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Im Juni kommt der neue Lancia Ypsilon nach Österreich. Außer einer neuen Hülle, wartet der kleine Italiener mit neuen Motoren und einem zumindest optisch sehr ansprechenden Interieur auf.
 
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Lancia Ypsilon: Der schöne Kleine

Mit der vierten Generation des zuletzt etwas in Vergessenheit geratenen Ypsilon will Lancia wieder in die Köpfe style-affiner Großstädter. Ob´s gelingen wird, lesen Sie hier im ersten Fahrtest.

26.05.2011 | 00:00 | (autonet)

Er war schon ein Lifestyle-Flitzer als der Mini noch als Exot aus England galt. Doch dummerweise konnte der Lancia Ypsilon aus seiner Vorreiterrolle kaum Kapital schlagen. Denn während Mini unter BMW-Fittichen einen Verkaufsrekord nach dem anderen eingefahren hat, geriet der Italiener diesseits der Alpen zusehends in Vergessenheit. Nur ein Bruchteil der 2,5 Millionen Autos, die in den Generationen seit 1985 vom Ypsilon verkauft worden sind, fahren deshalb außerhalb Italiens. Doch jetzt will es Lancia noch einmal wissen: Im Juni startet die vierte Auflage der vornehmen PS-Petitesse. Nur marginal gewachsen aber erstmals als Fünftürer entwickelt, will sie ein wenig Noblesse ins Reich der Zwerge bringen.

Souveräner Auftritt
Auf den ersten Blick gelingt das dem Vetter von Fiat Panda und Cinquecento ganz gut: Der große Chromgrill funkelt in der Sonne wie der Schnabel eines Greifvogels. Die Motorhaube ist kürzer und knackiger, die Radhäuser sind weiter ausgestellt und an der coolen Kehrseite mit der aufgesetzten Heckscheibe glühen die Rückleuchten wie feurige Sicheln – Einfallslosigkeit kann man den Designern nun wirklich nicht vorwerfen.

Schön, aber . . .
Auch innen gibt der Ypsilon den luxuriösen Liliputaner und schmeichelt dem Auge mit einer attraktiven Farb- und Materialkombination. Allerdings lässt die Begeisterung schnell nach, wenn zum ersten Mal die Finger ins Spiel kommen. Was gut aussieht, muss sich nämlich nicht automatisch auch gut anfassen. Und auch Klavierlack kann billiges Plastik nicht tarnen. So fühlt sich der schillernde Bezug auf Armaturenbrett und Türtafeln an wie speckige Elefantenhaut, Chromelemente entpuppen sich als knatschige Kunststoffe, und das riesige, in die Mitte gerückte Anzeigeelement, das wie ein großer Flachbildschirm über dem Armaturenbrett thront, knistert unter seiner großen Hutze bei jeder Bodenwelle. Dafür ist die Ausstattung in Ordnung: Schon im Basismodell „Silver“ sind sechs Airbags, ESP und Zentralverriegelung an Bord. Wer „Gold“ bucht, bekommt Klimaanlage, CD-Radio und noblere Sitzbezüge, und ab „Platin“ gibt’s neben der Klimaautomatik und der Freisprecheinrichtung unter anderem Ledersitze und Alufelgen. Außerdem bieten die Italiener zahlreiche Extras von der Zweifarblackierung über den Tempomat und die Xenon-Leuchten bis hin zum Einpark-Automaten an. Mehr Platz im Fond
Auch die Platzverhältnisse sind ganz ordentlich. Vorne können auch zwei große Erwachsene bequem sitzen. Und die Rückbank taugt bei 2,39 Metern Radstand zumindest als Notlösung. Natürlich muss man ein wenig den Kopf einziehen, damit man ihn nicht an die Heckscheibe oder die Querstrebe des Sonnendaches schlägt. Und ein wenig Gelenkigkeit beim Einstieg durch die kleinen Türen kann auch nicht schaden. Doch wo der Ypsilon früher allenfalls für Kleinkinder und Schlangenmenschen taugte, muss sich heute kein Hinterbänkler mehr verrenken.

TwinAir-Zweizylinder
Unter der Haube gibt es zunächst die Wahl zwischen zwei Benzinern und einem Diesel. Basis-Aggregat ist ein Vierzylinder mit 1,2 Litern Hubraum und 51 PS, an der Spitze steht ein 1,3 Liter großer Diesel, der 95 PS leistet. Und der ganze Stolz der Italiener ist ihr TwinAir-Zweizylinder. Nur 0,9 Liter groß und ziemlich vorlaut, bringt das kleine Turbo-Motörchen immerhin 85 PS auf die Straße. Er giert zwar nach Drehzahl und man muss oft den kurzen Schaltknauf durchs hakelige Fünfgang-Getriebe knüppeln. Doch dann schwimmt man flott mit im Stadtverkehr und schafft über Land sogar 176 km/h. Will man allerdings ein wenig Fahrspaß genießen, darf man nicht die EcoTaste drücken. Dann fühlt sich der Ypsilon so an, als klemme ein großer Klumpen Pizzateig unter dem Gaspedal und man kommt kaum mehr vorwärts. Dafür allerdings zeigt der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch, der nahe am Normwert von 4,2 Litern liegt und den Ypsilon zu einem der sparsamsten Kleinwagen seiner Art macht.

Einzelstücke
Zwar ist auch der Ypsilon ein Kleinwagen von der Stange. Doch bieten die Italiener fast so viele Möglichkeiten zur Individualisierung wie ein Karosserie-Coutier: 16 Außenfarben, drei Ausstattungsvarianten, drei Felgen und sechs verschiedene Sitzbezüge ergeben nicht nur eine Auswahl von mehr als 600 Varianten. Sondern das stellt auch ziemlich sicher, dass man seinem eigenen Auto in der eigenen Heimatstadt wohl kein zweites Mal begegnet. Wie viel der neue Lancia Ypsilon kosten wird, bleibt noch ein kleines Geheimnis. Die Preise werden in den kommenden Tagen bekannt gegeben.

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