Zur Mobilversion wechseln
156.900 Euro muss man in Österreich hinlegen, um einer der 150 Besitzer zu werden.
 
  • Bild: Infiniti
  • Senden
  • Drucken

Infiniti FX Vettel: Nomen est Omen

Der Doppelweltmeister wünscht sich ein Auto, und wir dürfen es auch kaufen: Wenn wir 156.900 Euro locker machen und eines der 150 Exemplare ergatten. Ob das Power-SUV die Mühen wert ist, klärt eine erste Ausfahrt.

13.11.2012 | 00:00 | (autonet)

Infiniti, bekanntlich die noble Tochter von Nissan, ist einer der Hauptsponsoren des Formel-1-Teams Red Bull Racing, und Sebastian Vettel ist Markenbotschafter. So kommt also, was wohl kommen muss: eine Sonderedition, die alle Beteiligten zusammenführt. Verantwortlich dafür ist angeblich der Doppelweltmeister selbst. Der Deutsche fährt seit einiger Zeit einen Infiniti FX50S als Dienstwagen. Das bedeutet: 5,0-l-V8, 390 PS und in Österreich einen Preis von knapp 100.000 Euro. Aber als F1-Fahrer ist man offenbar gewohnt, dass man am Fahrzeug herumdoktert, und so war die Wunschliste rasch beinand: Herr Vettel wollte mehr Punch, mehr Speed, mehr Carbon und vor allem mehr Sound.

Exklusivität
Sebastian Vettel ist kein Mann, dem man gerne Wünsche abschlägt. Und so machte sich Infiniti auf, einen FX50S nach den weltmeisterlichen Vorstellungen zu modifizieren. Der Wunsch nach mehr Speed wurde dabei auf zwei Arten erfüllt: zum einem drehten die Motorentechniker die Leistungsschraube von 390 auf 420 PS hinauf, zum anderen wurde die Aerodynamik deutlich verbessert; angeblich unter Mithilfe der Experten von Red Bull Racing wurden neue Carbon-Elemente für die Front, das Heck und die Seitenspiegelverkleidungen entworfen. So stieg der Abtrieb an der Hinterachse um ganze 30 Prozent, während der Luftwiderstandsbeiwert um fünf Prozent sank. So was gefällt einem Weltmeister.

Messe-Applaus
Das Ergebnis des ursprünglich als Unikat geplanten Fahrzeugs wurde 2011 auf der IAA in Frankfurt ausgestellt – und mit so viel Publikumsapplaus bedacht, dass sich Infiniti für eine Kleinserienfertigung entschied. In Kürze beginnt also die Produktion von 150 Stück des FX Vettel; nur 50 davon sind für Europa vorgesehen. In Österreich – wo übrigens schon zwei Exemplare vorab verkauft wurden – wird das Auto 156.900 Euro kosten, also um fast 60.000 Euro mehr als der FX50S, auf dem die Vettel-Edition aufbaut.

Liebe zum Detail
Viel Kohle – aber man bekommt auch viel Kohlefaser dafür. Die aerodynamischen Anbauteile rundum sind supersauber gefertigt und entsprechen F1-Standards, sagt Infiniti. Außerdem bekommt der FX damit tatsächlich den Touch eines raren Supercars (das er ja auch ist). Weitere Veränderungen: die Dachreling entfällt, dafür wird die Karosserie nochmals um 20 Millimeter tiefer gelegt. Und es gibt dunkle 21-Zoll-Alu-Schmiedefelgen von BBS, die das Gewicht der ungefederten Massen pro Rad um 3,5 Kilo verringern. Highlights sind auch die LED-Nebelscheinwerfer und die aus 15 LEDs bestehende zentral positionierte Nebelschlussleuchte im F1-Look. Für das Exterieur kann man auch das einzige Extra bestellen, das für den FX Vettel verfügbar ist: einen großen Carbon-Heckflügel mit aus dem Vollen gefrästen Alu-Halterungen. Beim Preis muss man allerdings auch aufpassen, dass man nicht davonfliegt: 6350 Euro kostet das gute Stück – dafür bekommt man fast schon einen kleinen Neuwagen.
Kohle auch innen
Der Innenraum ist schwarz und kontrastiert damit die Außenfarbe, die ausschließlich in Moonlight White gehalten ist. Die nicht übertrieben sportlichen Sitze sind mit Alcantara bezogen, dazu gibt’s violette Nähte, die sich am Lenkrad fortsetzen. Die Mittelkonsole wurde großflächig mit edlem Carbon verkleidet; auch hier ist die Verarbeitung extrem hochwertig, man spürt die Liebe zum Detail, wie etwa beim Vettel-Logo auf dem Deckel des Aschenbechers.

