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Vorstellung Jeep RenegadeSpaghetti trifft Western

Das Badge einer klassischen US-Marke auf einem italienischem Auto: So will Jeep mit Hilfe des Fiat 500 L die Stadt aufmischen

18.09.2014 14:14 | (wiener)

Zurückhaltung geht irgendwie anders: Wenn Jeep-Chef Chris Ellis über den Boom der kleinen Geländewagen spricht, lässt er kein gutes Haar an der Konkurrenz: „Es gibt in dieser ständig wachsenden Klasse viele Autos, die sich SUV nennen, aber keines das diesen Namen verdient“, sagt der Amerikaner. „Bis jetzt zumindest!“ Denn mit dem neuen Einstiegsmodell Renegade ist seine Firma angetreten, um das zu ändern. „Wer, wenn nicht Jeep könnte den erste glaubwürdigen Geländewagen in dieser Liga bauen? Schließlich machen wir seit über 70 Jahren nichts anderes“, poltert der Markenchef und lenkt den Blick auf einen handlichen Allradler von 4,24 Metern, der nicht nur kantiger ist als Konkurrenten wie der Opel Mokka oder der Ford Ecosport, sondern der auch mehr drauf hat als die weichgespülten Lifestyle-Hobel aus Europa.  Allerdings schlägt sich das auch im Preis nieder: Zwar geht der Spaß zum Verkaufsstart am 11. November schon bei konkurrenzfähigen 19 990 Euro (Deutschlandpreis)  los. Doch bis der Allrad an Bord ist und die Ausstattung passt, ist man schon weit in der zweiten Hälfte der Zwanziger.

Stock und Stein

Dafür gibt es aber ein Auto, das im Ernstfall tatsächlich über Stock und Stein kraxeln kann: Bodenfreiheit, Böschungswinkel, Watttiefe und Geländeuntersetzung jedenfalls sind so konstruiert, dass der kleine Abenteurer mit den italienisch-amerikanischen Wurzeln selbst die härtesten Pisten bewältigt – sogar auf den legendären Rubicon-Trail hat sich er Benjamin für die Buckelpiste schon getraut.

A klana Indiana

Aber man muss gar nicht das Abenteuer suchen, um den Jeep zu schätzen. Schon im Alltag macht der kleine Indianer eine ganz ordentliche Figur: Die Motoren sind vielleicht ein bisschen brummig, aber haben vor allem beim Anfahren genügend Biss. Das Fahrwerk ist für ein amerikanisches Auto angenehm stramm. Und wer die Kurven nicht in der engsten Linie durchfahren will, kommt auch mit der relativ leichtgängigen Lenkung gut zu recht. Schließlich ist das Auto nicht für die Rennstrecke gemacht, sondern muss sich in engen Parkgaragen, tiefen Häuserschluchten und zur Not auch mal zwischen ein paar Felsbrocken bewähren.

Abenteuer-Design

Bei der Eroberung des Großstadt-Dschungels setzen die Amerikaner außen auf ein markantes Abenteuer-Design, das viel rustikaler aussieht als bei den meisten anderen Urban-Indianern. Und innen wollen sie mit viel Platz auf fünf Plätzen, 351 Litern Kofferraum und jeder Menge Infotainment punkten. Deshalb prangt in der Mittelkonsole im stabilen Rahmen eines Outdoor-Tablets ein riesiger Touchscreen mit Online-Navigation und eigenem App-Store.

Dazu gibt es eine auf europäischen Bedürfnisse angepasste Motorpalette mit zwei Dieseln in drei Leistungsstufen von 120 bis 170 PS und drei Benzinern, die 110 bis 170 PS abdecken. Und weil die Amerikaner schließlich mit der Zeit gehen wollen, hat der Renegade neben den konventionellen Schaltgetrieben als erster in seinem Segment eine neunstufige Automatik. Weil es dazu auch noch eine Start-Stopp-Automatik gibt und der Renegade weniger wiegt als all seine Geschwister, ist er der sparsamste Jeep aller Zeiten: 4,6 bis 5,9 Liter brauchen die Diesel und die Benziner stehen mit 6,0 bis 6,9 Litern in der Liste.

Fiat-Plattform

Zwar basiert der Renegade auf einer Fiat-Plattform und ist streng genommen nur der amerikanische Cousin des 500L. Außerdem wird er als erster Jeep für die Welt außerhalb Amerikas montiert und kommt aus der Fiat-Fabrik Mirafiori bei Neapel. Doch haben sich die Amerikaner die Mühe gemacht und die Technik gründlich modifiziert. So gibt es nicht nur stolze 22 Zentimeter Bodenfreiheit und andere Motoren und Getriebe. Sondern selbstredend fährt der Renegade auch mit Allradantrieb vor. Und zwar nicht mit einem, sondern gleich mit zwei verschiedenen Systemen samt Geländeuntersetzung  – so viel ist Jeep seinen Markenwerten schließlich schuldig.

Von der Knutschkugel zum Kasten

Das gilt übrigens auch für das Design. Das hat zwar bis auf die sieben Lamellen im Kühlergrill leider nicht mehr viel mit Wrangler und Gott sei Dank auch nichts mit dem neuen Cherokee gemein. Aber es ist eben auch kein Fiat mit Jeep-Plaketten. Sondern in Auburn Hills haben die Amerikaner aus der Knutschkugel einen kantigen Kasten mit rustikalen Anbauteilen gemacht, der perfekt in den Urban Jungle passt. Und überall haben sie wie Ostereier ebenso winzige wie witzige Zitate aus der Vergangenheit der Marke versteckt: Von der Silhouette des Ur-Jeeps im Kleberahmen der Frontscheibe über die markante X-Signatur aus dem original Benzinkanister der US-Army, den schon der erste Jeep schleppen musste, bis zur Silhouette des Kühlergrills, die in den Fuß des Innenspiegels gefräst ist.

Playmobil

Dass der Renegade dabei ein bisschen aussieht wie ein zu groß geratenes Auto von Playmobil ist sicher kein Fehler. Schließlich ist ein SUV für die meisten Kunden ohnehin nicht viel mehr als ein Spielzeug. Selbst die Familienehre haben sie bei der Designgeschichte gewahrt: Damit nur gar keine Zweifel an der Authentizität des Renegade aufkommen, wurde deshalb sogar das Geburtsdatum ins Cockpit geprägt. Dort steht aber nicht 2014, sondern „Since 1941“ – das Gründungsjahr der Marke.

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