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Der Dacia Duster ist sich nicht zu schade für den harten Einsatz im Gelände.
 
  • Bild: Ronny Zieger
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Dacia Duster 4x4: Ja das schaffen wir

Robust, günstig und durchaus fesch - das sind nur einige Tribute für den Dacia Duster.

13.05.2011 | 00:00 | (autonet)

Wie geht das, dass man um gut 20.000 Euro einen vollwertigen, neuen Geländewagen in ansprechender Optik mit guter Offroadtauglichkeit, kompakten Abmessungen und doch reichlich Platzangebot bekommt? Im Fall des Dacia Duster ist es ein Bündel an klugen, ökonomischen Maßnahmen. Man nehme eine Vielzahl an bewährten Teilen aus verschiedensten anderen Modellen, wie den ausgereiften 110-PS-Dieselmotor von Renault, die Allradtechnik, die beispielsweise im Nissan X-Trail zum Einsatz kommt bis hin zu den verschiedensten Dekorteilen und Bedienelementen aus dem Renault-Regal, schicke sie nach Rumänien und lasse sie dort kostengünstig zusammenbauen und zwar so, dass nichts scheppert und wackelt.

Ein bisschen Mitarbeit ist gefragt
Wie stark an der Kostenschraube gedreht wird, merkt man als Fahrer nur in kleinen Details. Die Bedienung der Scheibenwaschanlage verlangt zwei Handgriffe – einmal den Hebel heranziehen zum Spritzen und dann die Aktivierung des Scheibenwischers. Die elektrischen Fensterheber haben keine One-Touch-Funktion und die Bedientasten sitzen in der Mittelkonsole statt am „angestammten“ Platz am Türgriff. Das Licht schaltet sich nicht von selbst ab (es gibt aber einen Warnsummer) und die Hupe lässt sich nicht durch Druck oder – im Zuge gröberer Aggressionen – durch Schlagen auf das Lenkrad aktivieren, sondern wird über die Taste am linken Lenkstockhebel betätigt. Letzteres ist unserer Ansicht nach eine Spur zuviel gespart, weil moderne Autofahrer gewohnt sind, die Hupe auf dem Lenkrad zu bedienen und in der gebotenen Eile (wenn man die Hupe als Warnsignal wirklich braucht) vielleicht vergessen, wo die Bedienung zu finden ist. Alle anderen angeführten Abweichungen von der „Norm“ sind absolut erträglich und rechtfertigen sich durch den Preis.

Er darf auch fesch sein
Der Dacia Duster ist zweifelsohne ein günstiges Fahrzeug, lässt sich das aber nicht vorrangig ansehen. Beginnend mit dem Kleinwagen Sandero hat bei Dacia die Erkenntnis Einzug gehalten, dass Design doch recht förderlich für den Absatz sein kann. Und so ist auch der Duster keine fahrende Kiste auf Rädern, sondern ein feiner Fünfsitzer mit überschaubaren Abmessungen (4,32 Meter Länge, 2,0 Meter Breite, 1,70 Meter Höhe) und einer gestandenen Persönlichkeit. 21 Zentimeter über dem Boden setzt der optionale Kunststoff-Unterfahrschutz an. Die Front beheimatet einen feinen Chrom-Kühlergrill. Die großen Radläufe sind breit ausgestellt und vermitteln einen festen Stand.

Komfort im Ansatz
Auch innen ist der Dacia Duster ganz ansehnlich, vor allem in der höchsten Ausstattungslinie Lauréate. Bei einem Einstandspreis von 18.590 Euro, wie im Fall unseres Testwagens, sollte die doch drin sein. Das Armaturenbrett besteht zwar aus Hartplastik, bietet aber eine schöne Struktur. Die Sitze sind mit Stoff belegt, nicht all zu weich gepolstert, aber durchaus langstreckentauglich. Im Lauréate-Modell gönnt Dacia dem Kunden nicht nur die geteilt umlegbare Rücksitzlehne, manuelle Klimaanlage, elektrisch verstellbare Außenspiegel und Bordcomputer, sondern auch Dekorelemente in Brilliant-Braun an der Mittelkonsole, den Einfassungen der Belüftungsdüsen und den Türgriffen. Mit dem Platzangebot darf man durchaus zufrieden sein. Auch hinten fühlt man sich nicht wie in einem Schraubstock. Die Transporteigenschaften sind auch sehr gut. Das Kofferraumvolumen beträgt 443 Liter und lässt sich durch Umlegen der Rücksitzlehnen auf 1604 Liter erweitern.
Allrad, wenn benötigt
Wer will, kann also eine Menge transportieren im Dacia Duster. Das ist aber noch nicht alles, was der robuste Rumäne drauf hat. Hinten am Heck steht ja unübersehbar 4WD drauf. Neben einer Frontantriebsversion gibt es den Duster auch als Allradler. Wieder den Preis ins Gedächtnis rufend und im Anblick der widerstandsfähigen Karosserie samt Kunststoffschutz ist man sich daher auch nicht zu schade, den Weg abseits befestigter Straßen zu suchen. Auf Asphalt geht es spritsparend im 2WD-Modus. Mittels Drehschalter in der Mittelkonsole wechselt man rasch in den Auto-Modus. Lässt die Traktion an den Vorderrädern nach, wird über eine elektromagnetische Kupplung bis zu 50 Prozent des Drehmoments an die Hinterräder verteilt. Im schwierigen Gelände lässt sich die Kraftverteilung durch Wahl des Lock-Modus fixieren.

