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Der Dacia Duster hat alles, was landläufig von einen SUV verlangt wird, allerdings zu einem konkurrenzlos günstigen Preis: Ab 11.990 Euro ist der Offroad-Rumäne ab Ende April zu haben.
 
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Dacia Duster: Alles was ein SUV braucht

Dacia mischt mit dem Duster den SUV-Markt kräftig auf. Den Offroad-Rumänen gibt es ab Ende April ab 11.990 Euro. Der Einstiegspreis für die Allradversion beträgt 14.990 Euro - ein sensationelles Preis-Leistungsverhältnis, wie der erste Fahrtest gezeigt hat.

21.04.2010 | 00:00 | (autonet)

Skoda hat es vorgemacht: Als die Tschechen-Marke 1992 unter VW-Ägide in Österreich versuchte Fuß zu fassen, haftete der Marke ein stark duftendes Ostblock-Odeur an, was innerhalb der prestigegetriebenen westlichen Kundschaft mit Naserümpfen quittiert wurde. Heute, 18 Jahre später, ist Skoda voll integriert, auf der Höhe der Zeit und imagetechnisch über jeden Zweifel erhaben. Als sich Dacia vor rund vier Jahren an der Hand von Renault anschickte auf dem österreichischen Markt Meter zu machen, war der Empfang ähnlich frostig wie weiland bei Skoda. Der (vorerst) einzige Gedanke angesichts des Debut-Modells Logan war, hoffentlich nie in die finanzielle Misere zu kommen, dieses Auto ernsthaft in Erwägung ziehen zu müssen. Und heute, fünf Jahre und fünf Modelle später? Vom Status der Marke Skoda ist Dacia zwar noch ein gutes Stück entfernt, die Richtung stimmt allerdings. Durch kluges Marketing, intelligente Modell- und Preispolitik hat sich die rumänische Renault-Tochter den Nimbus eines Herstellers von zeitgemäßen und vernunftsbetonten Fahrzeugen verschafft. Mittlerweile liegt der Marktanteil von Dacia in Österreich mit im Vorjahr 4.400 verkauften Stück bei 1,5 Prozent. Mittelfristig will sich Dacia zu zwei Prozent hinaufhangeln, was auch absolut realistisch erscheint. Nicht zuletzt dank des Duster, mit dem Dacia das enorm prosperierende und auch hochpreisige Segment der Kompakt-SUV kräftig aufmischen will - und definitiv wird.

Modernes, offroadwürdiges Design
Mit dem angesagten Kampfpreis ab 11.990 Euro hat Dacia bereits im Umfeld des Genfer Autosalon Anfang März für gehöriges Rauschen im Blätterwald gesorgt. 11.990 Euro! Damit liegt der Duster rund 7.000er unter dem Einstiegsmodell des Skoda Yeti. Was aber kann man von einem SUV zu einem derartigen Diskontpreis erwarten? Worauf muss dabei verzichtet werden? Auf zeitgemäßes Design jedenfalls nicht. Der Duster tritt kraftvoll auf den Plan, bullig, mit allen Insignien eines ernstzunehmenden Offroaders. Die da wären: ausgestellte Radkästen, Unterfahrschutz hinten und vorne, Flankenschutz und eine große Bodenfreiheit von 20,5 beim Fonttriebler, beziehungsweise 21 Zentimeter beim Allradler. Die detaillierte Ausformung des blechernen Rundherums geriet modern, selbstbewußt und geradlinig. Der Blick bleibt wohlwollend an den Doppelscheinwerfern mit integriertem Blinker, dem Chromgrill, dem Seitenfenster mit Aufwärtsknick hinter der C-Säule und dem kompakt gezeichneten Heck mit den vertikal angeordneten Rückleuchten hängen.

Viel Platz
Im Inneren empfängt einen ein aufgeräumtes Cockpit. Das generell etwas nüchterne Umfeld wird durch durchaus designaffine Details wie Applikationen in Wagenfarbe, geschwungene Türgriffe und die hellgrau umrahmte Lüftungsdüsen aufgelockert. Das dominierende Material ist, und hier haben wir auch schon ein Zugeständnis an den günstigen Preis, Hartplastik - allerdings in sauber verabreiteter Ausführung. Da gab es selbst auf den Schotterpisten in der Geröllwüste rund um Marrakesch bei der ersten Testfahrt kein Scheppern und Klappern. Die Sitze sind straff gepolstert und mit langer Oberschenkelauflage versehen. Auffallend ist das, dank des langen Radstands von fast 2,7 Metern, generöse Raumgefühl - vor allem im Fond. Dort sitzt es sich sich bequem mit für Fahrzeuge dieser Klasse eher ungewohnt großer Bein- und Kopf und Ellenbogenfreiheit. Ein anerkennender Pfiff entfährt uns auch beim Blick in den Kofferraum. Die ein Meter breite Ladefläche fasst beim Fronttriebler 475 Liter. Beim Allradler muss man sich mit 443 Liter begnügen. Das Umlegen der Rücksitzlehnen generiert maximal 1.636 Liter.

