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Trat an, um den SUV-Markt zu demokratisieren. Ob ihm das gelingt, hat autonet.at im Rahmen eines Intensivtest versucht zu ergründen.
 
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Dacia Duster 110 dCi 4x4 im Test

autonet.at hat den Top-Duster mit 110 Diesel-PS und Allradantrieb in Augenschein genommen. Billig ist er nicht, aber günstig.

24.09.2010 | 00:00 | (autonet)

„Wos foahrst´n g´rad?“ Das ist eine Frage, mit der man sich als Motorjournalist ständig konfrontiert sieht. Wie auch immer die Antwort ausfällt, die Bandbreite an Reaktionen darauf ist selten so groß, wie in gegenständlichem Fall: „Den Dacia Duster“. Die einen quittieren das mit einem herablassenden Lächeln oder mit gerümpfter Nase. Den anderen schaut die blanke Unwissenheit bei den Augen raus: „Hä, was?“ „Weißt eh, der neue Rumänische SUV, der billig Offroader“, versucht man dann Klarheit zu verschaffen. „Nie gehört!“ Und dann gibt es noch die dritte Gruppe, die eindeutig den Löwenanteil stellt: „Aha, lass sehen, wieisnderwaskostnder?“ Aber egal ob Snob, Ignorant oder Interessent – die Replik nach visuellem Erstkontakt mit dem Duster ist schließlich auffällig einhellig: „Schaut gut aus!“

Kein Diskont-Touch
Und das tut er tatsächlich. Der Franko-Rumäne steht proper da und geizt nicht mit Reizen. Hervorzuheben ist da vor allem die Frontpartie mit dem von zwei großen, modern gezeichneten Scheinwerfern flankierten Chrom-Grill, in dessen Mitte prominent das Firmen-Logo prangt. An Selbstbewusstsein, das wird deutlich signalisiert, mangelt es Dacia nicht. Das spiegelt sich auch in der Seitenansicht mit den weit ausgestellten Radkästen und den, in der von uns getesteten Top-Version Laureate, serienmäßigen 16-Zoll-Alus. Keine Spur von hingeschludertem Pinselstrich auch heckwärts: gut proportioniert und nicht bar eines gewissen Etwas. Alles in allem geriert sich der Duster optisch als sehr würdiger Vertreter der derzeit so angesagten Kompakt-SUV-Klasse, braucht sich vor imageträchtigerer Konkurrenz nicht zu verstecken und lässt jeglichen Anflug von Diskont-Touch vermissen.

Aufgeräumtes Ambiente
Dasselbe gilt für den Innenraum. Hofer-Ambiente? Keineswegs! Das Cockpit präsentiert sich klar gegliedert, übersichtlich und nicht charmefrei. Der Verkleidung der Türen und der Mittelkonsole ist mit ihren lackierten Zierelementen sogar so etwas wie ein gewisser designerischer Anspruch zu attestieren. Auch die Verarbeitungsqualität ist nicht das, was man ad hoc von einem ausgewiesenen Preisbrecher erwartet. So verhält es sich auch mit den Materialien: Obwohl durchgängig Hartplastik, greift sich der Verbau nicht billig an. Man fühlt sich wohl im Duster. Der Komplex, sich am unteren Ende der Einkommenspyramide zu befinden, bleibt am Steuer des Duster, im Gegensatz vielleicht zum Logan, aus.

Weiter geht´s auf Seite 2 Gute Platzverhältnisse
Man sitzt angenehm erhöht auf straffem Gestühl, das allerdings etwas an Seitenhalt vermissen lässt. Auch die Länge der Sitzfläche ist vielleicht etwas knapp ausgefallen. Das belederte Lenkrad ist in der Höhe verstellbar, nicht aber in der Länge, was die perfekte Adjustierung ein bisschen erschwert. Platzmäßig gibt´s nichts zu bemängeln. Das gilt für die erste Reihe ebenso, wie für den Fond. Allenorts freuen sich Kopf, Knie und Ellenbogen über die ihnen zustehende Freiheit. Auf längeren Fahrten fällt die Absenz einer Armauflage zwischen Fahrer- und Beifahrersitz auf. Der Kofferraum ist mit 443 Litern gut bemessen. 1.570 sind es, wenn die Rücksitzlehnen umgeklappt werden. Da geht schon was rein.

Agiler Geselle
Durchaus was weiter geht mit dem von uns getesteten Top-Motor, dem 110 PS starken Commonrail-Diesel. Mit den lediglich rund 1.300 Kilo Leergewicht des Fahrzeugs tut sich der akustisch recht präsente „Murl“ leicht, was sich aber weniger im Sprintwert (12,5 Sekunden von 0 auf 100) als vielmehr in einem properen Durchschnittsverbrauch von 7,5 Liter in der Stadt niederschlägt. Das kurz übersetzte 6-Gang-Getriebe sorgt für agiles Handling mit genügend Punch von unten heraus, auch wenn´s bei forscherem Antritt etwas an der Lenkung reißt. Überland zeigt sich der Duster von seiner ausgeglichenen Seite. Ein wenig krumm nehmen wir dem Duster (oder denen, die ihn bauen), dass ESP nicht serienmäßig verbaut, sondern nur in der Top-Version Laureate und nur in Kombination mit Allradantrieb und Lederlenkrad (?) zu haben ist.

Hart aber sanft
Auf seine Offroadtauglichkeit macht der Dacia Duster nicht mit extensiv hart ausgelegtem Fahrwerk aufmerksam. Die Federung ist konziliant abgestimmt und absorbiert auch schneller überfahrene Schwellen in einer Art und Weise, dass einem nicht gleich die Wirbelsäule beim Hinterkopf rausschaut. Vielmehr ist es die mit 210 Millimeter ausgeprägte Bodenfreiheit (zum Vergleich: der Skoda Yeti misst hier 180 Millimeter) und der vom Konzernpartner und Geländespezialisten Nissan bezogenen Allradantrieb, der den Duster für härteren Einsatz befähigt. Per Drehregler können drei Modi angewählt werden: 2WD, „Auto“ für adaptiven und „Lock“ für permanenten Vierradantrieb.

Fazit und Preis
18.490 Euro kostet der Dacia Duster in der von uns gefahrenen Top-Version Laureate mit 110 dCi und 4WD. Damit ist der Franko-Rumäne freilich ein gutes Stück vom populistischen Einstiegspreis von 11.990 Euro. Setzt man die 18 Flocken allerdings in Relation zu den fast 25 Tausendern des durchaus vergleichbaren Skoda Yeti 4x4 Active TDI stimmt wieder, was Dacia über seinen Duster sagt: ein absoluter Preisbrecher im Segment der Kompakt-SUV zu sein.

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