Kurz gestuftes Getriebe
Mit dem 110-PS-Dieselmotor ist der Dacia Duster keineswegs brustschwach unterwegs. Die Grenzen im Gelände setzen am ehesten die Abmessungen und das Feingefühl des Fahrers. Dank 21 Zentimeter Bodenfreiheit und der relativ kurzen Überhänge verfügt der Duster über einen Böschungswinkel von 30 Grad vorne und 36 Grad hinten. Rampen überwindet er bis zu einem Winkel von 23 Grad. Beim Geländefahren ist der Fahrer dahingehend gefordert, dass er die Kupplung behutsam behandelt und ausreichend dosiert Gas gibt. Die Getriebeübersetzung ist ausdrücklich auf das Offroadfahren ausgelegt. Die Gänge sind sehr kurz gestuft, erfreulicherweise verfügt der Diesel-Duster über sechs Gänge. Der erste Gang ist ein ausgesprochener Kriechgang. Im normalen Straßenverkehr verliert er fast seine Existenzberechtigung. Wegfahren im zweiten Gang ist selbst für den ungeübtesten Fahranfänger kein Problem. Die Lenkung ist ausreichend leichtgängig. Das Fahrwerk versucht Unebenheiten durch eine weiche Federung auszugleichen. Gut, dass der Duster eine große Kopffreiheit bietet. Wer den Ritt über die Schotterpiste nämlich all zu forsch angeht, wird kräftig durchgebeutelt.

Sparsamer Diesel
Die Welt besteht allerdings nicht nur aus Schotterstraßen. Zurück auf dem Asphalt wechselt man wieder in den 2WD-Modus. Der Motor überzeugt durch ein gutes Ansprechverhalten und ist mit 110 PS ausreichend kräftig. Gleichzeitig ist er auch nicht gerade leise, zusammen mit dem hohen Aufbau und der mäßigen Geräuschdämmung kann es im Innenraum schnell einmal lauter werden. Zufrieden gestellt wird man dagegen wieder mit dem Blick auf den Bordcomputer. Der werksseitig angegebene Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer ist durchaus realistisch. Selbst in der Stadt kommt man kaum über sieben Liter hinaus. So ist der Dacia Duster nicht nur in der Anschaffung günstig, sondern auch im Unterhalt.

Günstiger Anschaffungspreis
Den günstigsten Dacia Duster gibt es bereits ab 11.990 Euro mit Frontantrieb und 105-PS-Benzinmotor. Das obere Ende der Preisskala markiert der getestete 110-PS-Common-Railer mit Allradantrieb und in Lauréate-Ausführung. Ab dem Basismodell sind ABS, Frontairbags, und eine umlegbare Rücksitzbank serienmäßig. Ab der Stufe Ambiance gibt es Seitenairbags, elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und eine Dachreling. Im Lauréate-Modell sind dann zusätzlich 16-Zoll-Alufelgen, Bordcomputer, elektrisch einstellbare Außenspiegel, höhenverstellbarer Fahrersitz, Klimaanlage und Nebelscheinwerfer serienmäßig. Nur gegen Aufpreis und auch nur für das 110-PS-Allradmodell ist das elektronische Stabilitätsprogramm erhältlich. Um auf den Endpreis unseres Test-Dusters von 20.520 Euro zu kommen, hat Dacia noch das Look-Paket mit abgedunkelten Scheiben, Unterfahrschutz, Dachreling und chromsatinierten Seitenschwellern und Außenspiegeln (700 Euro), Metallisée-Lackierung (349 Euro), CD-Radio (318 Euro) und ein Lederlenkrad (140 Euro) hineingepackt.

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