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Infiniti Q50: Kampfansage

Schon gefahren: Infiniti Q50

25.10.2013 | 00:00 | (autonet)

Kampfansage für die Mittelklasse


Das Angebot der Nissan Nobel-Tochter Infiniti war bisher durchaus überschaubar. Speziell für den europäischen Markt hatten die Japaner mit US-Genen keine wirklich passenden Modelle im Angebot, um sich hier in die schlagkräftige Konkurrenz der (Business)-Mittellklasse von Audi, Mercedes und BMW einzureihen. Mit dem neuen Q50 soll dies nun aber anders werden!  

 

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Allen Infiniti-Modellen gemein ist ihr generell individualistischer und, speziell hierzulande, noch immer leicht exotischer Ansatz. Infinit fährt, wer sich vom meist germanischen Einheitsbrei abheben möchte. Nun gelingt dies auch in der hochwertigen Mittelklasse á la 3er BMW, Mercedes C-Klasse und Co. Der neue Q50 ist ausschließlich als Limousine zu haben, weitere Varianten sind derzeit nicht geplant. Optisch hat sich Infiniti beim Q50 nicht ganz soweit rausgelehnt wie beispielsweise beim SUV-Flaggschiff FX. Das Styling des Q50 ist umgänglicher, etwas braver, aber doch noch immer sehr eigenständig. Die Frontpartie wirkt elegant, aber sportlich, der Kühlergrill kantig und selbstbewusst, findet aber in den eher geschwungen Hauptscheinwerfern und Kotflügeln einen Kontrapunkt und zeigt sich dadurch dynamisch und gediegen, anstatt mit übermäßiger Sportlichkeit zu protzen. Mit 4,79 Länge reiht sich der Q50 auch etwas über der direkten Konkurrenz ein, das merkt man auch im Innenraum. Überraschend ist der hohe Komfort in zweiter Reihe. Auch bei weit nach hinten gefahrenen Frontsitzen, reist man im Fond des Q50 äußerst bequem, die Sitze sind vorne wie hinten gut geschnitten, der Seitenhalt zwar vorhanden, aber nicht einschränkend. Serienmäßig verfügt der neue Infiniti über zwei Bildschirme im opulenten Armaturenbrett. Der obere der beiden 8-Zoll Bildschirme dient hauptsächlich als Informationszentrale. Hier laufen alle Inputs seitens Navi- und Infotainment-System zusammen und werden in hübscher Art und Weise dargestellt. Lob gilt dem Navigationssystem, das punktgenaue Zielführung ermöglicht und selbst im oftmals Navi-mäßig nicht besonders gut erschlossenen Spanien, exakte Anweisungen an den Fahrer abgibt und diesen perfekt auch an schwierige Ziele auf Nebenfahrbahnen lotst. Der zweite Bildschirm dient dem Handling der verschiedenen Funktionen von Navi, Infotainment und den umfangreichen, je nach Ausstattung verfügbaren, Assistenz-Systemen.

Die zahlreichen Assistenzsysteme zählen freilich zu den Highlights im neuen Q50. Die Sport-Modelle verfügen mit Direct Adaptive Steering (DAS) über eine technologische Weltneuheit: Diese Steer-by-Wire-Technologie, wie sie im Infiniti Q50 erstmals in einem Serienfahrzeug geboten wird, gab es bislang nur in Flugzeugen. Das bietet dem Fahrer die Möglichkeit, Lenkrückmeldung und auch Lenkkraft individuell nach persönlichen Vorlieben oder Fahrstil einzustellen. Gleichermaßen innovativ ist die Active Lane Control, welche die Anzahl kleinerer Lenkkorrekturen, die der Fahrer vornehmen muss, um das Fahrzeug in der Spur zu halten, vermindert. Das System erkennt mittels Kameras die Fahrspur-Begrenzungslinien und richtet das Fahrzeug wie von Geisterhand mittig in der jeweiligen Fahrspur aus. Dies wird dabei nicht über einen Eingriff am Lenkrad erledigt, sondern über direkte Ausrichtung der Vorderräder. Autonomes Fahren ist damit theoretisch möglich solange die Straße halbwegs gerade bleibt. In der Praxis hilft diese innovative Vorrichtung jedoch hauptsächlich beim exakten Halten der Spur. Damit werden auch lange Autobahnetappen deutlich komfortabler und einfacher zu handeln.

