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Maestro Valentino Balboni © KK
 
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Kunstwerke aus Titan

Valentino Balboni war 40 Jahre lang Testfahrer bei Lamborghini. Jetzt meldet er sich aus dem Ruhestand zurück und designed Auspuffanlagen für die Kultmarke.

16.08.2016 | 10:05 | Kleine Zeitung

Man sagt, in jedem Lamborghini der letzten Jahrzehnte steckt ein Teil der Seele von Valentino Balboni. Was beweisen würde, wie viel Soul der Mann hat. Der legendäre Testfahrer, der jeden Prototypen und 80 Prozent aller Serienautos italienischen Marke fuhr – stets auf den gleichen Straßen und meist am absoluten Limit. Jener Mann, der als Lehrling bei Ferruccio Lamborghini anfing und sich vom Mechaniker zum vollgasfesten Aushängeschild hocharbeitete, und sich buchstäblich einen unglaublichen Ruf erfuhr.

Weltweit ließen Kunden Balboni einfliegen, nur damit sie sich vom Cheftester ihren neuen Countach oder Diablo erklären lassen konnten. Und ihm zu Ehren gab es sogar eine heckgetriebene Sonderserie des Gallardo, natürlich mit seinem Nachnamen als unverwechselbare Modellbezeichnung.

Ein Mann, dessen Meinung ein unglaubliches Gewicht hatte: Carabinieri blickten stets wohlwollend weg, wenn Herr Balboni wieder einmal im Tiefflug ankam. Überprüften höchstens, ob der Klang der Zwölfzylinder auch heiser genug war. Auch die Mechaniker trauten sich nicht nach Hause zu gehen, bevor Valentino von seiner abendlichen Tour zurück kehrte. Doch meistens konnten sie seine Zufriedenheit schon aus der Ferne deuten: Wenn er es bis in den fünften Gang geschafft hatte, untermalt vom wilden Stakkato herrischer Gasstöße, das in einer langen Volllast-Etappe endete, war ihnen klar: Die zwölfzylindrige Ouvertüre hat den Geschmack des großen Meisters getroffen.

Ein Leben für Lamborghini, das ihn auch in seiner Pension nicht los lässt. Der Klang gilt bis heute schließlich als eines der sinnlichsten Elemente der Autos mit dem Stier im Logo, und wer könnte das besser beurteilen als Signore Balboni?

Es dürfte also niemanden ernsthaft verwundern, dass er seinen Unruhestand dafür nutzt, Auspuffanlagen zu bauen. Denn hier geht es nicht nur darum, Abgase so schnell wie möglich ins Freie zu transportieren. Lamborghini verbaut schließlich noch waschechte Saugmotoren. Und bei denen liegt die hohe Kunst darin, die Rohre so zu bemessen, dass sie den Abgasstrom nicht blockieren. Aber dennoch genügend Rückstau bieten, damit in dem Moment, wo Ein- und Auslassventile offen stehen, das frische Gemisch nicht gleich in den Auspufftrakt gesogen wird. Und natürlich darin, die Töpfe so zu konstruieren, dass sie genügend Schall schlucken, die unverkennbare Klangnote aber entsprechend hervor heben. Kein leichter Job also.

Und genau das möchte Valentino Balboni nun schaffen. Im Stile der großen Meister der frühen Jahre, die geschickt kleine Bleche in der Abgasanlage montierten, um den Klang regelrecht zu komponieren. Wobei es fast schon zu schade wäre, Balbonis Systeme unter dem Auto festzuschrauben, denn sie schaffen es, diese Handwerkskunst auch optisch stilecht darzustellen.

Das verwendete ultraleichte Titanium schillert wie ein Regenbogen in allerlei Anlauffarben, die durch die Abwärme beim Schweißen entstehen, und überhaupt: Allein die Schweißnähte sind ein unverkennbares Zeichen dafür, dass hier echte Könner in mühevoller Handarbeit am werken sind.

Der Auspuff als neue Kunstform – es wäre also legitim, sich diesen Auspuff nur als Skulptur ins Wohnzimmer stellen zu wollen. Und abgesehen davon: Viel mehr würde den Normalsterblichen auch nicht übrig bleiben - denn das einzige Auto, auf den das Abgassystem derzeit passt, ist der Lamborghini Aventador SV.

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