimousine hat der Voyager bereits 13 Millionen Familien in Fahrt gebracht, sagt Baureihenleiter Fabio di Muro. „Da wissen wir, worauf es ankommt.“ Natürlich reklamiert di Muro auch für den Voyager „eine große Portion italienischer Werte“, die sein Team dem Auto mit auf den Weg gegeben hat. Doch viel mehr als einige zusätzliche Chromrahmen, ein paar schlichte Vinyl-Holzpaneelen, den neuen Lancia-Grill und den schwungvollen Schriftzug auf Fußmatten und Heckdeckel sind von der italienischen Grandezza im Raumwunder nicht angekommen.

Platz und Ausstattung ohne Ende
Aber worauf es wirklich ankommt, das ist vor allem ein üppiges Platzangebot, ein variables Innenleben und eine großzügige Ausstattung, und in all diesen Disziplinen macht der Voyager viele Punkte: Bei 5,18 Metern Länge ist er so groß, dass man selbst auf den Sitzen sechs und sieben noch bequem reisen kann. Dank des cleveren Stow‘n‘Go-Systems kann man nicht nur die dritte, sondern auch die zweite Sitzreihe mit drei Handgriffen im Wagenboden versenken und den Kofferraum so von 934 auf 3912 Liter erweitern. Und weil der Amerikaner bekanntlich nicht zu den fleißigsten zählt, gibt es für jeden Handgriff einen elektrischen Helfer: Schiebetüren, Heckklappe, Vordersitze – selbst Lenkrad und Pedale surren auf Knopfdruck in Position. Außerdem gehören Ledersitze und eine Klimaanlage mit drei Zonen immer zum Standard, und auf Wunsch gibt es für den Nachwuchs zwei riesige DVD-Monitore am Dachhimmel.

Ab 46.900 Euro
Die Preise für den Voyager beginnen bei 46.900 Euround machen keinen Unterschied bei der Motorsierung. Zur Wahl stehen ein Diesel mit 2,8 Litern Hubraum und 136 PS oder ein V6-Benziner, der aus 3,6 Litern Hubraum 287 PS schöpft. Beide Motoren kombiniert Lancia mit einer sechsstufigen Automatik und verspricht Fahrleistungen, mit denen auch große Distanzen zu kleinen Hüpfern werden: Der Diesel schafft 193 km/h und verbraucht dafür nur 7,9 Liter; der Benziner steht mit 209 km und 10,8 Litern in der Liste.

Fazit
Beide Autos sind nicht schlecht und haben durchaus ihre Daseinsberechtigung: So eine große, präsente und dominante Limousine wie den Thema findet man zu diesem Preis nirgendwo sonst. Und der Voyager ist die ideale Familienkutsche für alle mit mehr als zwei Kindern. Nur zu Lancia wollen die beiden Autos nicht passen, weil ihnen dafür die nötige Eleganz und Grandezza fehlt. Lancia klingt nach Samt und Seide, nach Alcantara und Alabaster, nicht nach künstlichem Chrom, billigem Furnier, dünnem Leder und hartem Plastik.

Zukunft
Markenchef Chehad weiß selbst, dass er für die Zukunft Modelle mit einer stärkeren Differenzierung braucht und verspricht deshalb für die nächsten Fahrzeug-Generationen Abhilfe. Doch jetzt gehe es erst einmal darum , das Überleben der Marke zu sichern und mehr Fahrzeuge zu den Händlern zu bringen, sagt einer seiner Kollegen aus dem Management: „Ohne Thema und Voyager hätten wir gar keine Zukunft.“

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