Lesen Sie auf der nächsten Seite wie sich der Dacia Duster im Gelände und auf Asphalt geriert und wie das Fazit der autonet-Redaktion ausfällt.  Ernstzunehmender Offroader
Die Allrad-Technik für den Duster liefert Konzernmutter Nissan. Per Drehschalter in der Mittelkonsole kann zwischen drei Fahrmodi gewählt werden: Im "Auto"-Modus bewegt sich der Duster frontgetrieben voran. Geht die Traktion flöten, leitet eine elektromagnetische Kupplung bis zu 50 Prozent des Drehmoments an die Hinterachse weiter. Der "Lock"-Modus aktiviert einen permanenten Allradantrieb, der auf ein Tempo von maximal 60 km/h beschränkt ist. Im 2WD-Modus wird der Allradantrieb gänzlich ausgeschaltet.

Ein praktisches, allerdings auch kostenintensives Feature bei Geländefahrten ist die Bergabfahrhilfe, die bei extrem steilen Passagen das Tempo reguliert. Da auch Dacia das seinen Kunden nicht vorenthalten will, ohne jedoch den Preis zu treiben, haben sich die Ingenieure eines Tricks beholfen: der erste Gang des Sechsganggetriebes ist extrem kurz übersetzt, was eine große Bremswirkung zeitigt. Dadurch kann, ähnlich wie bei elektronischen Systemen, bei Bergabfahrten der Fuß von der Bremse genommen werden. Geht´s bergauf, fungiert die kurz übersetzte erste Schaltstufe quasi als Kriechgang.

Das aus dem Sandero bekannte Fahrwerk des Duster ist komfortabel abgestimmt. Harte Stöße werden großzügig abgefedert. Schwammig wirkt der Offroad-Rumäne dennoch nicht: die Karosserie ist verwindungssteif und das Wankverhalten wenig ausgeprägt. Etwas stärker ausgeprägt könnte die Direktheit der Lenkung sein.

Agiles Fliegengewicht
Das Leistungsspektrum der drei Motoren von 85 bis 110 PS mutet im ersten Moment etwas schwachbrüstig an. Ein Eindruck, der sich in der Praxis nicht erhärten lässt. Der Duster bahnt sich durchaus agil seinen Weg. Das liegt vor allem daran, dass der Billigsdorfer ein regelrechtes Fliegengewicht ist. In der Basisversion mit 105 PS starkem 1,6-l-Benziner und Frontantrieb wiegt der Duster lediglich 1.160 Kilo. Von 0 auf 100 geht´s mit derart leichtem Gepäck in 11,5 Sekunden. Die beiden 1,5-l-Commonrailer mit 85 und 110 PS gehen die Sache etwas gemächlicher, dafür aber sparsamer an: Während der Benziner 7,5 Liter auf 100 km/h schluckt, begnügen sich die Selbstzünder mit 5,1 und 5,3 Litern.

Preis und Austattung 
Die Preisliste für den Duster fängt bei öffentlichkeitswirksamen 11.990 Euro für den 1.6 16V 105 an. Dafür bekommt man einen SUV, das stimmt, allerdings einen äußerst rudimentär ausgestatten. Der günstigste Allrad-Duster ist in der Ausstattung Ambiance und dem Vierzylinder-Benziner ab 14.990 Euro zu haben. Die Top-Version in der Ausstattung Lauréate und mit dem 110-PS-Diesel kommt auf 18.190 Euro. Mit an Bord sind dann Klimaanlage, elektrisch einstellbare und beheizbare Rückspiegel, höhenvestellbarer Fahrersitz und ein ebensolches Lenkrad. Wer dann noch den einen oder anderen Euro übrig hat, kann sich den Duster noch mit 16-Zoll-Alufelgen um 268 Euro, Lederausstattung um 510 Euro und Metallic-Lack um 310 Euro aufhübschen. Wer lieber in Sicherheit investiert, dem sei das ESP um 300 Euro angedient.

Fazit  
Wäre es nur der extrem günstige Preis, den der Dacia Duster für sich verbuchen könnte, könnte die Konkurrenz ruhig schlafen. Dass der Rumänen-SUV allerdings auch technisch ein veritabel gut gemachtes Stück Automobil darstellt, dürfte dem einen oder anderen Mitbewerber aber schon Krausbirnen aufsteigen lassen. Punkto Offroadtauglichkeit kann der Duster mit vielen seiner weitaus teureren Klassenkollegen locker mithalten. Und dass der Billig-SUV auch optisch gegen etablierte Mitstreiter nicht abstinkt, setzt dem Fass dann vollends die Krone auf. Freilich, wer sein Ego mit Prestige füttert wird immun sein gegen den Duster. Alle anderen können den gewitzten Offroader ab Ende April beim Händler in Augenschein nehmen. Die Allradler treffen Anfang Juni in Österreich ein. 

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