Eine weitere Funktion des Direct Adaptive Steering-Systems ist die elektronisch gesteuerte Veränderung der Lenkübersetzung und auch die Steuerung der Leichtgängigkeit derselben. Dies kann in drei verschiedenen Stufen geregelt werden. In Normalstellung bleibt alles wie gewohnt. Justiert man das System in höchster, Stufe hat man erheblich weniger am Lenkrad zu kurbeln. Der Test-Slalom wird im direkten Vergleich zum Fahrzeug ohne Adaptive Steering zum echten Kinderspiel. Wo man ohne Assistenz nahe dem Übergreifen ist, lenkt man auf voller Stufe nur etwas mehr als eine viertel Drehung, der Infinit gehorcht sofort. Auch auf kurvigen Bergstraßen macht sich dieses System bezahlt und dient vor allem dem Komfort. Mancher mag hier nun bekritteln, dass sich der Wagen damit nicht besonders direkt gibt und dass die Lenkung nur wenig Feedback an den Fahrer abgibt, doch haben wir es hier ja schließlich nicht mit einem Sportwagen zu tun, sondern mit einem Mittelklassefahrzeug, das seinem Fahrer und den Passagieren vor allem ein Höchstmaß an Komfort kredenzen will. Und das gelingt mit diesen innovativen Helferleins vollinhaltlich.


Der Infinit Q50 ist aktuell in zwei verschiedenen Motorisierungsvarianten verfügbar. Einerseits ist erstmals ein „kleiner“ Diesel verfügbar (wohl das wichtigste Asset für den europäischen Markt), der Infiniti bisher bei den anderen Modellen fehlte. Der Dieselmotor kommt aus dem Hause Mercedes-Benz, wobei hier nicht das komplette Aggregat übernommen wurde, sondern nur der Motorblock, der Turbolader sowie das Abgas- und Einspritzsystem. Der Diesel ist akustisch zwar schnell als solcher identifizierbar, das Geräuschniveau hält sich aber durchaus in Grenzen. Der Antritt des 170PS und 400Nm Drehmoment starken Diesels ist überzeugend, das Automatikgetriebe arbeitet unaufgeregt und komfortabel. Der Diesel ist außerdem auch mit manueller Schaltung zu haben. Als zweite Option bietet Infiniti für den Q50 eine Hybrid-Variante mit 364 PS, die den Q50 – auch in Sachen Motorsound – mit einer durchaus sportlichen Note versieht. In nur etwas mehr als fünf Sekunden erledigt der noble Japaner damit den Spurt auf 100km/h. Ein Sportfahrwerk, regenerative Bremsen sowie ein Sportbremssystem gehören zur Standardausstattung des Hybriden. Um Fußgänger auf das langsame und teilweise geräuschlose Herannahen des Fahrzeugs aufmerksam zumachen, verfügt der Infiniti Q50 Hybrid über eine akustische Annäherungswarnung. Das Hybridmodell ist als Q50 Hybrid AWD zudem mit einem intelligenten Allradantrieb erhältlich. 

Beide Modelle geben sich in Sachen Verbrauch durchwegs zurückhaltend. Auf den ersten Testkilometern genehmigte sich der Diesel, bei dynamischer Gangart und großem Anteil Stadt-Verkehr, im Durchschnitt rund 5,8 Liter. Der Hybride begnügte sich mit knapp unter 8 Litern. Beides Werte, die durchaus in Ordnung sind und auf längerer Testfahr auch sicher noch deutlich zu unterbieten sind.

Last but not least ist es jedoch das adäquate Preisniveau, das den beiden neuen Q50-Modellen hierzulande zu durchaus großem Erfolg verhelfen wird. Denn mit einem Einstiegpreis von 35.555 Euro in der Dieselversion platziert sich der neue Q50 mehr als konkurrenzfähig im Segment, vor allem in Anbetracht der umfangreichen Serienausstattung die schon in der Basisversion zum Einsatz kommt. Mit an Bord sind beispielsweise eine Start-Stopp Automatik, Rückfahrkamera, Tempomat, beheizte elektrische Außenspiegel, Zwei Zonen Klima-Anlage, die beiden Touchscreens, USB- und AUX-Anschluss, Multifuntionslenkrad, schlüssellfreies Öffnen und Schließen, Startknopf und eine Reifendrucküberwachung. Zusätzlich bietet Infiniti noch die verschiedenen Pakete und Zusatzausstattungen an. In der Sport-Version sind für 42.685 Euro dann auch bereits alle beschriebenen Assistenzsysteme mit dabei, die teilweise auch einzeln geordert werden können. Der Einstiegspreis für das Hybrid-Modell liegt bei 52. 561 Euro, mit Allrad bei 55.061 Euro. 

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