Sound of Music
Hinter diesem Deckel befindet sich aber nicht der Zigarettenanzünder, sondern ein neuer Knopf. Dieser aktiviert ein Ventil im Abgasstrang, was wir natürlich sofort ausprobieren. Die Änderung fällt im Innenraum zuerst nur marginal auf, außen wird jedoch ein Inferno ausgelöst. Spätestens, wenn man im aufkommenden Übermut den V8 in höhere Drehzahlregionen treibt, wird dann auch innen klar, in welchen tosenden Sturm man hier geraten ist. Unser Tipp: Starten Sie das Kurzmovie über den FX Vettel in unserem Autonet-Video-Channel, da bekommen Sie einen feinen Eindruck über die Tonkulisse, die man einem V8 entlocken kann.

Dicke Power
Bei diesem Sound erwartet man sich natürlich eine entsprechende Performance, und man wird nicht enttäuscht. Zumindest nicht beim Boosten: Der Saug-V8 dreht erstaunlich quick und leichtfüßig nach oben, schiebt mit der bulligen Macht von fünf Liter Hubraum. Dass er mit dem stattlichen Gewicht eines großen SUV wenig Probleme hat, liegt auch an dem gut abgestimmten Allradantrieb, der keine Traktionsverluste zulässt. Ein Sprint in 5,6 Sekunden auf 100 km/h ist schon sehr in Ordnung, der bei 250 abgeregelte Topspeed ebenfalls. Weniger zufriedenstellend ist hingegen die Zusammenarbeit mit der Siebengang-Automatik. Das Getriebe ist ein feiner Dienstleister, solange es ums Cruisen geht. Werden schärfere Etappen gefahren, dann wünscht man sich schnellere Schaltzeiten, härtere Gangwechsel. Vor allem beim Herunterschalten werden die Befehle nicht mit der notwendigen Akkuratesse erledigt – ein echtes Manko bei wüst vorgetragenen Bergetappen.

Resümee: Was Weltmeister wollen
Aber man muss die Dinge wohl richtig sehen: Der FX Vettel ist nicht für Bergrallyes gemacht, sondern als exklusives Schmuckstück für die Promenade und als kraftvoller Intercity zwischen den edlen Metropolen unseres Kontinents. Die Vorzüge eines tollen Reiseautos sind allesamt vorhanden: Kraft, Komfort und Hightech bis zum Dachhimmel. Dass es außerdem ein Sammlerstück werden könnte, macht finanziell Zwangbefreiten das Kaufvertrag-Unterschreiben noch leichter. Sie werden schließlich auch noch mit ein paar Goodies umgarnt: Nach der Bestellung erhalten sie ein Carbon-iPad, um damit die Produktion ihres FX Vettel zu verfolgen. Außerdem wird ein ordentliches VIP-Programm zusammengestellt: die Rede ist von Fahrertrainings, Rennbesuchen, F1-Simulator. Der erste Kunde wird all das allerdings nicht in Anspruch nehmen müssen: Es ist Sebastian Vettel selbst.

  • Senden
  • Drucken